10. März 2017, 19:05 Uhr

Wo Opa schon verputzte

10. März 2017, 19:05 Uhr
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Von Constantin Hoppe

Der Malerfachbetrieb W. Häuser hat Grund zum Feiern. Seit 90 Jahren gibt es das Anneröder Unternehmen, ein Familienbetrieb in vierter Generation. In einer so langen Zeit sammeln sich auch viele Anekdoten und Besonderheiten an – und so manches Haus, an dem heute Ingo Rühl den Pinsel anlegt, haben schon sein Vater und sein Opa verputzt und gestrichen.

Alles begann einst ganz klein: 1927 gründete Wilhelm Häuser den Betrieb. Damals war er vor allem in Annerod unterwegs und kam noch mit dem Handkarren zu seinen Kunden. Später brachte dann seine Frau Emma – eine der ersten Anneröderinnen, die einen Führerschein machte – das Gerüst mit dem Traktor zu den Baustellen.

1970 übernahm sein Sohn Wilhelm Häuser II. den Betrieb und zog mit ihm von der Kirchstraße in die Wiesenstraße um. 1981 stieg dann dessen Tochter Carla nach der erfolgreichen Prüfung zur Malermeisterin ein. Sie übernahm gemeinsam mit ihrem Ehemann Norbert Rühl 1992 den Malerbetrieb, und seit 2009 gehört mit Ingo Rühl auch die vierte Generation von Malermeistern der Firmenleitung an. Vor 16 Jahren zog die Firma in den heutigen Firmensitz in die alte Hofreite im Tiefenweg 17a um. Bei der Fassadengestaltung bewiesen die Maler viel Humor. Denn sie zeichneten an verschiedenen Stellen Mitarbeiter auf die Wand, die am Streichen und Verputzen sind. Diese wirken so echt, dass man erst zweimal hingucken muss, bis man merkt, dass dort nicht wirklich jemand den Pinsel schwingt.

Um solche Kunstwerke schaffen zu können, setzt der Betrieb seit über 40 Jahren auf eines: »Es ist sehr wichig für uns, dass wir unsere eigenen Kräfte ausbilden«, sagt Ingo Rühl. Bislang wurden zwölf Maler und Lackierer ausgebildet und zumeist in eine feste Anstellung übernommen. »Wir sind häufig bei Privatkundschaft, und da müssen freundliches Auftreten, Sauberkeit und Gründlichkeit geschult sein und gesichert sein, dass wir uns darauf verlassen können«, erklärt Norbert Rühl. Das führt auch dazu, dass es ein beinahe familiäres Band zwischen der Geschäftsleitung und den Beschäftigten gibt. Oder wie Ingo Rühl sagt: »Einige unsere ältesten Mitarbeiter haben mich gewissermaßen mit großgezogen«.

90 Jahre Firmengeschichte können auch nur dank treuer Stammkunden gelingen – was jedoch auch zu besonderen Momenten führt: »Es gibt Häuser, die mein Opa in den 70ern verputzt hat, dann von meinem Vater in den 90ern gestrichen wurden, und ich streiche sie jetzt erneut«, schmunzelt Ingo Rühl. Seit der Gründerzeit ist das Berufsfeld aber sehr viel weiter geworden, gehören mittlerweile neben dem Verputzen und Streichen auch Holzschutz, energetische Sanierung oder Arbeiten an Decke, Wand und Boden zu den Aufgaben eines Malerbetriebs.

Darum ist es wichtig, mit der Technik und Ausbildung immer »up to date« zu sein: Regelmäßig werden Messen besucht und überprüft, ob neue, verbesserte technische Möglichkeiten oder Materialien existieren. »Und wenn es etwas Interessantes gibt, dann gehören wir zu den Ersten, die es ausprobieren«, sagt Carla Rühl.

Der Familienbetrieb will nun das 90-Jährige mit vielen Aktionen feiern – und freut sich schon jetzt auf das nächste Jubiläum in zehn Jahren. (con/Foto/Repro: con)



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