06. Oktober 2017, 20:05 Uhr

Wider die Randale im Dorf

06. Oktober 2017, 20:05 Uhr

Die Gemeinde Wettenberg heuert jetzt einen privaten Sicherheitsdienst an, um die Sachbeschädigungen in den drei Dörfern, insbesondere aber in Wißmar, einzudämmen. Seit Monaten schon gibt es immer wieder Ärger über verschmierte Hauswände, eingeschlagene Scheiben zerbrochene Flaschen und andere Hässlichkeiten mehr. Im Frühsommer war insbesondere der weitläufige und offene Wißmarer Schulhof das Ziel. Im Verdacht steht eine Gruppe Jugendlicher, derer man aber noch nicht habhaft werden konnte. Vor knapp vier Wochen fand in der Grundschule Wißmar ein Gespräch mit Schulleitung, Eltern, Bürgermeister, Vereinsvertretern und dem Landkreis statt. Die Polizei hat dem Kreis als einzig wirksame Möglichkeit das Einzäunen des Geländes empfohlen. Da die Beschädigungen aber über den Schulhof hinaus aktenkundig sind und andauern, setzt die Gemeinde auf einen professionellen Sicherheitsdienst, um mögliche Täter abzuschrecken, die so eher damit rechnen müssen, in flagranti erwischt zu werden.

Thema für die Kommunalpolitik

Thema ist die Sicherheit im öffentlichen Raum jetzt auch in der Kommunalpolitik: Die CDU hat sich erneut für das Einführen des Freiwilligen Polizeidienstes in der Gemeinde ausgesprochen. Dafür warb Dr. Gerhard Noeske am Donnerstag in der Gemeindevertretung, die unter Vorsitz von Hans-Peter Steckbauer in Launsbach tagte. »Besser als meine Begründung wäre es, die Städte und Gemeinden zu fragen, die dies eingeführt haben«, sagte Noeske. Als Beispiele nannte er Gießen, Hungen, Linden und Heuchelheim. Diese Gemeinden hätten Geld gespart, weil die Projekte gefördert seien. Der freiwillige Polizeidienst sei ein günstiges Konzept, das dem Sicherheitsbedürfnis der Bürger entspreche. Er könne Dinge leisten, die die reguläre Polizei nicht leisten kann und soll. Noeske diagnostiziert einen Mangel an sozialer Kontrolle in der Kommune. »Vorfälle wie auf dem Schulgelände in Wißmar hätte es mit einem freiwilligen Polizeidienst vielleicht nicht gegeben oder er wäre durch soziale Kontrolle vermindert worden. Lassen Sie uns das Thema in den Ausschuss verweisen, um mit den Vertretern der vier Kommunen zu reden«, warb er.

Matthias Schulz (Bündnis 90/ Die Grünen) sieht die Sache anders: Statt eines freiwilligen Polizeidienstes sollte man sich eher professionalisieren: »Wenn Menschen durchs Dorf laufen, können sie nicht verhindern, dass am nächsten Tag Scheiben eingeworfen werden«, sieht Schulz eher ein Vollzugsdefizit. Karl Fiedler (FW) berichtete von kontroversen Diskussionen in seiner Fraktion. Seiner Meinung nach würde der freiwillige Dienst die Probleme nicht verhindern oder reduzieren. Vorfälle wie in Wißmar bedürften anderer Mittel als eines freiwilligen Polizeidiensts. Auch Bürgermeister Thomas Brunner (SPD) sieht im freiwilligen Polizeidienst kein Erfolgsmodell: »Subjektives Sicherheitsgefühl nützt unseren Bürgern gar nichts.« Die Idee des freiwilligen Polizeidienstes gebe es schon lange. Am Ende des Jahres werde aber auch auf Landesebene diskutiert, ob er überhaupt fortgeführt werden könne. Für Ereignisse wie die Golden Oldies engagiert die Gemeinde professionelle Sicherheitsdienste, deren Mitarbeiter sozialversichert sind und nach Tarif bezahlt werden. Vorfälle wie in Wißmar seien weder durch einen freiwilligen Polizeidienst noch durch die Jugendpflege lösbar, so die einschätzung des Rathauschefs. Der seit Ende Juni rund um das Schulgelände aufgestellte Bauzaun löse das Problem nicht, sondern verlagere es lediglich. Richtiger Ansprechpartner sei das Polizeipräsidium Mittelhessen. »Wenn wir effektiv dort eingreifen wollen, sind wir auf der Schiene Ordnungspolizei. Ob wir allerdings in Wettenberg schon so weit sind, wage ich zu bezweifeln.« Die fehlenden 15 000 Polizisten seien aus seiner Sicht der einzige Ansatzpunkt aus der subjektiven Sicherheit eine objektive zu machen.

Noeske warf dem Bürgermeister in seiner Widerrede vor, das Thema kaputt zu reden. Das Sicherheitsbedürfnis der Bürger werde auf die Probe gestellt. »Soziale Kontrolle stellt einen Wert dar. Lehnen sie das nicht reflexartig ab«, appellierte Noeske. Dr. Ulrich Ellinghaus (SPD) konnte dem freiwilligen Polizeidienst nicht zustimmen, sehr wohl aber dem Änderungsantrag der Grünen zu einer Ordnungspolizei. Der CDU-Antrag wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt.



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