Kreis Gießen

Yokohama in Frankfurt erkundet

Neben dem Austausch mit der Partnerstadt Warabi veranstaltet die deutsch-japanische Gesellschaft Linden-Warabi immer wieder auch Exkursion, in denen sich der Verein der Kultur und Geschichte Japans nähert. Am vergangenen Wochenende wandelte so eine 15-köpfige Gruppe in Frankfurt auf den Spuren Yokohamas. Die japanische Hafenstadt ist mit 3,7 Millionen Einwohnern nach Tokio die zweitgrößte Stadt des Landes. Seit 2011 verbindet eine Städtepartnerschaft Yokohama mit Frankfurt. Beide Städte gelten als Tore zur großen weiten Welt, Frankfurt durch seinen Flughafen, Yokohama durch seinen Hafen.
03. April 2017, 19:42 Uhr
Redaktion
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Die Mitglieder der deutsch-japanischen Gesellschaft Linden-Warabi im Museum Angewandte Kunst in der Mainmetropole. (Foto: pm)

Neben dem Austausch mit der Partnerstadt Warabi veranstaltet die deutsch-japanische Gesellschaft Linden-Warabi immer wieder auch Exkursion, in denen sich der Verein der Kultur und Geschichte Japans nähert. Am vergangenen Wochenende wandelte so eine 15-köpfige Gruppe in Frankfurt auf den Spuren Yokohamas. Die japanische Hafenstadt ist mit 3,7 Millionen Einwohnern nach Tokio die zweitgrößte Stadt des Landes. Seit 2011 verbindet eine Städtepartnerschaft Yokohama mit Frankfurt. Beide Städte gelten als Tore zur großen weiten Welt, Frankfurt durch seinen Flughafen, Yokohama durch seinen Hafen.

Das Museum Angewandte Kunst (MAK) beleuchtet in einer Ausstellung mit dem Titel »Yokohama 1868–1912. Als die Bilder laufen lernten« die Stadt als Ausgangspunkt für die Modernisierung des Landes. Dort landete der US-amerikanische Admiral Matthew Perry 1853 mit seinen schwarzen Schiffen und erzwang die Öffnung des Landes für den Westen. Das Fischerdorf spielte fortan eine zentrale Rolle für den Austausch Japans mit dem Rest der Welt. Hier prallten der Westen und das zuvor isolierte Japan aufeinander. Dabei sogen die Japaner nicht nur die westliche Kultur oder technische Erfindungen wie die Eisenbahn, Dampfschifffahrt oder die Fotografie auf, sie erschufen dank neuer ins Land importierter Farben auch eine neue Kunstgattung: das »Yokohama-E«. Der Siegeszug der »Bilder aus Yokohama« läutete schließlich das Ende der traditionellen Holzschnitte »Ukiyo-E« ein. Anders als die zurückhaltende Farbgebung des traditionellen Holzschnitts untermalten diese neuen Drucke anhand von knallig-leuchtenden Farben die Reibungspunkte mit der westlichen Kultur. Häufiges Sujet waren die fremden Angewohnheiten der »Langnasen«, aber auch deren technische Errungenschaften.

Zeitgleich trat die Fotografie einen Siegeszug an – zunächst als Souvenir für die Handel treibenden Ausländer, die typische Bilder der traditionellen japanischen Kultur mit nach Hause nahmen. Später entwickelten die ersten japanischen Fotografen dann eine eigene Bildsprache. Die DJG-Mitglieder folgten einer fachlich tiefgreifenden Führung durch die Ausstellung, die den Blick auch auf vermeintlich unscheinbare Details der Holzschnitte und Fotografien richtete.

Am Nachmittag baute Takashi Yanagisawa, der Repräsentant Yokohamas in Frankfurt, eine Brücke in die Jetzt-Zeit. In seinem Vortrag ging er insbesondere auf die schnell alternde japanische Gesellschaft ein, die auch Yokohama vor große Herausforderungen stellt. Ein Projekt ist die kostenlose Verteilung von Schrittzählern: Wer viel läuft und sich so gesund hält, dem winken kleine Geschenke. Aber auch der Ausbau von Pflegeeinrichtungen ist imFokus der Stadt. Doch wie Deutschland kämpft Japan mit einem Pflegenotstand, wie Yanagisawa erklärte.

Die nächsten Veranstaltungen der DJG sind im Mai die Fahrt zum Japan-Tag in Düsseldorf und die Beteiligung am Jugendlager der Stadt Linden im Sommer. Für den Herbst ist eine Lesung im Rahmen des Krimifestivals geplant. Weitere Informationen finden sich unter www.djg-lindenwarabi.de.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Yokohama-in-Frankfurt-erkundet;art457,235129

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