06. November 2018, 22:21 Uhr

Zwiespältiges Vergnügen

06. November 2018, 22:21 Uhr
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Aus der Redaktion

Das klang verheißungsvoll und auch mutig: Mit »Jedermann light trifft Joe Cocker« überschrieben war die Abschlussveranstaltung der zweiten »Arnsburger Vier Jahreszeiten« am Samstag im Mönchsaal des Klosters. Geboten wurde eine Mischung aus ballastarmem Schauspiel und musikalischer Unterhaltung. Die Sache erwies sich als sehenswert, doch nicht durchgängig wohltuend.

Zunächst stellte sich der Schauspieler und Autor Georg Menro als erfahrener Teilnehmer der Salzburger Festspiele vor, auch im »Jedermann«. Dabei habe er sich oft gefragt, »ob man das nicht auch kürzer machen könnte«, was seine Theaterkollegen durchweg verneinten: »Gar nicht!« Aber die Idee habe ihn nicht losgelassen. Bei einem Zusammentreffen mit Marcel Reich-Ranicki habe der auf die Frage nach Kürzung emphatisch geantwortet »Das geht!«, was Menro szenisch authentisch vorträgt. Somit war die Absicht klar – und nun war Menro angetreten, das Ergebnis vorzustellen.

Kontrastreicher Gesang

Es gab also das Stück vom »Sterben des reichen Mannes« frei nach Hugo von Hofmannsthal. Man sah und spürte sofort, dass Menro ein Profi ist: Intonation, Aussprache und Ausdruck sind tadellos, die großen Worte und Gesten kommen ganz authentisch rüber, und auch am Timing ist nicht das Geringste auszusetzen.

So reduziert sich das Zweieinhalb-Stunden-Drama auf etwa eine Viertelstunde, komplett mit Jedermann, Mammon, Tod und Teufel. Menro moderiert gekonnt zwischen den einzelnen Elementen, sodass ein authentisches Dramagefühl entsteht – mit einer Prise Ironie, doch nicht mehr. Weil das so schön war, gibt er gleich noch eine Portion von Shakespeares »Hamlet« zum Besten, mit dem berühmten »Sein oder Nichtsein«-Monolog des Prinzen. Als Requisiten reichen hier ein Theater-Totenschädel und die jahrelange Bühnenerfahrung des reifen Mimen.

Auch die Textauswahl ist prägnant, man hört einige satt ins Schwarze formulierte Sentenzen und erkennt deutlich das Sprachkunstwerk. Menro erhält für seine Arbeit verdient großen Beifall.

Sodann übernimmt der Musiker Oliver Mayer die Bühne. Der Sänger zeigt zunächst mal, dass er verblüffend echt wie Joe Cocker klingen und singen kann; ohne Zweifel ein Spaß. Auch ein paar andere Oldies interpretiert er sachgerecht, wobei ihn Sound- und Technikprobleme plagen. Aber Fats Dominos »Blueberry Hill« strömt dennoch süffig und stimmungsvoll aus den Boxen.

Glanzlicht ist der Klassiker »Just a Gigolo« in der Fassung von David Lee Roth: einfach top. Die kontrastreiche Auswahl zeigt dann, dass Mayer sich sehr gut in einige Künstler hineinversetzen kann, aber nicht in alle, die er singt. Sein eigenes Charisma reicht nicht, um das auszugleichen. So wird das Vergnügen zwiespältig. Unangenehm wird es dann, als Menro den letzten Akt mit dem Thema »Männer und Frauen« – daran sind schon einige gescheitert – schlicht mit häufig zweitklassigen Witzen auffüllt und dabei auch vor der Gürtellinie nicht Halt macht. Das Publikum reagiert zwar nur pflichtschuldigst, applaudiert aber dennoch höflich. Zudem ist Menro nicht mit dem Herzen dabei, er wirkt unbeteiligt, ja gleichgültig. Das kann man hier in der Region besser haben. (Foto: usw)



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