28. Juni 2017, 19:54 Uhr

Startschuss

Wie junge Lumdataler mitbestimmen sollen

20 junge Lumdataler haben jetzt ein Jugendforum gegründet. Was sie für Kinder und Jugendliche aus der Region erreichen wollen.
28. Juni 2017, 19:54 Uhr
Franziska Ospald erklärt den jungen Teilnehmern, wie sie sich in dem neuen Gremium einbringen können. (Fotos: khn)

Richtig mitreden? Nein, das dürfen sie kaum bis gar nicht. »Erst wenn ich 18 Jahre alt bin und wählen darf«, sagt der 16-jährige Treiser Marian Moldenhauer. Um das zu ändern, haben 21 Kinder und Jugendliche gestern das Lumdataler Jugendforum im Allendorfer Künstlerhof Arnold gegründet. Das Gremium versteht sich als Sprachrohr für die Wünsche von jungen Menschen aus Lollar, Staufenberg, Allendorf und Rabenau, verfügt über eigene finanzielle Mittel und soll Demokratie im Kleinen erfahrbar machen.

Extrem rechte Umtriebe

Der Hintergrund für das Jugendforum ist ein ernster: Erst ab 2012 war wieder eine extrem rechte Gruppe im Lumdatal aktiv, belästigte Andersdenkende, organisierte Aktionen. Nach verstärktem Fahndungsdruck der Polizei und durch gesellschaftliches Engagement vom Netzwerk für Demokratie und Toleranz im Lumdatal ist es mittlerweile still geworden um die Gruppe. Das heißt aber noch lange nicht, dass das generelle Problem behoben ist. Deswegen bemühte sich das Netzwerk, den Einsatz gegen Intoleranz und Rassismus langfristig auszulegen. Helfen sollen dabei die Fördermittel aus dem Programm »Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit – Partnerschaften für Demokratie« vom Bundesministerium für Soziales und Familie. Das Programm läuft noch bis 2019; die Gelder müssen jährlich neu beantragt werden. Damit können Aktionen und Initiativen zu unterstützt werden, die sich für Demokratie, Toleranz, Menschenrechte und Gleichberechtigung einsetzen, gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit wenden.

Kinder und Jugendliche sollen Demokratie lernen und dabei gleichzeitig etwas für andere Kinder und Jugendliche – darum geht es in dem Jugendforum. »Demokratie ist nicht nur einfach so da, sondern wir gestalten es mit«, sagt Franziska Ospald, Koordinatorin von der Fachstelle »Dabei sein«. Zusammen mit dem federführenden Sven Iffland, Jugendpfleger der Stadt Staufenberg, und Andreas Schaper unterstützt sie die Teilnehmer.

Zum Gründungstreffen waren 20 Jugendliche zwischen neun und 20 Jahren gekommen; darunter auch Vertreter des Schülerparlaments der Grundschule in Lollar. Offen ist das Jugendforum für Teilnehmer bis 27 Jahren. Was soll das Gremium leisten? Was kann es überhaupt leisten? Ospald erklärte, das Forum sei als Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen gegenüber der Kommunalpolitik gedacht. Hier können die jungen Menschen mitbestimmen und vor allem selbst gestalten – auch dank eigener Gelder. In diesem Jahr stehen ihnen 11 000 Euro zur Verfügung.

Bürgerbus und Sportplätze

Wofür soll das Geld verwendet werden? Dazu müsste man erstmal wissen, was die Kinder und Jugendlichen vermissen – oder was sie nervt im Lumdatal. In einer »Meckerrunde« sammelten die Teilnehmer erste Ideen und schlossen sich anschließend zu Kleingruppen zusammen. In Lollar zu Beispiel, sagt einer, finde man schwer Freunde, wenn man aus einem anderen Land komme. In Staufenberg gebe es jenseits der Schulzeiten keine guten Busverbindungen in die Nachbarorte. In Rabenau würden sie nur zum Schein nach ihrer Meinung gefragt, sagt ein anderer. Und am Ende hieße es nur, es sei kein Geld da. In Allendorf wissen viele nicht, wann und wo sie sich einbringen können.

Weitere Schwerpunkte sind die Zustände auf Sportplätzen, fehlende offene Treffs oder mangelndes Interesse anderer Jugendlicher, sich einzubringen oder zu wählen. Was könnten Lösungen sein? Der Bürgerbus in Staufenberg, der bisher Ältere zum Einkaufen fährt, könnte auch für Junge eingesetzt werden. Es könnten Testwahlen organisiert werden, um zu verstehen, wie demokratische Wahlen funktionieren. Außerdem soll der Zustand der Jugendzentren erfasst werden.

Viele Ideen kamen auf dem Tisch. Jetzt müssen die Kinder und Jugendlichen Prioritäten setzen, sich einigen und die Ideen umsetzen. Wie in der großen Politik.

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