Biebertal

»Dragonersch Kochbuch«: Alte Rodheimer Rezepte

Biebertal (ws). Der Heimatverein Rodheim-Bieber hat mit der Herausgabe des »Dragonersch Koch« von Karoline Maxeiner ein besonderes Kochbuch zusammengestellt, in dem alte Rezepte – so wie die Rodheimer vor 100 Jahre kochten – wiederentdeckt wurden.
11. November 2011, 11:58 Uhr
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Karoline Maxeiner

In der Einleitung des Kochbuches ist zu lesen: »Vor über einem Jahrhundert schrieb eine junge Rodheimerin gängige Küchenrezepte auf und dokumentierte so auf sehr persönliche Weise das Essen der einfachen Leute, wie auch die feine festliche Küche.«

Die Autorin, Karoline Maxeiner, geb. Schlierbach, kam am 15. September 1871 im Schwarzen Hof zur Welt – als älteste von drei Töchtern der Eheleute Karl Schlierbach und Karoline geb. Krauskopf, (Dorfname »Dragonersch«). 1894 heiratete die junge Frau den aus Gutenacker (heute Katzenelnbogen) stammenden Lehrer Heinrich Philipp Maxeiner, geboren am 3. Juli 1867.

Des Lehrers Leibspeisen

Dieser war nach seiner Lehrerausbildung in Usingen/Taunus seit 1888 an der Rodheimer Schule tätig. 1898 kam Tochter Lina und zwei Jahre später Sohn Karl-Heinz in der Lehrerwohnung im »Neuen Rathaus« (heute Heimatmuseum Rodheim, Gießener Straße 23) zur Welt. 1902 ließ sich Heinrich Maxeiner nach Rückershausen (Bad Laasphe) versetzen. Bereits zwei Jahre später ging er mit seiner Familie nach Eschersheim/Frankfurt. Dort unterrichtete er bis zu seiner Pensionierung, zuletzt als Konrektor. 1934 starb Heinrich Maxeiner 67-jährig in Eschersheim. Seine Frau Karoline folgte ihm 1943.

Der Enkel des Lehrerehepaars, Dieter Maxeiner, der heute im großelterlichen Haus in Eschersheim lebt, überließ dem Heimatverein nicht nur viele Daten, Fotos und Erinnerungen, sondern stellte auch die handschriftliche Rezeptsammlung seiner Großmutter für eine Abschrift zur Verfügung. Wann Karoline Maxeiner »ihre Rezepte« aufgeschrieben hat, ist nicht bekannt. Vermutlich aber noch vor ihrer Ehe bzw. in den ersten Ehejahren. Um das in Sütterlinschrift verfasste Büchlein heutigen Lesern zugänglich zu machen, übertrugen Prof. Dr. Hans-Joachim Weimann und Helmut Failing die Texte und passten sie geringfügig der modernen Lesart an. Ilse Schäfer, eine Großnichte der Maxeiners, überprüfte die Rezepte auf Plausibilität. Mehr als 80 Köstlichkeiten von herzhaft bis süß sowie die Konservierungsmethoden zeugen von einer gutbürgerlichen Küche, wie sie vor 100 Jahren in unseren Dörfern üblich war. Einige Rezepte finden sich noch heute nahezu unverändert in Kochbüchern. Andere, wie etwa die französische Suppe oder der polnische Salat, laden zum Wiederentdecken ein.

Dieses Kochbuch möchte vor allem junge Menschen anregen, die Gerichte aus Alt-Rodheim auszuprobieren. Es sind Rezepte aus einer Zeit ohne Elektroherd, Mikrowelle und Kühlschrank. Und: Kochen war damals (noch) ausschließlich Frauensache. Bemerkenswert auch, dass die Hausfrau mit Zucker und Butter nicht sparsam umging, brauchte man doch die Kalorien für die anstrengende körperliche Arbeit.

Historische Kochbücher sind immer auch Geschichtsbücher: Zutaten, Küchentechnik, Tischkultur und Sozialunterschiede formen sich zu anschaulichen Bildern ihrer Zeit.«

Das »Historische Kochbuch« wird am Sonntag, 27. November, um 16 Uhr im Heimatmuseum in Rodheim der Öffentlichkeit vorgestellt und kann dort erworben werden.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/biebertal/Biebertal-Dragonersch-Kochbuch-Alte-Rodheimer-Rezepte;art83,64381

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