17. März 2017, 18:41 Uhr

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17. März 2017, 18:41 Uhr

Silence

Chiaki Toyama, ein Meister des japanischen Bambusflötenspiels, war am Donnerstag gemeinsam mit seiner Gruppe von Taiko-Trommlern zu Gast im Traumstern. Dazu passt der Film, der nun übers Wochenende und noch bis Mittwoch im Kino gezeigt wird. »Silence« von Martin Scorsese spielt im Japan des 17. Jahrhunderts. 30 Jahre musste der weltbekannte Regisseur warten, bis er die Finanzierung für dieses Herzensprojekt zusammen hatte, das auf dem Roman »Chinmoku« (deutsch: »Schweigen«) des japanischen Autors Endo Shusaku basiert.

Erzählt wird die Geschichte der beiden portugiesischen Jesuiten Sebastião Rodrigues und Francisco Garpe, die 1638 nach Japan reisen. Sie wollen Sebastiãos ehemaligen Mentor Cristóvão Ferreira ausfindig machen, der – so besagten es Gerüchte – von seinem Glauben abgefallen sein soll. Was sie in Japan vorfinden, übersteigt alle ihre Befürchtungen: Die Regierung dort verfolgt nach einer Rebellion systematisch christliche Bürger. Die beiden jungen Jesuiten geraten unversehens in einem Konflikt auf Leben und Tod: Sollen sie ihrem Glauben öffentlich abschwören, um andere Menschen vor dem Tod zu retten? Ein großes Thema: Bleibe ich meinen Prinzipien treu, koste es, was es wolle? Oder beuge ich mich den Umständen? Und wenn ja, wie weit?

Die Kritik reagierte gemischt auf Scorseses Auseinandersetzung mit diesen Fragen. Der Film sei auf lange Strecken eine Art frommes Traktat, schreibt Jens Jessen in der »Zeit«. Er erzähle aber noch eine andere, nicht zwingend christliche Geschichte: nämlich von den teils schmerzlich begrenzten, teils wunderbar unbegrenzten Möglichkeiten des Individuums, sich in widrigen Umständen zu behaupten. »Zu den Widrigkeiten müssen aber alle drei gerechnet werden: der Glaube, die Natur und die Vernunft.«

Insofern sei Scorsese auch hier der ketzerisch angehauchte Katholik geblieben, als der er sich schon in der »Letzten Versuchung Christi« (1988) gezeigt hat. »Die Kirche hat wenig Grund, sich zu freuen;der Kinozuschauer aber auch nicht viel mehr. Der Film ist etwas langweilig, auf 159 Minuten Dauer.«

Auf »Spiegel online« schreibt Andreas Borcholte: »Man muss die lange Zeitspanne und die dauerhafte Beschäftigung Scorseses mit dem Stoff in Betracht ziehen, um zu verstehen, dass Silence sich nicht als provokanter Kommentar auf den religiösen Fanatismus unserer Zeit verwenden lässt. Scorseses Ansatz ist universeller und persönlicher zugleich, sein Tonfall ist elegisch, die Bildsprache gravitätisch. Das ist irritierend, für manchen vielleicht sogar frustrierend. Man erwartet Wucht und Furor und bekommt stattdessen altersmilde Andacht.«

Auch Bert Rebhandl von der FAZ ist eher enttäuscht: »In jeder Sekunde von »Silence« hat man das Gefühl, eher einem seltsamen, anachronistischen Spektakel zuzusehen, als einem ernsthaften Versuch, der Spannung zwischen zwei Überlebenssstrategien auf die Spur zu kommen.« (us)

Foto: Verleih

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