19. Juli 2015, 19:04 Uhr

Fellingshausen: Neues Domizil für Traktoren-Sammlung

Biebertal (m). Walter Pausch hat sie alle: »Es gibt Leute, die alles Mögliche sammeln, aber nur wenige, die alte Traktoren sammeln«, sagt er. Jetzt hat er für seine Trecker-Sammlung eine neue Halle, dank der tatkräftigen Mithilfe seiner Freunde.
19. Juli 2015, 19:04 Uhr
Walter Pausch (2. von links) freut sich über freundschaftliche Unterstützung durch (von links) Willi Römer, Rudi Gerlach, Klaus Dexheimer und Bernd Krauskopf. (Foto: Volker Mattern)

Der Fellingshäuser ist bekannt für diese Leidenschaft und sein Interesse an anderen historischen Dingen und wird deshalb oft angefragt, wenn irgendwo ein Heimat- oder Geschichtsverein mal wieder eine Ausstellung bestücken will und das eine oder andere Exponat noch fehlt.

Mit seinem Fundus hat er Grundschülern und Kindergartenkindern praktischen Anschauungsunterricht geben können, und deshalb wäre ohne ihn und seine Sammlungen auch das Dorffest zur 750-Jahr-Feier vor zwei Jahren um einiges ärmer gewesen. Seine besondere Leidenschaft hängt an der Landwirtschaft. Daher kann es nicht verwundern, dass eben auch Traktoren dabei eine große Rolle spielen.

Die urtümlich anmutenden, motorisierten Stahlrosse, revolutionierten einmal die Arbeit auf dem Feld, waren eine bis dahin kaum gekannte Erleichterung im bäuerlichen Alltag, egal ob Vollerwerbs- oder Nebenerwerbslandwirtschaft betrieben wurde.

Vor einem Vierteljahrhundert begann Walter Pausch, Traktoren zu sammeln. Was der Markt so hergab und in den Finanzrahmen passte, wurde gekauft. Später erst kristallisierte sich das besondere Interesse an einer Sammlung von Allgaier/Porsche-Traktoren heraus. Der inzwischen verstorbene Händler, Ernst Bladt aus Erda spielte dabei eine entscheidende Rolle, denn der bot Unterstützung bei Reparaturen und der Beschaffung von Ersatzteilen an, aber auch beim Neuerwerb gebrauchter Traktoren, erinnert sich der Sammler.

»Master« ist das Prunkstück

Zehn Jahre musste er warten, bis er endlich einen Porsche-Traktor »Master« – mit 50 PS der stärkste Traktor der Firma Porsche – für damals noch 8000 D-Mark bei besagtem Händler erstand. Das war 2001. Ein Jahr später war die Deutsche Mark Geschichte, und Ernst Bladt fragte bei Walter Pausch nach, ob er den bei ihm vor einem Jahr erworbenen Traktor wieder zurückkaufen könne. Das Angebot war verlockend: 8000 Euro bot der Händler.

Walter Pausch ließ sich aber nicht erweichen. So ist er inzwischen längst stolzer Besitzer der mit 16 Allgaier/Porsche-Traktoren kompletten Produktionsserie der Grundtypen wie »Junior«, »Standart«, Super« und »Master« und kann damit ein Stück Firmengeschichte aufzeigen und auch die Entwicklung des Bedarfs an zunehmender Zugkraft in der Landwirtschaft.

Die Unternehmensgeschichte begann 1906 mit der Gründung der Firma Allgaier, die von 1946 bis 1955 Traktoren baute. 1955 wurde sie dann von der Mannesmann AG gekauft und am 1. Januar 1956 als neu gegründete Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH Friedrichshafen in den Mannesmann-Konzern integriert.

Den Großteil dieser Spezialsammlung hat Walter Pausch, dank tatkräftiger Unterstützung seiner Freunde Klaus Dexheimer, Rudi Gerlach, Bernd Krauskopf und Willi Römer wieder zugänglich gemacht. Die Traktoren fristeten über die Jahre eher ein Schattendasein in alten Schuppen.

Nun wurde anstelle einer baufälligen Unterkunft im Garten des Sammlers eine komplett neue Halle errichtet. Pausch selbst ist gesundheitlich stark eingeschränkt. Da sind Freunde, die zudem auch ein Herz für dieses Hobby haben, wichtig, freute sich der Fellingshäuser über die Unterstützung.

Die Vier rangierten die Traktoren in die neue Unterkunft, wo sie aufgereiht nach der Motorleistung von 11 bis 50 Pferdestärken in Augenschein genommen werden können. Die meisten von ihnen sind nicht mehr fahrtauglich. Ihre rostige Seite und die unübersehbare Patina, die der Zahn der Zeit in deutlichen Spuren in Eisen, Blech und Stahl hinterlassen hat, machen sie irgendwie charmant, lassen erahnen, wie viel verlässliche Betriebsstunden sie ihrem Vorbesitzer treue Begleiter in der Landwirtschaft waren. Einige von ihnen haben eine Zulassung als Oldtimer und werden zu Traktorentreffen oder Ausstellungen gefahren.

Einen der Traktoren hält Walter Pausch ganz besonders in Ehren, und das hat etwas mit seiner familiären Lebensgeschichte zu tun: Der Kauf des Allgaier A11 mit elf PS war für Walter Pausch notwendig, nachdem sein Vater verstorben war, der zuvor Arbeiten wie Pflügen, Eggen, Mähen und das Ziehen eisenbereifter Wagen noch mit dem Kuhfuhrwerk verrichtete. Aus Zeitgründen war dies für Walter Pausch nicht mehr möglich, und so kam der erste Traktor auf den Hof der kleinen Landwirtschaft von Familie Pausch.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass den Traktorfuhrpark noch ein Lanz »Bully«, ein Holder und ein Hako-Kleintraktor ergänzen.

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