26. August 2017, 09:00 Uhr

90. Geburtstag

Zum Espresso täglich mit dem Rad nach Gießen

Gennaro Aprea feiert am Sonntag seinen 90. Geburtstag. Das Rad ist sein ständiger Begleiter, ebenso wie sein Lebensmotto: »Hass und Neid sind ungesund, stattdessen soll man die Liebe leben.«
26. August 2017, 09:00 Uhr
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Von Siglinde Wagner
Gennaro Aprea hält sich mit Radfahren fit. (Foto: siw)

Nur vor der Flimmerkiste sitzen, das wäre für Gennaro Aprea nichts. Täglich fährt er mit seinem Fahrrad, wohlgemerkt keinem E-Bike, von Großen-Buseck nach Gießen. Nach einer kleinen Pause bei einer guten Tasse Espresso tritt er wieder den Heimweg an. Und der Mann ist nicht 60 oder 70, er feiert am morgigen Sonntag seinen 90. Geburtstag. 

Vor vier Jahren hat er den Einstieg ins Internet gewagt. Er spielt Klavier, Keyboard und Gitarre, ohne jemals Instrumentalunterricht genommen zu haben. Dafür braucht es ein ausgezeichnetes Gehör. Das hat er, und außerdem eine sehr schöne Tenorstimme.

Wenn er singt, dann meist Lieder aus seiner neapolitanischen Heimat. Da schwingt ein Hauch von Heimweh mit. Aprea wurde als zweites von sechs Kindern in Neapel geboren. 1958 kam er als Tourist nach Deutschland.

In Frankfurt hat es gefunkt

Im »Tropicana« am Opernplatz in Frankfurt hat er seine spätere Ehefrau kennengelernt. »Es war mein 19. Geburtstag, und ich durfte erstmals zum Tanzen ausgehen«, erzählt Ingrid Aprea. Sie war damals als Kindermädchen beim Britischen Generalkonsul angestellt.

Noch einige Male kam Aprea nur auf Besuch nach Frankfurt – schließlich hatte sich der Fachmann für Lederwaren in Neapel einen kleinen Betrieb aufgebaut, der die große Familie dort ernährte. Bald verschlug es ihn der Liebe wegen aber ganz nach Deutschland. Hier kamen gerade Jeans so richtig in Mode. In dieser Branche sah er seine Zukunft.

»Lädchen 74« wird heute vom Sohn geführt

1962 wurden die Eheleute Aprea in Großen-Buseck ansässig, 1974 eröffneten sie das »Lädchen 74« in der Kaiserstraße, das heute noch von Sohn Romano geführt wird. 1976 kam ein Laden in Lollar hinzu. Die ersten Jeans verkaufte Aprea quasi aus dem Kofferraum heraus.

In Deutschland fand er schnell Freunde. So waren es auch die Nachbarn, die darauf drängten, dass der fitte Senior in die »Zeitung« kommt. Bei Feiern im Ort und insbesondere bei Veranstaltungen der Deutsch-Italienischen Gesellschaft Mittelhessen, bei der er sich mehrere Jahre im Vorstand engagierte, hat man gerne seiner Stimme gelauscht.
 

Hass und Neid sind ungesund, stattdessen soll man die Liebe leben

Gennaro Aprea


Befragt nach seinem persönlichen Rezept für geistige und körperliche Fitness, antwortete der Senior: »Hass und Neid sind ungesund, stattdessen soll man die Liebe leben.«

Und was kommt bei Apreas zumeist auf den Tisch? »Viel Fisch und Gemüse, dazu ein Gläschen Wein und danach einen Espresso.« Wer dem Jubilar gratulieren möchte, muss sich noch zwei Tage gedulden. Der runde Geburtstag wird nämlich bei Tochter Carmela in Koblenz gefeiert. Dorthin kommen auch die beiden Enkelsöhne.

 



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