21. Februar 2019, 21:41 Uhr

»Wir bräuchten einen Umbaufonds«

21. Februar 2019, 21:41 Uhr
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Von Volker Heller
Sieht gut aus, so ein Baumpilz, ist aber wirtschaftlich gesehen schädlich. Auch in Allendorf/Lumda muss die Forstwirtschaft auf den Klimawandel reagieren. (Foto: Irmtraut Gottschald)

Der deutsche Wald zählt wegen seiner romantischen Verklärung zum Kulturgut. Doch in den 1980er Jahren begann das Waldsterben und dauert bis heute an. Es äußerte sich erst durch sauren Regen und Windwürfe, ab 2003 kam Trockenheit hinzu, jüngst sorgen Pilzschäden für Unbill. Letztlich nagt der allgemeine Klimawandel an der Waldsubstanz. Wie der Kulturbetrieb generell so benötigt die Waldwirtschaft eigentlich Zuschüsse.

Das Revier Allendorf/Lumda kommt 2019 nach einer vorsichtigen Momentaufnahme gerade so über die Runden – 10 000 Euro Überschuss im Jahresergebnis. Revierförster Peter Krautzberger erläuterte dem Allendorfer Finanzausschuss, »wir bräuchten einen Wald-Klima-Umbaufonds«. Die Politik sei gefordert. Der deutsche Forstwirtschaftsrat finde leider wenig Gehör, deshalb sollten die Waldbesitzer selber aktiv werden.

Krautzberger und der stellvertretende Forstamtsleiter Wettenberg, Ralf Jäkel, informierten über den Sachstand zum Waldwirtschaftsplan 2019. Krautzberger erläuterte, »von den alten Buchen erwirtschaften wir das Geld für Neuanpflanzungen und Kulturpflege«. Der Markt für Buchenholz sei momentan stabil, zu erzielende Preise nicht überragend, aber wenigstens gut. Der Allendorfer Stadtwald sei generell reich an Laubbäumen. Jäkel bezeichnete die Buche als wirtschaftliche Überlebensbasis im Wald.

Alte Buchen reißen es raus

Häufige Trockenperioden seit 2003 und zuletzt 2018 machten nunmehr auch alte und mächtige Buchen mürbe. Anders als die Fichte reagiere diese zeitversetzt (Schleimfluss am Stamm, Ausdörren der Krone). Trockenschäden an der Eiche seien ebenfalls zu erwarten. Jäkel sagte, der Preis für Fichtenholz liege darnieder. Stammholz habe vor einem Jahr noch 90 Euro pro Festmeter erzielt, aktuell zwischen 40 und 50 Euro. Industrieholz sei gar unverkäuflich. Die Fichte überschwemmt den Markt, denn Windwürfe, Trockenheit und Borkenkäferbefall gab es allerorten.

Trotzdem rät Jäkel immer auch einen Anteil Fichte im Revier beizubehalten. Dies Holz wachse am schnellsten nach, werde von der Bauwirtschaft nachgefragt und trage zur Baumvielfalt des Waldes bei. Momentan werde auf Pflanzgut von Douglasie, Tanne und Buche zurückgegriffen, das mutmaßlich in den Genen Widerstandskräfte gegen extremes Klima eingebaut habe. Darin liege die Hoffnung. Anders als die Landwirtschaft könne man im Wald nicht alle paar Jahre auf dieselbe Fläche eine neue Baumart pflanzen. Jäkel meinte, lang gediente Forstleute stünden heute vor neuen Problemen. So habe man stets gedacht, die Douglasie sei gegen alles gefeit. Mittlerweile hätten »Pilze und Käfer hinzugelernt«. Im guten Glauben sei die Douglasie auch an recht trockenen Standorten gepflanzt worden. Die Praxis zeige, dass bei zusätzlichem Feuchtigkeitsmangel wie 2018 selbst dieser Baum Schaden nimmt.

Allen Schwierigkeiten zum Trotz beschloss der Finanzausschuss abschließend den Waldwirtschaftsplan 2019 einstimmig bei drei Enthaltungen.



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