18. Februar 2019, 10:00 Uhr

Von oben

Wo »Amigo« Karl-Heinz das Tor nur selten traf

Lardenbach und Klein-Eichen gehören zusammen und können stolz sein auf einen Promi, der zwar nicht als Fußballer, aber auf einem anderen Gebiet viele Erfolge feiert.
18. Februar 2019, 10:00 Uhr
Zwei Dörfer, die längst zusammengewachsen sind: Lardenbach und Klein-Eichen (oben rechts). (Foto: Henß)

Lardenbach und Klein-Eichen sind seit jeher Nachbarn. Nur von einem Grenzgraben getrennt, ging die Bebauung vor Jahrhunderten schon ineinander über. Längst machen auch (fast) alle Vereine und seit 2007 sogar die Aktiven der Feuerwehr – die erste Fusion im Kreis! – gemeinsame Sache: Die Dörfer gehören einfach zusammen. Nur, politisch waren und sind sie bis heute getrennt. Und so hat der mit 234 Einwohnern kleinste Stadtteil Grünbergs, eben Klein-Eichen, bis heute seinen eigenen Ortsbeirat.

 

Diener zweier Herrschaften

 

Lardenbach zählt immerhin rund 430 Bewohner. Vor allem ist es doppelt so alt wie das Nachbardorf. Die Ersterwähnung reicht ins Jahr 706 zurück. Was 1976 und 2001 Anlass für große Feiern bot. Klar, dass auch die Klein-Eichener mitfeierten, vergessen waren da längst die Animositäten, die in den 1950ern noch die Fusion der Feuerwehren verhindert hatten.

Die Grenzziehung hat – wen wundert’s – auch hier mit den Herrschaftsverhältnissen zu tun: Klein-Eichen unterstand bis zur Mediatisierung 1806 den Riedesels, jenem Adelsgeschlecht, das bei uns durch seine Besitzungen in Lauterbach bekannt ist. Die Nachbarn dagegen gehörten zur Grafschaft Solms-Laubach.

Karl-Ernst Lind darf zurecht als Dorfchronist bezeichnet werden. Erwähnt seien nur die gemeinsam mit Klein-Eichens Ortsvorsteher Werner Zimmer verfassten historischen Bildbände. Was seine enge Bindung ans Heimatdorf belegt, sind nicht zuletzt seine Ehrenämter. »Beide Dörfer«, unterstreicht der Mittsechziger, »stehen für ein hohes Maß an Gemeinsinn, ihre Bewohner packen’s an.« Beispiele sind der Bau der Grillhütte und der Friedhofshalle oder die Eigenleistungen, als vor gut 25 Jahren das gemeinsame Bürgerhaus errichtet wurde.

Nicht zu vergessen das Engagement für die Dorferneuerung, wofür an dieser Stelle nur schön gestaltete Platz an Klein-Eichens Kirche genannt sei.

 

Freunde aus Lehenrotte

 

Der Einsatz fürs Gemeinwohl hat Tradition, reicht weit zurück: 1657 erbauten die damals gerade mal 22 Lardenbacher fast aus eigener Kraft heraus ein neues Gotteshaus. Die Ausgaben bei der Einweihung, beklagte freilich der Pfarrer, machten einen nicht unerheblichen Anteil der Gesamtkosten aus.

Gefeiert wird noch heute, wenn auch mit anderen Relationen (Gegenteiliges zumindest ist nicht bekannt).

Lind, lange Jahre Wehrführer, kommt nun auf die bereits 56 Jahre alte Feuerwehr-Partnerschaft mit Lehenrotte in Österreich zu sprechen. »EU-weit einmalig.« Wie es dazu kam: Die Lardenbacher Wettkampfgruppe – später machte sie mit allein dreimal Gold bei Feuerwehrolympiaden von sich reden – startete 1963 in Bonn. »Nach einem Schiffsunglück auf dem Rhein wurden zwei Kameraden als vermisst. Auf der Suche lernten Helmut Felsing und Burkhard Horst zwei Blauröcke aus Lehenrotte kennen.« Bald darauf besuchten sie die neuen Freunde. »Bei ihrer Ankunft landete ein Hubschrauber, wegen eines Notfalls. Einige Österreicher aber meinten: ›Do schau her, die Deutschen kommen‹.«

 

Grenzgrabenfest lange ein Geheimtipp

 

Weniger erfolgreich als die Feuerwehr-Olympioniken waren die Fußballer vom SSV Lardenbach/Klein-Eichen. Was übrigens nicht am Sportplatz lag: Auf dem klaffte eines Tages ein drei Meter tiefes Loch. Zum Glück weder in der ersten, zweiten, noch dritten Halbzeit. Ein Stolleneinbruch, kickte und kickt man doch noch heute auf dem Gelände einer alten Eisenerz-Grube. Bis in die 1940er sorgte der Bergbau auch rund im diese Dörfer für Lohn und Brot.

Wie Lind nun einräumt, schaffte der SSV auch mit einem gewissen Karl-Heinz Ulrich nicht den Aufstieg aus der B-Klasse. Der nämlich traf in zwölf Spielen nur zweimal. Der heute weithin bekannte Musiker wohnte damals in Lardenbach, trat mit seinen »Amigos« noch bis vor wenigen Jahren beim »Grenzgrabenfest« auf – so lange, bis der Geheimtipp nicht mehr geheim war. Wie das? Der verstorbene Band-Mitgründer Günter Zimmer kam aus Klein-Eichen.

Wie treffsicher jener Pastor war, den seine Mitspieler aus dem Gottesdienst weg zum Auswärtsspiel abholte, kann der heutige SSV-Vorsitzende Lind nicht sagen. Nur, dass Herr Pastor das Trikot vorsorglich schon unterm Talar getragen hatte.

Dörfliches Leben und auch die Infrastruktur sind in beiden Gemeinden noch weitgehend intakt. Dafür stehen die vielen Vereine, auch gibt es noch eine Gastwirtschaft, einige Betriebe und sogar eine Metzgerei mit dem überaus passenden Namen Kielbassa (poln. Wurst). Nur gut, dass die fernab vom Festplatz situiert ist. So konnte der Geruch nach leckerem Presskopp und Fleischkäse nicht in die Nase jenes Löwen gelangen, der dort 1989/90 mit seinem Zirkus überwinterte. Gut gebrüllt hat er trotzdem.

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