28. März 2010, 17:22 Uhr

Christian Quadflieg zu Gast in Biebertal

Biebertal (ar). Den allseits bekannten Schauspieler Christian Quadflieg begrüßte Veranstalter Jörg Wießmann (»Wiesel Events«, Laubach) am Freitagabend im Bürgerhaus Rodheim. Quadflieg greift seit einiger Zeit gezielt auf das elementare Werkzeug eines Schauspielers zurück: Die Sprache.
28. März 2010, 17:22 Uhr
Christian Quadflieg (Foto: ar)

Biebertal (ar). Den allseits bekannten Schauspieler Christian Quadflieg begrüßte Veranstalter Jörg Wießmann (»Wiesel Events«, Laubach) am Freitagabend im Bürgerhaus Rodheim. Quadflieg, der sich außerdem als Leiter verschiedener Inszenierungen einen Namen gemacht hat, greift seit einiger Zeit gezielt auf das elementare Werkzeug eines Schauspielers zurück: Die Sprache. Als Rezitator leiht er seine Stimme jenen Dichtern, deren Werke ihn in besonderer Weise begeistern, wie er selbst sagte. Dies sind, wie auch am Freitagabend zu hören war, bei Weitem nicht nur berühmte Namen wie Johann Wolfang Goethe, Heinrich Heine, Berthold Brecht, Joachim Ringelnatz oder Robert Gernhardt. Es geht ihm auch darum - wie er ausdrücklich betont - vergessenen Schriftstellern wie Peter Paul Althaus alias »PPA« wieder mehr Bekanntheit zu verschaffen.

Quadflieg brachte dem Publikum in Biebertal mit seinem Programm »Oh, Ringelnatz, du Morgenstern . . .« einen bunten Strauß fröhlicher Verse, hintersinniger Reime und fröhlicher Unsinnsgedichten mit. Kein Zweifel: Sein selbst gesetztes Ziel (» . . .jenes Kind in uns, das spielen will, ansprechen«) hat er an diesem Abend erreicht. Die Besucher lachten herzhaft, manch’ einer gar mit Tränen im Augenwinkel. Quadflieg verständigte sich mit dem Publikum - und so wurden einige Verse an entsprechender Stelle gemeinsam vervollständigt. So sehr sich die Vielzahl der Verfasser unterscheiden mochte, sich ihre Schaffenszeit über drei Jahrhunderte erstreckt: »Es eint sie ihre Freude auch an weniger ernsten oder allzu feierlichen Themen der Poesie«. Nicht selten dienten allegorische Verse auch dazu, so erklärte Quadflieg, aktuelle politische Zustände zu karikieren. Der jeweilige Autor musste oft genug sehr vorsichtig die Feder führen, beispielsweise mit Allegorien arbeiten, wollte er nicht Gefahr laufen vor dem Richter zu landen. So zitierte er beispielsweise Erich Kästner: »Man nimmt den Mund nicht voll, wenn man die Schnauze voll hat. « Christian Quadflieg nahm sich auch die Zeit, seinem Publikum ohne erhobenen Zeigefinger zu erklären, woher zum Beispiel Begriffe wie Klapphornvers stammen oder dass sogar Kaiserin Elisabeth nicht nur eine Verehrerin Heinrich Heines war, sondern selbst recht gut dichten konnte.

»Es macht mir immer wieder Spaß, zu diesen Lesungen zu kommen«, resümierte eine Besucherin, »ich war schon im vergangenen Jahr hier.« In der Tat: Quadflieg hat seine Fans in der Region - und offenbar Spaß daran, wieder zu kommen. Da liegt es nahe zu fragen, was den Künstler, der nächstes Jahr 65 wird und »eigentlich in Rente geht«, motiviert. Es sind nicht nur Lesungen, wie sich herausstellte: Quadflieg interessiert die Pflege der deutschen Sprache an sich. Man kann aus Lesungen wie diesen tiefere Weisheiten zum Nachdenken mitnehmen, sogar was das Zeitung lesen angeht. Eingangs erwähnter Peter Paul Althaus bringt das so auf den Punkt: »Wir sanften Irren, wenn wir Zeitung lesen, dann halten wir die Zeitung umgekehrt [...] wir wissen, dass man in der Zeitung morgen alles andersrum erfährt. Drum halten wir, wir sanften Irren, wenn wir Zeitung lesen, die Zeitung vorsorglich schon heute umgekehrt.«

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