18. Juli 2014, 17:48 Uhr

Beuerner Pfadfinder kritisieren Aussetzen der Förderung

Buseck (rüg). Der ehemalige Beuerner Badeplatz bietet denPfadfindern vom Stamm »Wikinger« ein idyllisches Plätzchen für ihre Vereinsarbeit, die von ökologischen Projekten geprägt ist. Kürzlich ging es dort einmal nicht um das Keltern von Apfelsaft, die Erzeugung von Solarstrom oder die Herstellung von Bienenhonig, sondern ums Geld.
18. Juli 2014, 17:48 Uhr
Lagerfeuerromantik: Die Stimmung bei den Beuerner »Wikingern« ist jedoch getrübt durch die Tatsache, dass die Gemeinde für die letzten beiden Jahre keine Förderung der Zeltlager und Freizeiten ausgezahlt hat. (Foto: Rüdiger Geis)

Vereinsvorsitzender Dr. Jörg Schudy hatte die Fraktionschefs der im Parlament vertretenen Parteien eingeladen, um seine Kritik am Verhalten der Gemeinde bezüglich der derzeit ausgesetzten Vereinsförderung loszuwerden. Diese nämlich war 2006 auf neue (abgespeckte) Füße gestellt worden, jedoch lief diese Neuregelung 2008 aus. An einer Nachfolge wird seitdem gearbeitet, wozu im vergangenen Jahr, nachdem eine Novellierung der Hallenbenutzung gescheitert war, sogar eine Arbeitsgruppe eingerichtet wurde.

Konkret nannte Dr. Schudy die in früheren Jahren stets, wenn auch mit diversen Verzögerungen, gezahlte Unterstützung von Freizeiten und Pfadfinderlagern mit einem Euro pro Tag und Teilnehmer. Im Jahr 2012 belief sich diese von den Pfadfindern beantragte Förderung auf 550 Euro, vergangenes Jahr waren es rund 450 Euro. Ausbezahlt wurden sie jedoch nicht – mangels neuer Richtlinien.

»Was ist ehrenamtliche Arbeit wert«

Schudy wies darauf hin, dass die Beuerner Pfadfinder in das von der Gemeinde zur Verfügung gestellte Gelände seit 2005 rund 55 000 Euro investiert hätten, von denen sie 45 000 Euro selbst aufbrachten. »Und nun geht es um läppische 550 Euro Zuschüsse für die Kinder«, ärgerte sich Schudy und fragte: »Was ist die ehrenamtliche Arbeit von Vereinen der Gemeinde wert, nicht nur in Geldwert, sondern auch in Planungssicherheit?«

»Eine anspruchsvolle Frage«, meinte Grünen-Fraktionschef Burkhard Böttcher und wies darauf hin, dass die Gemeinde Buseck rund 110 Vereine habe, die über viele Jahre auch ohne Förderrichtlinien bedient worden seien. Jetzt aber sei die Gemeinde in der fatalen Lage, in diesem Jahr einen Haushalt zunächst nicht genehmigt zu bekommen und einschneidende Einsparungen vornehmen zu müssen. So habe es geschmerzt, die Gelder für die Sanierung des Freibads wieder herausnehmen zu müssen. Von den Mittelstreichungen seien aber auch andere Vereine betroffen, nicht nur die Beuerner Pfafinder. »Aber ich muss unterscheiden zwischen meiner Wertschätzung für die Vereine und der Notwendigkeit von Kürzungen«, so Böttcher.

Willy Jost (SPD) meinte, man habe seinerzeit Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten bei der Vereinsförderung festgestellt. So seien beispielsweise Vereine, die kostenfrei gemeindeeigene Hallen nutzen könnten durch eine indirekte Förderung nach wie vor bevorteilt gegenüber Vereinen wie die Pfadfinder, die eine direkte Förderung erhalten hätten. Jost schlug vor, es solle keine pauschalen Förderungen mehr geben (z. B. pro Mitglied), sondern Zuwendungen an diejenigen, die tatsächlich bedürftig seien.

Diese soziale Komponente, konterte Schudy, gebe es bei den Beuerner Pfadfindern ohnehin. Mit der bisherigen Förderung der Gemeinde habe man aber einen Ausgleich zwischen teureren und billigeren Freizeiten schaffen können. Das gespart werden müsse, sei schon klar, aber die »Wikinger« würden ja letztlich ein Vielfaches an Geld in die Gemeinde holen als man von dieser bekomme. So gestalte man in diesem Jahr wieder fünf Angebote der Ferienspiele. Allerdings werde dies unter den gegebenen Umständen das letzte Mal sein. Ab sofort würden sich die Beuerner Pfadfinder auch nicht mehr an der Renaturierung des Bachlaufs im Busecker Schlosspark beteiligen.

»Schlecht kommuniziert«

Oliver Steinbach (CDU) zeigte Verständnis für die Verärgerung. 550 Euro seien nicht gerade ein hoher Betrag, und es gehe ja auch um Planungssicherheit, wenn man sich auf einen jahrelang auch ohne Förderrichtlinien gezahlten Zuschuss verlassen habe. Steinbach kritisierte, dass die Entscheidung des Gemeindevorstands, vorerst keine weiteren Auszahlungen vorzunehmen, schlecht kommuniziert worden sei – die einzige Einschätzung, bei der er sich mit Böttcher und Jost einig war. Es sei ein Fehler gewesen, die Förderung auslaufen zu lassen, ohne neue Richtlinien vorzulegen. Dies sei auch nicht in der Gemeindevertretung entschieden worden.

Auch Böttcher meinte, diese Art des Umgangs gehöre sich nicht. Er forderte mehr »Kreativität« und die Suche nach »Hilfskrücken«, durch die man zumindest solche Projekte wie die der »Wikinger« fördern kann. Jost erklärte, der Gemeindevorstand hätte früher kommunizieren müssen, dass es keine direkte Förderung mehr gibt.

»Zu bisheriger Praxis zurückkehren«

Ortsvorsteher Markus Scheld (SPD) sagte, das fehlende Geld tue den Vereinen weh, besonders, wenn sie ein eigenes Gelände finanzieren müssten. Er forderte die Rückkehr zur bisherigen Praxis, bis die neuen Richtlinien stehen. Luise Böttcher (Grüne) berichtete, das die Arbeitsgruppe zur Umsetzung dieses Vorhabens vielleicht knapp ein Drittel des »Berges« abgearbeitet habe. Im letzten Drittel werde man sich des Problems der Auszahlungen annehmen können. Soll heißen: Die betroffenen Vereine werden sich noch in viel Geduld fassen müssen.

Steinbach bemängelte die Verteilung von Haushaltsgeldern. So würden 100 000 Euro für Stühle in der Harbig-Halle bereitgestellt, die keiner wolle und brauche. Der CDU-Fraktionsvorsitzende schlug vor, man könne einen Dringlichkeitsantrag in die nächste Parlamentssitzung einbringen, durch den die ruhenden Anträge neu beschieden werden.

Kreisbeigeordneter Dirk Haas (SPD) – wie Steinbach Kandidat für die Bürgermeisterwahl im kommenden Jahr – gab jedoch die Gegenfinanzierung zu bedenken: Die werde die Kommunalaufsicht nämlich verlangen.

Egal wie sich die Sache entwickelt: Dr. Schudy kündigte an, den Vorsitz an Jüngere abzugeben: »Ich bin es leid, Stunde um Stunde mit solchen Dingen zuzubringen.«

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