12. Juli 2018, 22:24 Uhr

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12. Juli 2018, 22:24 Uhr

Der NABU-Kreisverband Gießen berichtet von einer starken Abnahme von Singvögeln im Kreis. Gleichzeitig aber gibt es so viele Weißstörche in diesem Jahr wie noch nie. 28 Paare, drei mehr als 2017 und sogar acht mehr als noch 2016. Hätte es die starken Unwetter im Raum Hungen im Mai nicht gegeben, bei denen viele Jungtiere getötet wurden, wäre es auch zu einem Rekord an flüggen Jungvögeln gekommen. 20 der 28 Brutpaare seien in der Horloffniederung, fünf in der Wetterniederung und drei in der Lahnniederung beheimatet. Worauf dieser Rekord zurückzuführen ist, erklärt Achim Zedler aus Steinbach, Vorsitzender des NABU-Kreisverbandes.

1 Wie kommt es, dass es mehr Störche gibt, Singvögel aber weniger geworden sind?

Der Weißstorch ist ein Sonderfall. Er hat vor allem in Osteuropa einen sehr guten Bruterfolg gehabt. Dort ist er stark und auch zu uns eingewandert. Zudem hat es in Deutschland gezielte Artenschutzmaßnahmen für ihn gegeben.

2 Welche Schutzmaßnahmen wurden denn genau getroffen?

Der Storch wird durch die Nahrungsverfügbarkeit kontrolliert. Und da hat sich im Kreis Gießen einiges getan. Gerade im Raum Hungen, in der Horloffaue, aber auch in der Wetterau haben wir tolle Naturschutzgebiete, wo sie Nahrung finden. Aber etwa in Steinbach, wo ich lebe – da muss ich kein Prophet sein – wenn sich dort in den nächsten 20 Jahren nichts ändert, wird es keine Brut geben. Dort finden sie nicht genug zu fressen. Ansonsten hat der Weißstorch eigentlich keine Feinde. Lediglich die Jungvögel werden, wenn er nicht aufpasst, aus dem Horst gezerrt.

3 War der Storch denn lange weg?

Die letzte Brut im Kreis Gießen war 1964 im Raum Hungen. In Utphe haben sie 2003 dann erstmals auch wieder gebrütet – nach fast 40 Jahren. Allerdings sind 28 Brutpaare, wie wir sie dieses Jahr haben, auch nicht die große Menge. Obwohl es schon wieder einzelne Stimmen gibt, die sagen, das seien zu viele. Das ist Quatsch. Klar, fressen sie Mäuse und Amphibien, und dabei fressen sie auch mal seltene Arten. Deshalb muss der Storch aber nicht bejagt werden. Das Prinzip der Natur ist nicht, dass die oben in der Nahrungskette die unten kontrollieren, sondern genau andersherum: Die Verfügbarkeit der Nahrung bestimmt, wie viele Tiere es an der Spitze der Nahrungskette gibt.

KURZBIOGRAFIE

Achim Zedler, früherer Basketball-Bundesligaspieler, stammt ursprünglich aus Bielefeld und kam 1982 nach Mittelhessen. Er studierte Humanmedizin in Gießen und arbeitet als Facharzt für Orthopädie in Bad Nauheim. Der 56-Jährige ist seit 1987 ehrenamtlich im NABU aktiv und seit 1993 im NABU-Kreisvorstand, seit 2006 in leitender Position. Bereits seit 1991 gibt er den Vogelkundlichen Jahresbericht des Kreises Gießen heraus, seit 1994 erhebt er systematisch Daten über das hiesige Vogelvorkommen. Er veröffentlichte mehrere Artikel in vogelkundlichen Fachzeitschriften und ist seit 2004 Mitglied der Hessischen Kommission für seltene Vogelarten.

(kgg/Foto: kgg)

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