04. März 2019, 21:32 Uhr

Wirkt das Präparat noch?

04. März 2019, 21:32 Uhr
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Von Constantin Hoppe
Um die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft drehte sich ein Vortrag, bei dem ein Experte auf bürokratische Hürden einging. (Symbolfoto: dpa)

Dürfen die alles spritzen? Und dürfen sie alle Mittel verwenden, die sie wollen? Diese Eingangsfrage zu einem Vortrag sorgte bei vielen Landwirten für Stirnrunzeln. Viele fragen sich immer wieder, welche Pflanzenschutzmittel überhaupt noch – und auch wie – verwendet werden dürfen. Mit dieser Problematik befasste sich Dr. Günther Peters von der Syngenta Agro GmbH im Landhaus Klosterwald in Arnsburg. Der Experte sprach dort auf Einladung des Vereins landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen über die Zulassungssituation bei Pflanzenschutzmittel.

Das Unternehmen Syngenta mit Sitz in Basel und einer deutschen Niederlassung in Maintal ist weltweit einer der größten Konzerne im Agrargeschäft, und zwar in den Sparten chemische Pflanzenschutzmittel und kommerzielles Saatgut.

Peters erläuterte unter anderem, dass es in den vergangenen Jahren bei der Zahl der zugelassenen Mittel einen wahren Einbruch gegeben habe: Viele ältere Wirkungsstoffe sind mittlerweile nicht mehr zugelassen. Das sei erst einmal nichts Schlimmes, denn gerade ältere Mittel hätten manche Nebenwirkungen, die nicht wünschenswert seien.

Aber die Zahl der neuen und vor allem innovativen Mittel sei sehr gering – es gebe kaum Zulassungen und der Prozess sei sehr träge, berichtete der Referent. 1993 gab es noch über 800 zugelassene Wirkstoffe für Pflanzenschutzmittel, 2009 waren es nur noch knapp 250, davon nicht einmal die Hälfte neu entwickelte Stoffe.

Prozess dauert zu lange

Das sorgt bei den konventionellen Landwirten für größere Probleme, denn je weniger unterschiedliche Mittel zur Verfügung stehen, desto besser können Schädlinge eine Immunität gegen den Wirkstoff entwickeln. »Wir müssen mit den Wirkstoffen, die uns zur Verfügung stehen, sehr sorgfältig umgehen«, erklärte Peters in seinem Vortrag.

Schuld an den wenigen Zulassungen sei vor allem der bürokratische Akt, der in Deutschland notwendig ist, sagte Peters. Bei der Zulassung eines Wirkstoffs in einem EU-Mitgliedsstaat sollte der Prozess eigentlich in bis zu 120 Tagen abgeschlossen sein – »in Wirklichkeit dauert er aber vier Jahre und mehr«, erklärte der Firmenvertreter. »Deutschland blockiert den Vorgang, weil nicht schnell genug gearbeitet wird.«

Und das Problem betreffe nicht nur die chemischen Pflanzenschutzmittel, sondern auch biologische, die auch keine zeitnahe Zulassung erhielten. Die Folgen für die konventionelle Landwirtschaft seien derzeit noch nicht dramatisch, die Situation werde aber schlechter: Mittlerweile werde befürchtet, dass die letzten Stoffe für Raps, die noch wirken, bald verloren gehen. »In Deutschland könnten wir in diesem Jahr 250 000 Hektar weniger Rapsanbau haben. Vermutlich wird dann auf den meisten Flächen Mais angebaut – das will die Politik aber eigentlich auch nicht«, führte Referent Peters weiter aus.

Ähnliche Probleme bereite auch der Anbau von Kartoffeln: Hier stehen einige Wirkstoffe auf der Kippe. »Das ist ein Problem für die deutschen Landwirte. Denn wenn die Erträge nicht kommen, stellt sich die Frage: Ist das noch wirtschaftlich?«.

In der anschließenden Diskussion stand für die meisten Landwirte wieder ein Thema im Vordergrund: Das relativ schlechte Bild der Bauern in der Öffentlichkeit: »Wir werden einfach als Umweltvergifter dargestellt«, war aus der Versammlung zu vernehmen.



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