29. November 2010, 19:58 Uhr

Geständnisse im Mordprozess Katharine Münch

Gießen/Allendorf/Lumda (srs). 14 Jahre mögen eine lange Zeit sein. Die Erinnerung an die Rentnerin Katharine Münch und ihren gewaltsamen Tod im Februar 1996 jedoch wühlt viele Bürger in Allendorf/Lumda und einstige Freunde und Bekannte des Opfers noch immer auf. So sitzen an diesem Montagmorgen zahlreiche Zuhörer in Saal 207 des Gießener Landgerichts. Sichtlich angespannt blicken sie nach vorne und lauschen den Worten des Mannes, der unter Anklage steht, Katharine Münch ermordet zu haben.
29. November 2010, 19:58 Uhr

Gießen/Allendorf/Lumda (srs). 14 Jahre mögen eine lange Zeit sein. Die Erinnerung an die Rentnerin Katharine Münch und ihren gewaltsamen Tod im Februar 1996 jedoch wühlt viele Bürger in Allendorf/Lumda und einstige Freunde und Bekannte des Opfers noch immer auf. So sitzen an diesem Montagmorgen zahlreiche Zuhörer in Saal 207 des Gießener Landgerichts. Sichtlich angespannt blicken sie nach vorne und lauschen den Worten des Mannes, der unter Anklage steht, Katharine Münch ermordet zu haben. Der untersetzte Lollarer, die Haare zu einem Zopf gebunden, beugt sich über das Mikrofon auf der Anklagebank - und schmunzelt. Zur Tatzeit habe er täglich Drogen genommen, erklärt er. Leise lacht er auf. »In unbegrenzter Menge.« Dann gesteht er den Mord. Ohne zu stocken, ohne ein Wort oder zumindest eine Miene des Bedauerns: »Ich habe auf sie mit dem Schlagstock eingeschlagen, weil sie nicht ruhig war.« Schließlich habe er sie gewürgt und »zugedrückt, bis kein Ton mehr kam.«

Der Lollarer sowie sein mutmaßlicher Komplize legten gestern voll umfängliche Geständnisse ab. Beide räumten ein, sie seien in der Nacht auf den 26. Februar 1996 zum Haus der alleinstehenden Rentnerin in der Treiser Straße gefahren. Die Idee und den Entschluss, die 68-Jährige auszurauben, habe man erst an jenem Abend getroffen. Der 39-jährige Angeklagte aus Lollar berichtete, er sei damals nach Aufforderung seines Komplizen allein in das Haus eingedrungen. »Ich war jung und naiv.« Der Kumpane habe »eine gute Überredungskunst.« Kaum habe der Eindringling die Wohnküche der Rentnerin jedoch betreten, sei plötzlich das Licht angegangen. »Die Frau lag da auf einer Couch. Wir dachten, sie schläft im oberen Stockwerk.« Es sei zum Kampf gekommen. »Ich habe ihr gesagt, sie soll ruhig sein, dann würde nichts passieren. Aber sie war halt nicht ruhig.« Mit einem Schlagstock aus Gummi habe er mehrmals auf sie eingedroschen. Dann habe er mit der linken Hand ihren Mund zugehalten. »Mit der rechten habe ich zugedrückt.« Er habe »in wilder Panik« gehandelt, erzählt der gelernte Schlosser. Daher sei er auch nicht geflüchtet, als die Rentnerin ihn ertappt habe. Hätte er ohne Geld das Haus verlassen, hätten ihm zudem Schläge des Komplizen gedroht, fügte er hinzu.

Nach der Tat war das Opfer geknebelt und mit einem Telefonkabel gefesselt worden. »Ich habe nicht gedacht, dass ich so fest zugedrückt hätte, dass sie gestorben ist«, gab der Lollarer an. Er habe den Mund der Frau mit Klebeband verschlossen, »damit sie nicht gleich wieder losschreit.«

Kurz nach seiner Festnahme im März dieses Jahres hatte der 39-Jährige seinen Kumpanen noch schwer belastet; dieser habe die Rentnerin ermordet. Damals habe er gelogen, sagte der Lollarer nun gestern. »Meine Mutter hat gesagt, ich soll die Wahrheit sagen.«

70 Mark Beute für Minicar, Essen, Alkohol

Ein Geständnis legte auch der zweite Angeklagte ab, der zur Tatzeit in Odenhausen/Lahn lebte. In besagter Nacht seien sie mit einem Minicar zum Haus der Rentnerin gefahren. Vor der Hintertür hätten sie noch eine Zigarette geraucht. »Geh du rein«, habe er seinem Kumpan gesagt. Kurz nachdem der Hauptangeklagte dann durch die unverschlossene Tür eingedrungen sei, habe er ein Knarren gehört sowie einen Ruf: »Hilfe. Wer sind Sie denn?« Sofort habe der 38-Jährige Reißaus genommen. »Ich bin zum Bürgerhaus in der Nähe gerannt und habe mich dort versteckt für den Fall, dass die Polizei kommt. « Er sei davon ausgegangen, dass auch der Komplize geflüchtet sei. Der ganze Abend sei »außer Kontrolle geraten.« In mehreren Punkten widersprach der 38-jährige dem Hauptangeklagten. So habe es keinen Plan für den Fall gegeben, dass die Rentnerin die Einbrecher erwischen würde. Der Lollarer hatte hingegen angegeben, eigens dafür Klebeband mitgenommen zu haben. Auch seien sie nicht maskiert gewesen, sagte der 38-Jährige, der mehrfach wegen Einbruchs, Diebstahls und Körperverletzung vorbestraft ist. Im Gegensatz zum Hauptangeklagten behauptete er außerdem, seine damalige Frau sei ebenfalls im Haus gewesen und habe nach Beute gesucht.

Ihr Fall wird vor einer Jugendkammer verhandelt, sie war zur Tatzeit 20 Jahre jung. Sie hatte offenbar die Idee zu dem Raub gehabt. Ihre Großmutter war mit dem Opfer befreundet gewesen, hatte bei der Rentnerin regelmäßig geputzt.

Die beiden Angeklagten kennen sich von Kindheit an. Gemeinsam haben sie die Schule in Lollar besucht. Erst knapp zwei Monate vor der Tat indes hatten sie sich angefreundet, hatten gemeinsam gedealt und täglich Kokain, LSD sowie Ecstasy selbst konsumiert. Übereinstimmend berichteten sie, am Ende Modeschmuck, 70 Mark und eine Geldkarte erbeutet zu haben, die sie ohne korrekte Geheimnummer nicht nutzen konnten. Erwartet hätten sie »mehrere Hundert Mark«. Mit den 70 Mark seien sie per Minicar nach Hause gefahren, hätten Alkohol gekauft und Essen bestellt. - Die Verhandlung wird am 8. Dezember fortgesetzt.

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