25. August 2014, 11:28 Uhr

Enkel des ersten Rodheimer Arztes besucht Biebertal

Biebertal (ws). Über den großen Teich zum Familientreffen: Der 87-jährige Karl Reinhold Klingelhöfer, Enkel des ersten Rodheimer Arztes, besuchte kürzlich Rodheim.
25. August 2014, 11:28 Uhr
Der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Frankenbach, Ekkehard Löw (Mitte) und die Gäste aus den USA: (von links) Margaret, John Karl und Peter Klingelhöfer (aus Frankenbach), William Georg, Katharine und Karl Reinhold Klingelhöfer.

Der in Tucson/Arizona lebende Karl Reinhold Klingelhöfer war mit Sohn, Schwiegertochter und zwei erwachsenen Enkeln in Hessen zu Gast, um an dem alle drei Jahre stattfindenden Sippentreffen der Klingelhöfers in Marburg teilzunehmen.

Die Amerikaner machten vorher einen Abstecher nach Biebertal, um in Begleitung der Frankenbacher Peter Klingelhöfer von der Klingelhöfer-Sippe und Ekkehard Löw, der als Dolmetscher fungierte, Rodheim zu besuchen. Hier war der Großvater des 87-Jährigen, Dr. Reinhold Kingelhöfer, von 1889 bis in die 1920er Jahre als praktischer Arzt
tätig. Auch sein Vater Karl August wurde dort geboren und getauft.

Anfangs auch als Zahnarzt tätig

Bereits im Vorfeld hatte Helmut Failing vom Heimatverein im Gemeinderegister und im Kirchenbuch recherchiert. Dr. Klingelhöfer, geboren 1859, praktizierte ab Anfang 1889 zunächst nur ein oder zweimal die Woche im Haus Nr. 51 in der Gießener Straße bei Ludwig Dudenhöfer (»Gärtner Lui«). Er reiste dazu immer aus seiner Heimatstadt Kirchhain an. Es gab nur einen kleinen Behandlungsraum und das Treppenhaus diente als Wartezimmer.

Laut Standesamt Rodheim meldete er sich im Oktober 1889 in Rodheim an. Ab dieser Zeit muss er hier gewohnt und im ganzen Dorf praktiziert haben. Wo er mit seiner Familie wohnte, ist allerdings nicht überliefert. Später praktizierte er im Haus Gießener Straße 52 (hier hatte später »Landarzt« Dr. Oskar Ziehe sein Domizil).

Klingelhöfer stammte aus Kirchhain, wie aus den Taufunterlagen der noch in Rodheim geborenen Kinder Auguste, Karl und Fritz zu ersehen ist, und kam aus einem gutbürgerlichem Hause, denn die Paten waren Ärzte, Pfarrer und hohe Beamte. 1890 wurde Auguste, 1893 Karl August, der Vater von Karl Reinhold, und 1894 Fritz in Rodheim geboren. Sie wurden in der Rodheimer Kirche getauft. Da erst 1926 der erste Zahnarzt, Dr. Breunig, in Rodheim eine Praxis eröffnete, war Dr. Klingelhöfer – wie Zeitzeugen berichteten – auch für die zahnärztliche Versorgung der Rodheimer Bevölkerung zwangsläufig mit zuständig.

1911 wanderte der 17-jährige Karl Klingelhöfer nach Nordamerika aus und ließ sich als Farmer nieder. Sein Bruder Fritz wurde Leutnant im Ersten Weltkrieg und starb im Mai 1915 an einer Verwundung im Feldlazarett Vouziers. Er wurde auf dem Rodheimer Friedhof beigesetzt. Sein Grab befindet sich gegenüber der Aussegnungshalle. Er hat – wie alle Kriegsopfer – hier das ewige Ruherecht. Wann Dr. Klingelhöfer seine Praxis aufgab oder an seinen Nachfolger Dr. Schulze in den 1920er Jahren übergab, ist nicht bekannt.

»Der heute 87-jährige Karl Reinhold Klingelhöfer, der den Beruf des Ingenieurs ausübte, ist sehr an der Vergangenheit seiner Ahnen in Rodheim interessiert. Zunächst besuchte er mit seinem Sohn, der Schwiegertochter und den Enkeln das Grab seines Onkels Fritz auf dem Friedhof. Nächste Station war die Rodheimer Kirche«, berichtet der Vorsitzende des Heimatvereins Rodheim-Bieber, Helmut Failing.

Er erläuterte den Besuchern einige historische Daten des Gotteshauses und zeigte Karl Reinhold Klingelhöfer die Taufschüssel, mit der sein Vater wohl 1893 getauft worden war. Dann ging es weiter zum Haus Nr. 51 in der Gießener Straße. Hier hatte sein Großvater zuerst praktiziert. Die jetzige Besitzerin, Ursula Failing, empfing ihn sehr freundlich. Sie zeigte ihm alte Bilder des Hauses und berichtete auch einige interessante Details aus der Vergangenheit.

Zum Abschluss besuchte die Gruppe das Heimatmuseum. Die Amerikaner waren sehr erfreut und angetan vom freundlichen Empfang in Rodheim und den vielen Informationen über ihre Ahnen. Wie Peter Klingelhöfer später mitteilte, war es für den schon betagten Karl Reinhold Klingelhöfer ein ganz besonderes Erlebnis in Rodheim. Dies brachte er auch in seinem Dankesbrief aus Tucson zum Ausdruck.

Zusatzinformation: Im Vetzberg-Buch von 2009 schreibt der lokale Heimatforscher Manfred Schmidt aus Wettenberg von der Ansiedlung eines jüdischen Arztes Löw Ende des 17. Jahrhunderts in Vetzberg. Vier seiner Söhne studierten Medizin in Gießen. Sein Sohn Gerson wurde Nachfolger seines Vaters in Vetzberg. Hier starb er auch 1744. Welche Ortschaften er medizinisch betreute, ist nicht überliefert, bestimmt aber auch den Nachbarort Rodheim.

Dr. Reinhold Klingelhöfer (Sanitätsrat) war verheiratet mit Marie geb. Fett. Das Ehepaar hatte zwei Söhne und zwei Töchter. Die Töchter Auguste und Elisabeth wurden zu Krankenschwestern ausgebildet. Karl August und Fritz schickte Vater Reinhold auf die Militärschule in Oranienstein bei Dietz. Karl August, der Vater von Karl Reinhold Klingelhöfer, wollte aber nicht auf die Militärschule gehen, sondern Arzt werden wie sein Vater. Doch der lehnte dies ab.

Mit 17 nach Amerika ausgewandert

Im Februar 1911, im Alter von 17 Jahren, verließ Karl August Rodheim unter dem Vorwand, in Nordamerika den Onkel seiner Mutter besuchen zu wollen. Er kam nie mehr nach Hause zurück und hat auch seine Eltern nie mehr gesehen.

Karl August wurde in Amerika Farmer. Er heirate 1919 Alma Highsmith. Ihre Kinder sind Karl Reinhold und Marie Bell. Karl Reinhold war mit Gergann Hacker verheiratet, die im Jahre 2008 mit 81 Jahren starb. Sie hatten zwei Söhne: William Georg (geb. 1953) und Karl Dennis (geb. 1951) sowie fünf Enkelkinder.

Zu Besuch in Rodheim waren Karl Reinhold mit Sohn William Georg und dessen Frau Margaret Klingelhöfer sowie deren Kindern Katharine (geb. 1992) und John Karl (geb. 1994).



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