03. Juni 2016, 18:23 Uhr

30 Jahre, 120 000 Kilometer

Buseck (so). »Soso – mit dem Auto kommst Du«, witzelt der Ex-Kollege, als ich mich bei ihm ankündige und um ein Gespräch bitte. Denn Norbert Münch ist passionierter Radler – ganz ohne viel Aufhebens darum zu machen. Zeit seines Berufslebens ist er mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Mehr als 120 000 Kilometer sind in 30 Jahren zusammengekommen.
03. Juni 2016, 18:23 Uhr

Knapp 11 Kilometer sind es vom Verlagsgebäude der Gießener Allgemeinen in der Marburger Straße 20 in der Kreisstadt via Alten-Buseck bis zu den Münchs, die in der Unterstruth in Großen-Buseck wohnen. Zwischen 15 und 20 Minuten Fahrzeit – je nach Verkehr. 9,2 Kilometer lang ist die Strecke mit dem Rad durch die Wieseckaue und über den Martha-Mendel-Weg respektive die Ringallee. Die Fahrtzeit ist geringfügig länger; etwa 30 Minuten.

Mehr als 30 Jahre lang hat dies Norbert Münch tagein, tagaus zwischen seinem Zuhause und dem Arbeitsplatz zurückgelegt. Geht man einmal von rund 250 Arbeitstagen im Jahr aus und zieht 30 Urlaubstage ab, so sind dies 220 Fahrten zur Arbeit und zurück – mit zusammen 4048 Kilometern im Jahr. In 30 Jahren kommen so exakt 121 440 Kilometer zusammen.

1979 hat der Großen-Busecker bei der »Gießener Allgemeinen« angefangen, arbeitete die ersten zwei bis drei Jahre im Schichtdienst im so genannten »Systemraum«, dem technischen »Herz« der Zeitungsherstellung. Bei der Tagschicht stieg Münch selbstverständlich aufs Rad. Bei der Spätschicht, die sich oft bis weit in die Nacht oder die frühen Morgenstunden hinzog, nahm er denn doch lieber Bahn oder Bus für den Weg zur Arbeit und zurück. Als der Schichtdienst vorbei war, stieg Münch konsequent ganz aufs Rad um.

»Eigentlich bei jedem Wetter«, sagt er. In den letzten Jahren hatte er ein Rad sogar mit Spikes ausgerüstet, war damit dann bei Eis und Schnee unterwegs. Und – fast – immer unfallfrei. Einmal ist er umgefahren worden. »Von einem jungen Kerl«, erinnert er sich gut an die Situation. Der Mann war ihm in einer Gruppe Radler entgegengekommen und ins Gespräch vertieft. Aber der Sturz ging glimpflich ab. Und einmal drehte der heute 64-Jährige bei Glatteis eine Welle und zog sich eine böse Rippenprellung zu – das war noch, bevor er Spikes hatte.

Als Norbert und Renate Münch vor mehr als 40 Jahren heirateten, verzichteten sie konsequent auf das zweite Auto. Und rückblickend bereut Norbert Münch diese Entscheidung nicht: »Es ist eine Frage des Umweltschutzes. Radfahren hält gesund – und da gibt es noch den Faktor Geld. Denn selbst ein teures Rad kostet viel weniger als ein Auto«, führt Münch drei ganz entscheidende Aspekte an, die für das Rad als erste Wahl bei den Verkehrsmitteln im Alltag sprechen.

Fahrradtechnisch hat Tochter Christine übrigens Norbert Münchs Erbe angetreten: Die junge Frau wohnt in Gießen und arbeitet auf der Leppermühle. Der Weg zur Arbeit wird täglich mit dem Rad zurückgelegt.

Jetzt, seit knapp zwei Jahren im Ruhestand, radelt Norbert Münch mehr noch als früher zum reinen Vergnügen – wobei auch Radwandern schon immer hoch im Kurs stand. 2007 etwa reiste er durch Island – ganz allein mit Fahrrad und Zelt.

In den nächsten Tagen steht eine Tour nach Bad Hersfeld an, zum Konzert von Jan Josef Liefers. 92 Kilometer sind es: Da wird dann ein Drei-Tages-Ausflug draus. Am Dienstag radeln die Eheleute in Buseck los, verbringen den Mittwoch in Hessens Osten und genießen das Konzert, und am Donnerstag geht es retour.

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