08. März 2018, 23:02 Uhr

»Wir holen Kinder von der Straße«

Mit 800 Mitgliedern steht der TSV Beuern so gut wie noch nie in seiner 73-jährigen Vereinsgeschichte da. Zudem wurde jüngst ein Generationswechsel an der Spitze vollzogen. Im Interview erzählen Manfred Noske und Walter Czech, die langjährigen Vorsitzenden, warum sie früher »einfach mal machen« konnten, wie die Zukunft des TSV aussieht und dass es Probleme bei der Integration von Flüchtlingskindern gibt.
08. März 2018, 23:02 Uhr

Herr Noske, Herr Czech, Ihnen ist die Neubesetzung an der Vereinsspitze gelungen, andere Vereine haben damit Probleme. Haben Sie Lösungsvorschläge?

Manfred Noske : Ich sehe da durchaus einen Wandel auf uns zukommen. Es geht hin zum Aufbau von professionellen Strukturen mit zum Teil bezahlten Kräften. Gerade im Hinblick auf das Vereinsmanagement mit Rechnungswesen, Mitgliederverwaltung und der versicherungstechnischen Abwicklung ergibt das Sinn.

Walter Czech : Dazu müssten sich entweder Sportvereine aus mehreren Ortschaften zusammenschließen oder alle Ortsvereine eines Dorfes. Das erfordert natürlich die Bereitschaft, alte Gegensätze oder auch Kirchturmdenken zu überwinden.

Könnten Sie sich das für Beuern vorstellen?

Czech: Mit der 1991 ins Leben gerufenen Handballspielgemeinschaft (HSG) Großen-Buseck/Beuern ist uns das schon gelungen. Und auch mit der Gründung der Vereinsgemeinschaft 2011 wurde dazu in Beuern ein erster Schritt in diese Richtung getan. Von 24 Ortsvereinen sind hier 22 integriert.

Sie betonen immer wieder, wie harmonisch es bei Ihnen im Verein abläuft. Worauf führen Sie das gute Miteinander zurück?

Noske: Auf eine hervorragende Kommunikation, die ich immer als meine wichtigste Aufgabe angesehen habe.

Czech: Wir alle identifizieren uns mit dem Verein, pflegen eine gute Vernetzung untereinander, zu den Mitgliedern und den anderen Ortsvereinen.

Wie hat sich denn die Vorstandsarbeit in den vergangenen Jahren verändert?

Czech: Heutzutage bietet der Landessportbund Lehrgänge »Vereinsmanagement« an, das sagt ja schon alles. Früher hat man einfach gemacht.

Nennen Sie mal ein Beispiel?

Noske: Um beispielsweise einen kleinen Zuschuss für die lizensierten Übungsleiter zu erhalten, haben wir schon enorm viele Meldungen an die verschiedenen Institutionen zu machen.

Sind denn die Zuschüsse zuletzt zurückgegangen?

Noske: Da muss ich die öffentliche Hand loben. Sie unterstützt die Sportvereine, weil sie erkannt hat, dass die Vereine weitreichende soziale Aufgaben übernehmen.

Czech: Wir holen ja die Kinder von der Straße.

Auch die Flüchtlingskinder?

Noske: Uns ist es nicht gelungen, die verhältnismäßig vielen Mitbürgern mit Migrationshintergrund in unsere Sportangebote einzubinden.

Czech: Integration funktioniert halt nur von beiden Seiten.

Sie haben dennoch mittlerweile 800 Mitglieder bei knapp 2000 Einwohnern. Das ist eine stolze Zahl.

Czech: Seit der Fertigstellung der neuen Sporthalle, die 1992 eingeweiht wurde, konnte unser Verein ganz anders agieren und hat sich enorm weiterentwickelt. Dadurch wurde die Mitgliederzahl bis heute nahezu verdoppelt.

Noch ein Wort zu Ihren Nachfolgern.

Noske: Es ist nicht einfach, kompetente Leute zu finden, die sich auf eine solche Aufgabe einlassen. Deshalb ist Anja Löber-Sättler für uns ein Glücksfall. Sie war seit 2002 Abteilungsleiterin Turnen, Gymnastik und Tanz und hat bereits einen breiten Einblick in die Vorstandsarbeit gewonnen.

Czech: Anja ist eine Pädagogin und Daniel Rittershaus, der neue zweite Vorsitzende, ein Verwaltungsfachmann. Sie ergänzen sich prima. Ganz wichtig war es für uns, dass unsere gestandenen Vorstandsmitglieder, der Rechner Norbert Steinmüller, ein Banker, und Schriftführer Harald Schließner weitermachen.

Mit Verlaub, aber es ist ein echter Generationswechsel.

Czech: Genau, ich bin jetzt 68, Manfred ist 65. Anja ist Jahrgang 1972 und Daniel Jahrgang 1971. Also noch jung genug für eine lange Amtszeit.

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