21. März 2018, 20:31 Uhr

Protest

Widerstand gegen Baugebiet Widerstand gegen Baugebiet

Weil das Kanalsystem im Hungener Stadtteil Inheiden schon jetzt an seine Grenzen stößt, wehren sich die Einwohner gegen eine Erweiterung des Neubaugebietes – mit 460 Unterschriften.
21. März 2018, 20:31 Uhr

Inheiden ist nur einen Katzensprung von der Kernstadt Hungen entfernt, gleichzeitig bietet es mit dem Seegebiet Naherholung pur. Kein Wunder, dass Menschen hier gerne leben möchten. Vor zwei Jahren allerdings waren die letzten Grundstücke im Baugebiet »Am kleinen Riedweg« veräußert worden. Seitdem fehlt es an einem Angebot für interessierte Häuslebauer in dem Hungener Stadtteil. Um diesen dennoch ihren Traum vom Eigenheim zu ermöglichen, haben die politischen Entscheidungsträger im vergangenen Sommer reagiert.

Eine Erweiterung des Neubaugebietes ist geplant. Bis zu 20 Grundstücke sollen dort entstehen. Doch Widerstand macht sich breit. 460 Unterschriften wurden gesammelt und dem Bürgermeister vorgelegt.

Aber der Reihe nach: Im August war die Aufstellung des Bebauungsplanes beschlossen, dieser dann öffentlich ausgelegt worden. Bereits das hatte zu einer Vielzahl von Einwendungen seitens der Anwohner geführt. Sie bewerten nicht nur die geplanten Zufahrtsstraßen in dem verkehrsberuhigten Bereich kritisch, sondern auch das Heran- rücken an das Wasserschutzgebiet und die Limesgrenze, wie Jennyfer Schneider, die die Unterschriftensammlung mitinitiiert hatte, sagt. Bedenken, die bereits bei Ortsbegehungen geäußert wurden. Darüber hinaus hatten einige Inheidener die Bürgermeister-Sprechstunde besucht, um ihre Einwände zu erläutern. Rainer Wengorsch steht diesen offen gegenüber, wie er auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung erklärt. »Ich werde keinen Bebauungsplan durchsetzen, wenn sich sachliche und fachliche Bedenken zu dem Erschließungsvorhaben ergeben.« Er sagte zu, dass die Abwasserentsorgung intensiv geprüft werde und gegebenenfalls erforderliche Kanalsanierungen und -ertüchtigungen einer Erschließung vorgezogen würden.

Befürchtung: Wasser in den Kellern

Doch nach Auffassung der Kritiker wäre es damit nicht getan: Eine Erweiterung des bestehenden Kanalsystems müsste her, das schon im derzeitigen Zustand an der Auslastungsgrenze sei, erläutert Jennyfer Schneider. »Bei starken Regenfälle wie im Dezember und Januar sind durch die Zuleitung der Niederschläge vom Feldheimer Wald keine weiteren Wassermengen mehr tragbar.« Ihre Befürchtung: Eine Planung ohne neuen Kanalbau würde vielen Inheidenern – vor allem im alten Dorf – nasse Keller bescheren. Doch der Rathauschef winkt ab. Noch sei gar nicht klar, ob es nicht zu einer Erweiterung kommt. Wengorsch: »Derzeit wird die Situation von einem Ingenieurbüro technisch geprüft.« Erst danach könne er Genaueres sagen. Um ihrer Besorgnis Ausdruck zu verleihen, hatten sich einige Inheidener vor Weihnachten auf den Weg gemacht und unter dem Motto »Neubaugebiet – nur mit zusätzlichem Kanal« Unterschriften gesammelt. Innerhalb weniger Tage kamen 460 Autogramme zusammen. »Bei rund 900 Wahlberechtigten im Ortsteil ist dies eine signifikante Zahl«, findet Schneider. Diese Unterschriften wurden nun an den Bürgermeister übergeben. Der versprach, alle Bedenken hinreichend zu würdigen und den Planungen verlässliche Berechnungen zugrunde zu legen.

Übrigens: Einer Erweiterung des Baugebietes »Am kleinen Riedweg« noch weiter nördlich mit Kanalanschluss in Richtung Wasserwerk an den Hungener Hauptsammler des Abwassers, wie in der Vergangenheit ebenfalls diskutiert, stünden die meisten Inheidener laut Jennyfer Schneider aufgeschlossen gegenüber. Doch dies war für die Mehrheit der politischen Entscheidungsträger bisher keine Option. (ti/Archivfoto: ti)

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