10. September 2017, 20:35 Uhr

Dorfschmiede Freienseen

Zukunftsplan sorgt für neue Hoffnung

10. September 2017, 20:35 Uhr
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Aus der Redaktion

Laubach (pm). Für das bundesweite Vorzeigemodell des Begegnungszentrum Dorfschmiede in Freienseen gibt es neue Hoffnung. Für die von der Insolvenz bedrohte Trägergesellschaft hat eine auf die Sanierung bedrohter Gesellschaften spezialisierte Frankfurter Kanzlei auf Anregung des Insolvenzverwalters zusammen mit den Hauptgläubigern einen Zukunftsplan aufgestellt. »Das Konzept sichert nicht nur kurzfristig das Überleben und den Erhalt der neuen und für den ländlichen Raum wichtigen sozialen Einrichtung, sondern bietet auch dauerhaft eine wirtschaftlich abgesicherte Perspektive«, hofft Bürgermeister Peter Klug.

Das Zukunftskonzept habe er am Freitag – unmittelbar nach Fertigstellung durch die Experten – allen Fraktionen und dem Magistrat übersandt. Der Magistrat berät heute, die Fachausschüsse der Stadtverordnetenversammlung morgen. In einer Sondersitzung sollen die Stadtverordneten dann am 26. September – mit ausreichend Vorlaufzeit zur internen Beratung – über den Plan beraten und entscheiden.

Entscheidung am 26. September

»Angesichts des neuen Sanierungsplans habe ich am 6. September gegenüber dem Stadtverordnetenvorsteher auch meinen vorsorglichen Widerspruch gegen den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 3. Juli zurückgezogen«, teilte Klug mit. Damals war ein erster Rettungsplan mit knapper Mehrheit abgelehnt worden. Er hatte die Übernahme von gut 80 Prozent der Gesellschafteranteile der Dorfschmiede gGmbH aus der Hand der evangelische Kirche durch die Stadt für rund 600 000 Euro zum Inhalt. Mit diesem Kapital sollten kurzfristige Verbindlichkeiten getilgt und der Gesellschaft ausreichend Kapital zum laufenden Betrieb bereitgestellt werden. Kritiker hatten einen hohen Mitteleinsatz der Stadt und das dann befürchtete Zurückdrängen bürgerschaftlichen Dorf-Engagements kritisiert. Zudem hatte man Kritik an der Nachvollziehbarkeit und Vollständigkeit der Zahlen geübt, eine langfristige wirtschaftliche Prognose, Rücklagen für Bauunterhaltung und einen stärkeren (finanziellen) Einsatz der Kirche gefordert.

»Wirtschaftspaten« beraten

»Alle Anregungen haben wir aufgenommen und konnten erreichen, dass sie im neuen Zukunftskonzept nahezu vollständig berücksichtigt sind«, berichtet Klug am Wochenende. Den Anstoß dazu habe der vorläufige Insolvenzverwalter, der Gießener Rechtsanwalt Diehl, gegeben. Dieser rät den Hauptgläubigern Stadt und Kirche von der Eröffnung einer Insolvenz ab und hat Grundlagen für den Zukunftsplan geliefert.

So hat der Verein »Wirtschaftspaten e.V.« mit erfahrenen Betriebswirtschaftlern in den vergangenen Wochen eine wirtschaftliche Zukunftsprognose für die Dorfschmiede mit Dorfladen, Tagespflege, Begegnungszentrum und den drei altengerechten Wohnungen erstellt, die Klug als seriös bezeichnet. In Verhandlungen mit den Hauptgläubigern konnte ein Erlass von Krediten bzw. deren Umwandlung in einen Zuschuss im Umfang von zusammen knapp 336 000 Euro erreicht werden.

»Der Beitrag der Stadt soll dabei die Streckung der Rückzahlung des zinsfreien Landesdarlehens durch die Dorfschmiede an die Stadt in höchstens 62 statt wie bisher geplant 20 Jahren sein, wobei die Frist durch Sondertilgungen möglichst verkürzt werden soll«, sagt der Bürgermeister.

Frisches Geld

Ein Darlehen der Stadtwaldstiftung in Höhe von 174 000 Euro soll kurzfristig nach Eingang noch ausstehender Landeszuschüsse abgelöst werden. Im Gegenzug würde die Stiftung 150 000 Euro als neuen Kredit mit Grundbuchsicherung bereitstellen. Einen gleich hohen Betrag würde die Kirche bereitstellen, wenn die Stadt bzw. Stiftung es auch tut. »Mit diesen 300 000 Euro könnten alle ausstehenden Rechnungen heimischer Handwerker beglichen werden. Dieses Ziel hatte für die Kirche und uns als Stadt in den Gesprächen absolute Priorität«, macht Klug deutlich, weshalb man sich gegen einen »Schuldenschnitt« auch auf der Handwerkerseite ausgesprochen habe, der im Falle der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ab 1. Oktober unweigerlich drohen würde. »Daraus könnten wirtschaftliche Schieflagen einiger kleiner Handwerkerbetriebe aus dem heimischen Raum entstehen. Das sollten wir unbedingt vermeiden«, gibt der Bürgermeister als Ziel aus. Ebenso wie übrigens ein Verkauf oder eine Versteigerung des frisch sanierten Gebäudes eine fast unausweichliche Folge eines Insolvenzverfahrens wäre. »Dabei droht die Gefahr, dass ein Käufer die Mieter der gut ausgelasteten und erfolgreichen Tagespflege kündigt und damit das Land seine Zuschüsse und Förderkredite in Höhe von 1,4 Mio. Euro von der Stadt zurückfordert.



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