30. März 2017, 18:00 Uhr

Heuhotel

Zwischen Heubett und Bembel

In Heuchelheim eröffnet das erste Heuhotel im Umkreis von 100 Kilometern. Warum es Heu sein muss, und weshalb ihr Hotel nichts für Menschen mit leichtem Schlaf ist, erzählt Inhaberin Verena Weigel.
30. März 2017, 18:00 Uhr
So siehts aus im Heuchelheimer Heuhotel an der Marktschänke. (Foto: so)

Schlafen im Heu - das klingt nach Bauernhof im Allgäu oder in Südtirol. Das duftet nach Schafgarbe, nach wilder Möhre und Gräsern. Stimmt alles - aber eben nicht nur im Alpenland. Sondern auch in Heuchelheim in der Marktstraße. Dort eröffnen Verena Weigel und Thomas Eichhorn, Inhaber der Marktschänke, nun ein Heuhotel.

Frau Weigel, mal ehrlich: Schlafen im Heu mag ja erst einmal ganz romantisch klingen. Aber mit Komfort hat das nichts zu tun, oder?

Verena Weigel: Warum das denn? Sie denken, es piekt?

Tut es das etwa nicht?

Weigel: Nein, natürlich piekt’s nicht. Die Betten sind zwar anstatt mit einer Matratze mit Heu gepolstert, aber Sie liegen ja nicht direkt mit der Haut auf dem Heu. Unsere Gäste bekommen eine Hüttendecke und ein Laken, um damit ihr Bett zu machen. Und dann liegen sie in ihren Schlafsäcken. Wer keinen Schlafsack dabei hat, kann für kleines Geld einen bei uns kaufen.

 
Fotostrecke: Impressionen aus dem Heuchelheimer Heuhotel

Ich bin skeptisch, dass das reicht. Haben Sie schon mal eine Nacht Probe gelegen?

Weigel: Klar doch: Erst von Dienstag auf Mittwoch haben wir mit den Kindern in den Heubetten übernachtet. Hat richtig Spaß gemacht! Außerdem bekommt jeder Schlafgast bei uns eine genaue Einweisung, wie das Bett richtig zu bauen ist, damit es eine angenehme Nacht wird. Übrigens auch für Allergiker ist das kein Problem: Durch das Lagern sind im Heu kaum mehr Pollen vorhanden. Es ist übrigens Heuchelheimer Heu: Vom Landwirt Klug...

Natürlich piekt es nicht

Verena Weigel

Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee, ein Heuhotel zu eröffnen?

Weigel: Ganz einfach: Wir hatten vor einiger Zeit eine Gruppe Radfahrer zu Gast, die in unserer Marktschänke einkehrten. Und sie suchten Zimmer. Mehr im Scherz bot ich ihnen an, in der Scheune im Heu zu übernachten. Ging natürlich nicht einfach so, aber die Idee schwirrte seitdem in meinem Kopf herum.

Und dann ging es an die Umsetzung?

Weigel: Na ja – als ich Thomas davon erzählte, hatte ich zuerst Angst, er sagt: Jetzt ist sie total verrückt geworden. Sagte er aber nicht – und wir machten uns an die Arbeit. Über Monate haben wir uns Gedanken gemacht und Pläne geschmiedet. In einer Riesenaktion hat uns der Elferrat des HCV geholfen, die Scheune erst einmal zu entrümpeln. Das war wie eine Initialzündung. Im Januar war dann die Baugenehmigung da – und jetzt ist das Heuhotel fast fertig.

Dann kommen wir mal zu den Daten. Wie viele Gäste können denn bei Ihnen übernachten?

Weigel: Wir bieten Platz für zwölf Personen in sechs Schlafkammern mit Doppelbetten. Und das auf drei Ebenen. Dazu gibt es zwei Bäder. Dabei haben wir die Scheune bewusst offen gelassen; die Schlafgemächer sind nur durch Leichtbauwände und schwere Vorhänge voneinander getrennt.

Wer sich am Schnarchen anderer stört, für den dürfte das also eher nichts sein.

Weigel: Vermutlich nicht. Aber derjenige dürfte auch nicht in irgendwelchen Hütten in den Alpen übernachten.

Ich hatte zuerst Angst, er sagt: Jetzt ist sie total verrückt worden

Verena Weigel

Wen wollen Sie denn mit Ihrem Heuhotel ansprechen?

Weigel: Das Angebot richtet sich an Familien mit Kindern oder kleinere Gruppen, an Radwanderer oder auch Paddler und andere Urlauber, die die Zeit an der Lahn genießen und um ein spezielles Erlebnis bereichern wollen. Wir denken an Kurzzeit-Übernachter, die ein oder zwei Nächte bleiben. So etwas wie unser Heuhotel gibt es im Umkreis von 80 bis 100 Kilometern nicht noch einmal. Für Radwanderer bauen wir gerade noch überdachte Abstellplätze im Garten hinter der Scheune. Zudem gibt’s noch eine Ladestation für E-Bikes.

Wann geht’s jetzt los?

Weigel: An diesem Wochenende gibt es erst einmal einen Tag der offenen Tür und dann sind noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, bis die Endabnahme erfolgt ist und wir offiziell in die Saison starten können. Die Brandmeldeanlage muss noch fertig installiert werden. Brandschutz war ohnehin ein Riesenthema. Deshalb gibt es auch einen zweiten Ausgang in den Garten. Aber in den nächsten Tagen können wir öffnen.

Info

Tag der offenen Tür

Wer das Heuhotel an der Marktschänke kennenlernen will, hat dazu am Sonntag, 2. April, Gelegenheit. Verena Weigel und Thomas Eichhorn laden zum Tag der offenen Tür von 11 bis 18 Uhr. »Fürs leibliche Wohl wird mit Heubraten, Apfelbratwurst mit Apfelsenf und dem guten Hausschoppen gesorgt«, sagt Thomas Eichhorn. Gebaut und eingerichtet wurde das Heuhotel in den vergangenen drei Monaten unter fachlicher Begleitung durch das Architekturbüro »Archidee«, namentlich Ingo Drommershausen.
Übernachtungen sind mittwochs bis sonntags möglich. Ein Nacht kostet 24,50 Euro pro Person, das Bauernfrühstück 8,50 Euro. Die Öffnungszeiten korrespondieren mit denen der Marktschänke. Die Straußwirtschaft öffnet ebenfalls mittwochs, freitags und sonntags; los geht der Betrieb dort am 1. Mai bis 31. Juli, und dann nach kurzer Sommerpause erneut vom 20. August bis 17. September. Weitere Infos gibt's im Internet unter www.marktschaenke-heuchelheim.de.

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