02. Juli 2017, 20:28 Uhr

Wirtschaft soll weiblicher werden

02. Juli 2017, 20:28 Uhr
Schlaefke

Der Streit rund um den Steuerkongress der IHK Gießen-Friedberg war Thema in deren Hauptversammlung. Im neuen Unternehmensgebäudes der Bender GmbH & Co. KG in Grünberg brachte Präsident Rainer Schwarz sein Unverständnis über die im Vorfeld der Veranstaltung entstandenen Unstimmigkeiten bezüglich der Teilnehmerliste zum Ausdruck, was zur Absage der SPD wegen der Anwesenheit des AfD-Bundessprechers Jörg Meuthen führte.

SPD-Entscheidung »bedauerlich«

Es sei nicht an der politisch wie weltanschaulich neutralen IHK, im Vorfeld eines sachbezogenen Kongresses zum Thema Steuern »Politik zu machen« und eine Partei auszugrenzen, sagte Schwarz. Zumal alle eingeladenen Diskussionsteilnehmer im Vorfeld gewusst hätten, welcher Vertreter von welcher Partei anwesend sein würde. Seitens der SPD dann mit der Begründung abzusagen, dies nicht gewusst zu haben und dies mit Vorwürfen an die IHK zu verbinden, entsprach laut Schwarz nicht den tatsächlichen Abläufen und sei bedauerlich.

Vier Referate prägten die IHK-Vollversammlung. Dr. Ulrich Eisenbach klärte über Aufgaben und Arbeit des von ihm geleiteten Hessischen Wirtschaftsarchivs (HWA) auf, das vor 25 Jahren ins Leben gerufen wurde und seinen Sitz in Darmstadt hat. 2016 belief sich der Etat des HWA auf 494 000 Euro, von denen 440 000 in Form von Umlagen der hessischen IHKs sowie der Handwerkskammer Frankfurt finanziert werden; der Anteil der IHK Gießen-Friedberg liegt bei vier Prozent oder 18 000 Euro. Der Archivbestand beläuft sich auf 7,5 Kilometer Aktenordner, von den etwa 13 Prozent aus dem heimischen Kammerbezirk stammen, von Archivmaterial von Unternehmen, Kreditinstituten und der IHK.

Jens Ihle, Geschäftsführer der Regionalmanagement Mittelhessen, berichtete über der Arbeit der GmbH. 70 000 Studierende auf insgesamt eine Million Menschen in der Region seien auf der Basis einer Verzahnung der Bereiche Hochschule und Wirtschaft der Schlüssel zur Entwicklung Mittelhessens. Hierzu zähle die Förderung der Start-up-Szene und das »schnelle Breitband«. Vernetzung und das Standortmarketing der Region sind Schwerpunktaufgabe der Mittelhessen GmbH. Das gepaart mit dem Blick über den Tellerrand, vor allem in die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main, von der Mittelhessen nur profitieren könne. Laut Ihle nimmt das internationale Interesse an Mittelhessen weiter zu.

Boris Prochazka, Prokurist und Rechtsanwalt bei der MRH Financial Lines GmbH in Frankfurt referierte über die aktuelle Rechtslage im Bereich IT-Compliance. Der Begriff Compliance definiert sich als »die in der Verantwortung der Geschäftsleitung liegende Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und unternehmensinternen Richtlinien«. Laut einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes muss jedes Unternehmen ein »Compliance-Management-System« (CMS) einführen.

Die Verantwortung dazu liegt bei den Geschäftsleitern. Zugleich aber haften laut Prochazka diese unbegrenzt mit ihrem Privatvermögen, wenn es aufgrund von ungeeigneten CMS und darauf zurückzuführenden Verstößen zu einem Schaden beim Unternehmen kommt. Allgemeingültige Richtlinien gebe es aber noch nicht.

Vom Netzwerktag Frauen im IHK-Ehrenamt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages berichtete IHK-Vizepräsidentin Dr. Angelika Schlaefke. 120 Unternehmerinnen waren nach Brüssel gereist, um weibliche Kompetenz in der Wirtschaft voranzubringen. In den Vorständen von DAX-Unternehmen liegt der Männeranteil immer noch bei 89,4 Prozent gegenüber 10,6 Prozent Frauen. Der Anteil der Frauen in den Vollversammlungen der deutschen IHK erreichte 2015 knapp die 17-Prozentmarke. »Es ist also noch Luft nach oben«, sagte Schlaefke. (Foto: sel)

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