24. Juli 2018, 21:23 Uhr

Ziel: Gefühlte Sicherheit stärken

24. Juli 2018, 21:23 Uhr
Stefan_Schaal
Von Stefan Schaal
Auch die Einführung von Polizeihelfern kann für Kommunen, die sich am Projekt »Kompass« beteiligen, ein Element sein.

Videoüberwachung, Schutzmänner vor Ort und Gespräche mit den Bürgern über die wahrgenommene Sicherheit im Ort: Das sind einige der Elemente, auf die ein Projekt unter dem Titel »Kompass« zur Kriminalprävention in Kommunen setzt. Initiator ist das hessische Innenministerium. Unter anderen hat sich die Gemeinde Heuchelheim bereits für die Teilnahme an dem Projekt ausgesprochen, bei dem für jede Gemeinde passgenaue Lösungen erarbeitet werden. Während einer Info-Veranstaltung mit Vertretern von mehr als 40 mittelhessischen Kommunen am Dienstag wurde deutlich: Auch andere Kommunen im Gießener Land sind an dem Programm interessiert.

»Wir streben nicht unbedingt ein Siegel an«, sagte Dirk Haas, Bürgermeister Busecks, am Rande der Veranstaltung. »Aber ein Projekt, bei dem man zum Beispiel mit Jugendlichen ins Gespräch kommt, die abends laut feiern, könnte hilfreich sein, in der Gemeinde zu einer stärkeren gefühlten Sicherheit beizutragen.«

Neben Heuchelheim wollen laut Polizeisprecher auch die Städte Linden und Gießen an dem Projekt teilnehmen. Kommunen erhalten finanzielle Förderungen aus Wiesbaden und dürfen sich mit einem Sicherheitssiegel schmücken. Im Gegenzug verpflichten sie sich, Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit zu erhöhen. In Hanau zum Beispiel hat die Stadt eine neue Stadtwache installiert, an anderen Orten setzt man auf Schutzmänner und Sozialarbeiter als Ansprechpartner für die Bevölkerung. 14 neue Stellen entstehen durch »Kompass« bei der hessischen Polizei, zwei zusätzliche Beamte werden beim Landeskriminalamt eingestellt. Zudem sollen 30 zusätzliche Schutzpolizisten eingesetzt werden.

»Es geht uns nicht vorrangig um neue Stellen oder Geld, sondern um die Vernetzung«, betonte Innenminister Peter Beuth, als er das Programm im Polizeipräsidium Mittelhessen in Gießen vorstellte. In der Präventionsarbeit müssten Polizei und Kommunen noch enger zusammenarbeiten. Das Projekt »Kompass« ziele auf unterschiedliche Angebote für jede Kommune ab, »weil Städte für ein gleichgeformtes Projekt zu unterschiedlich sind.«

»Wir wollen Prävention nicht neu erfinden«, sagte Landespolizeipräsident Udo Münch. Die Schere zwischen subjektiver und objektiver Sicherheit gehe immer weiter auseinander. Es seien kleine Dinge wie ein abends besser beleuchteter Platz, die zum Wohlempfinden der Bürger beitragen.

Das Programm sieht vor, dass teilnehmende Kommunen vor allem am Anfang Bürger im Rahmen von Konferenzen nach ihrem Sicherheitsempfinden und nach Orten fragen, an denen sie sich unwohl fühlen. »Wir haben mehrere entlegene Plätze und viel Wald«, sagte die Biebertaler Bürgermeisterin Patricia Ortmann. Es könne sehr hilfreich sein, Bürger nach gefühlt unsicheren Orten zu befragen, um Lösungen für mehr Sicherheitsgefühl zu finden. Auch einen zunehmenden Vandalismus könne man mithilfe des Projekts möglicherweise angehen.

Einen ähnlichen Vorteil sieht auch Horst Röhrig, Bürgermeister in Langgöns. »Ein Profil erstellen, gemeinsam mit den Bürgern das Thema Sicherheit überprüfen«, allein das mache das Projekt interessant.

Neben Bad Homburg nehmen bisher Maintal, Schwalbach und Hanau an dem Projekt teil. Beuth wies auf die individuelle Anpassung des Programms an jede Kommune hin. So gebe es in Bad Nauheim nun Seniorenberater, die ältere Bürger für die Gefahr von Trickbetrug sensibilisieren. In einer Studentenstadt wäre dieser Ansatz wenig zielführend, in Bad Homburg mit jedem vierten Bewohner über 65 Jahren sei das Projekt erfolgreich. (Archivfoto: Schepp)



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