12. September 2017, 20:51 Uhr

Zwei Zugänge zur Weltmusik

12. September 2017, 20:51 Uhr
»Aramesk« lotet das gesamte Spektrum aramäischer Musik aus. (Foto: kdw)

Lich (kdw). Ein sehr interessantes Musikerlebnis war das Doppelkonzert der Ensembles »Blue Mango« und »Aramesk« am Sonntag im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge zum Abschluss der Reihe Sommermusikwelten. Man erhielt auf professionellem Niveau gleich zwei Zugänge zum Genre der Weltmusik. Das Publikum war höchst angetan.

Zu Recht, denn mit dem Iraner Pejman Jamilpanah (Tar), dem Syrer Mohanad Almoslli (Flamencogitarre) und Ina Kleine-Wiskott (Violine) waren als »Blue Mango« drei Könner angetreten. Und zwar, um eine praktische Synthese sehr verschiedener Musikwelten zu schaffen.

Man begann mit einem ganz leisen Intro, fast meditativ, mit perkussiven Elementen vom Xylophon. Die Geige agierte hier eher wie gewohnt, überraschend waren die Flamencoelemente von der Gitarre. »Wir haben die melancholische Seele in uns«, erklärte Kleine-Wiskott, »unsere gemeinsame Sprache ist die Musik.«

Das Grundprinzip besteht in der konstruktiven Auseinandersetzung etwa mit einer Melodie aus Syrien, in die das Ensemble etwas »Eigenes reingepuzzled« hat. Wenn dann Jamilpanah auf der Tar, einem dem Banjo verblüffend ähnlich klingendem sechssaitigen Instrument, das Stück beginnt, fällt sofort der Unterschied zwischen Klang und Spielweise auf, sehr narrativ.

Sehr einfühlsam fügen die anderen ihre Beiträge ins Geschehen ein und lösen musikalisch jedes Fremdeln auf: So kann man das wunderbar spielen, zumal auch mit professioneller Geschlossenheit agiert wird. Gelegentlich singt Jamilpanah, man hört den »Valse d’Amelie« aus dem Film »Die fabelhafte Welt der Amélie« (und erkennt ihn fast nicht).

Sehr anschaulich klingt das eigene Stück »Conversation«, in der das konstruktive Miteinander fast überdeutlich wird. Es ist alles dabei, von fragil bis mitreißend, handwerklich makellos, es gibt kräftigen Beifall.

»Aramesk« widmen sich im Wesentlichen aramäischem Material, und sie haben genau die richtige, seelenvolle Sängerin dafür, Maria Kaplan aus der Türkei. Begleitet wird sie von Flötistin Johanna-Leonore Dahlhoff, Oudspieler Mustafa Kakour aus Syrien, und am Bass agiert intuitiv und präzise Markus Wach. Beide Ensembles gehören der Frankfurter Organisation »Bridges« an, die Profimusiker aus aller Welt zusammenführt.

Die Konzentration auf aramäische Titel lässt das Repertoire etwas geschlossener erscheinen, und es gibt eine leichte Neigung zur orientalischen, monotonen Melodieführung, dem häufigen Zurückkehren zu einem zentralen Grundton. Dabei mangelt es ganz und gar nicht an Bewegung und Schwung – »Aramesk« lotet das dynamische und melodische Spektrum des Genres umfassend aus. Dazu trägt die Sängerin den Großteil bei. Aber das Ensemble zeichnet sich durch sehr hohes Einfühlungsvermögen und konstruktive musikalische Energie aus: Flöte, die Oud ohnehin und nicht zuletzt der Bass sind zu vollständigem Eintauchen in den aramäischen Duktus fähig.

Bei den Gesangsensembles fiel die herausragende Qualität der unverstärkten Musikdarbietung auf: Außergewöhnlich intensiv und feinzeichnend war das Hörerlebnis, ein besonderes Vergnügen. Auch »Aramesk« erhielt starken Beifall. (Fotos: kdw)

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