16. August 2017, 22:25 Uhr

Wie ein Weihnachtsgeschenk

16. August 2017, 22:25 Uhr
Das ehemalige Schwesternwohnheim der AWO in Lollar steht seit Jahren leer und könnte zugunsten eines Wohngebietes bald abgerissen werden. (Foto: vh)

Lollar (vh). Die Möglichkeit, in Lollar außerhalb der Lumdaniederung noch ein neues Wohngebiet zu erhalten, nimmt langsam Gestalt an. Für die Mitglieder des städtischen Bauausschusses hörte sich der Vortrag des Investors am Dienstag an wie ein frühes Weihnachtsgeschenk. Die städtische Politik bräuchte demnach nur noch »Ja« zu sagen und einen Bebauungsplan aufzustellen – und erhielte für lau ein neues Baugebiet auf einer Fläche von 1,6 Hektar mit 19 Grundstücken östlich des Alten- und Pflegeheims der AWO zwischen Lumda und Holzmühlerweg.

Das künftige Wohngebiet mit dem Namen »Hinter der Holzmühle/Am Pfaffenstrauch« wäre im Bereich der Kernstadt die wohl letzte Trumpfkarte. Seine Lage unterhalb des Lollarer Kopfes und am Rande der Frischluftschneise scheint attraktiv. Größenmäßig wäre die Fläche überschaubar. Zum Vergleich: das Bauland in der Lumdaniederung umfasst vier Hektar mit 72 Bauplätzen. Investor wäre die in Gießen ansässige Gesellschaft INIKOM. Geschäftsführer Stefan Becker und Mitarbeiter Heiner Geißler stellten das Projekt vor.

INIKOM würde den kompletten Ankauf der Grundstücke übernehmen, deren Veräußerung sowie sämtliche Aufgaben der Baulanderschließung. Man trage das Risiko und die Kosten, erklärten die Investoren. Daher bliebe der städtische Haushalt unbelastet. Das Gelände gehört überwiegend der AWO (parkartige Erweiterungsfläche, 6738 Quadratmeter), die Stadt besitzt weitere 5649 Quadratmeter und zwei/drei Privateigentümer die restlichen 4915 Quadratmeter. Auf dem AWO-Gelände steht das frühere Schwesternwohnheim, dessen Abriss würde zu den Aufgaben der INIKOM gehören.

Die AWO würde lediglich 1840 Quadratmeter für eine Erweiterungsfläche beanspruchen. Darauf würde ein Neubau für betreutes Wohnen mit 24 Wohneinheiten sowie einer Geschossfläche für Tagespflege entstehen. Eingerichtet würden 22 Einpersonenhaushalte und zwei für Ehepaare. Die verbleibenden 14 100 Quadratmeter reichten aus für 19 Bauplätze und eine Erschließungsstraße.

Der Vorsitzende des AWO Kreisverband Gießen-Land, Karl Fiedler, informierte den Ausschuss über einen derzeit hohen Bedarf für betreutes Wohnen. Die AWO sehe sich in der Verantwortung ihr Pflegeangebot dahin-gehend zu erweitern. Gleichzeitig sollten die Preise bezahlbar sein. Betreutes Wohnen biete der Markt wohl an, meist jedoch für teures Geld, sagte Fiedler.

Die zuständige Sozialbehörde des Landkreises sei informiert und einverstanden, von der AWO-Kreiskonferenz stehe noch die Zustimmung aus. Das frühere Schwesternwohnheim auf dem AWO-Gelände würde bei dieser Gelegenheit abgerissen. Seit Jahren habe man in Lollar das betreute Wohnen als Möglichkeit angedacht, jetzt ergäbe sich eine günstige Gelegenheit. Die Vertreter von INIKOM brachten weitere Details.

Für die Bauplätze würden junge Familien als Zielgruppe angesehen. Weil die Miete für das Betreute Wohnen sieben bis acht Euro pro Quadratmeter nicht übersteigen soll, würde das übrige Bauland zu marktüblichen Preisen veräußert. Damit ein Gewinn herausspringe, müsse der Quadratmeter eigentlich elf bis zwölf Euro kosten.

Das schwierigste Problem sei die richtige Mischkalkulation. Eine finanzielle Förderung werde angestrebt. Infrage käme etwa ein Landesprogramm der Investitionsbank Hessen oder der Landkreis Gießen. Letztlich rechnet INIKOM auch mit Unterstützung der neuen Gesellschaft »Soziale Wohnungsbau und Strukturförderung (SWS)« des Landkreises Gießen, die ihrerseits den kontakt zu Projektierern im Bereich des sozialen Wohnungsbaus sucht.

Die SPD-Fraktion signalisierte Bereitschaft dem Projekt zuzustimmen. Es fehlten noch Informationen, vor allem der genaue Inhalt eines städtebaulichen Vertrags zwischen Lollar und INIKOM über das Mitspracherecht bei Grundstückspreisen und der Bauplatzvergabe. Die CDU erfragte die Notwendigkeit eines Bebauungsplans. Ausschussvorsitzender Hartmut Bierau meinte, dass B-Plan (bisher Sondergebiet) und Flächennutzungsplan zu aktualisieren seien.

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