08. Oktober 2017, 21:33 Uhr

Wohin mit Oma in den Ferien?

10 000 Menschen im Kreis sind pflegebedürftig. Mehr als 7500 von ihnen werden zu Hause versorgt – für die Angehörigen eine oft stressvolle Aufgabe. Wer in den Urlaub fahren will und für Oma oder Opa einen Platz im Pflegeheim sucht, stößt indes auf Probleme. Kein Seniorenzentrum im Kreis hat feste Kurzzeitpflegeplätze.
08. Oktober 2017, 21:33 Uhr
In der Ferienzeit kommen viele Senioren zur Kurzzeitpflege in Einrichtungen unter. Im Kreis gibt es ausschließlich sogenannte »eingestreute Kurzzeitpflegeplätze«. die in Seniorenzentren dann freigegeben werden, wenn die Heime nicht komplett ausgelastet sind. (Foto: dpa)

Die Herbstferien beginnen an diesem Montag. Für zahlreiche Menschen im Kreis ist es derweil nicht einfach, Urlaubspläne zu schmieden. Sie pflegen daheim Angehörige. Die sogenannte Kurzzeitpflege soll ihnen eine Lösung bieten: Betten in Pflegeheimen, die Senioren für wenige Tage oder Wochen belegen können. Gerade in der Ferienzeit sind die Plätze aber knapp. Einen »enormen Mangel« stellt Thomas Hesse fest, Pflegeplatz-Koordinator bei Alloheim, Betreiber von Seniorenzentren in Fernwald, Staufenberg und Pohlheim. »Fehlende Kurzzeitpflegeplätze sind in den kommenden Monaten ein akutes Problem.«

Rund 10 000 Menschen im Kreis sind pflegebedürftig. Mehr als 7500 von ihnen werden zu Hause gepflegt. Im gesamten Landkreis gibt es indes 67 Kurzzeitpflegeplätze. Einen akuten Mangel kann die Altenhilfeplanerin des Landkreises, Ruth Hoffmann, nicht bestätigen. Immer wieder komme es allerdings zu Engpässen. In solchen Fällen greife man auf Plätze außerhalb des Kreises wie in Aßlar und Nidda zurück. Die Kurzzeitpflege nehmen auch Patienten nach Krankenhausaufenthalten in Anspruch.

Im Kreis Gießen gibt es ausschließlich »eingestreute Kurzzeitpflegeplätze«. Das sind Übergangsbetten, die in Seniorenzentren dann freigegeben werden, wenn die Heime nicht ausgelastet sind. Feste Plätze für die Kurzzeitpflege halten die Seniorenzentren indes schlicht aus wirtschaftlichen Gründen nicht frei. Die mangelnde Planungssicherheit in dem Bereich sei für Pflegeheime problematisch, erklärt das Regierungspräsidium. Denn das Freihalten solcher Plätze »wird nicht refinanziert«. Es sei schwierig, in seiner Einrichtung langfristig Kurzzeitpflegeplätze zu reservieren, erklärt auch Daniel Viale, dem die Gesamtpflegedienstleitung der vier AWO-Heime im Landkreis obliegt. »Wir sagen dann auch mal: Melden Sie sich vier bis acht Wochen vor dem Termin nochmal.«

Keine Pflegeeinrichtung könne sich leere Betten leisten, erklärt Ralf Becker, Leiter des »Hauses der Senioren« in Grünberg. Er beklagt zudem einen hohen Verwaltungsaufwand im Bereich der Kurzzeitpflege. »Sind 28 Tage abgelaufen und der Patient bleibt länger, müssen wir wieder einen neuen Vertrag aufsetzen – und der Papierkram geht von vorne los.«

Zu Weihnachten wird die Nachfrage nach Plätzen in der Kurzzeitpflege wieder ansteigen. Mehrere Leiter von Pflegezentren im Kreis empfehlen, die Suche nach einem Platz frühzeitig anzumelden. »Wir haben auch schon Anmeldungen für nächsten Sommer«, berichtet Larissa Venohr vom Pflegeheim »Casa Reha« in Lollar. »Außerdem ist Flexibilität gefragt«, erklärt die Mitarbeiterin eines anderen Seniorenzentrums. »Ist ein Heim belegt, muss man darauf gefasst sein, in einer anderen Stadt unterzukommen.«

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich in den nächsten Jahren vervielfachen. Nach einer Studie der Techniker Krankenkasse leiden unterdessen 40 Prozent der pflegenden Angehörigen unter Dauerstress. Die Bedeutung von Kurzzeitpflegeplätzen ist hoch. »Angehörige brauchen Entlastung«, betont Andrea Kramer, Leiterin der Beratungs- und Koordinierungsstelle für ältere und pflegebedürftige Menschen. Ein Mangel an Kurzzeitpflegeplätzen könne daher »gefährlich« sein.

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