09. Januar 2018, 10:00 Uhr

Verwaltungsverbund

Wettenberg und Heuchelheim wollen mehr kooperieren

Interkommunale Zusammenarbeit ist ein Zauberwort dieser Tage. Wettenberg und Heuchelheim planen dies nicht aus der Not, sondern aus einer Position der Stärke heraus.
09. Januar 2018, 10:00 Uhr
Der Bürgerservice im Krofdorfer Rathaus am Sorguesplatz. Dort soll sich für die Bürger als Kunden nichts ändern, auch wenn hinter den Kulissen neue Strukturen entstehen. (Archiv-Foto: so)

und Heuchelheim zählen zu den starken Gemeinden, gesegnet mit sprudelnden Steuereinnahmen und respektabler Infrastruktur. Und doch wollen beide den weiteren Weg enger Seite an Seite beschreiten. »Verwaltungsverband« heißt die Idee.

Bürgermeister Thomas Brunner nutzte bewusst den Neujahrsempfang am gestrigen Montag als Forum, um für ein Bündeln von Kräften zu werben. »Wenn wir unser hohes Niv eau halten wollen, dann müssen wir etwas tun« sagt er. Und nicht erst dann, wenn es nicht mehr anders geht. Sein Heuchelheimer Kollege Lars Burkhard Steinz unterstreicht die Position der Stärke: »Wir wollen jetzt daran arbeiten, unsere Häuser für die Zukunft wetterfest zu machen!«

Dies gilt in erster Linie für die Arbeit der Kernverwaltungen in den Rathäusern: Angesichts immer komplexerer Anforderungen an eine Kommunalverwaltung ist bei Mitarbeitern zunehmend Detailwissen und Spezialistentum gefragt. Muss das jede Gemeinde für sich vorhalten? Oder wo können Wettenberg und Heuchelheim mit Zusammenarbeit Synergien erzielen, die die Kosten sinken lassen?

Brunner und Steinz sind angesichts der Ausgangssituation sehr optimistisch: Fünf Dörfer mit zusammen rund 21 000 Einwohnern auf vergleichsweise kleinem Raum vor den Toren Gießens; und beide Bürgermeister tragen sich mit dem Gedanken, ihre Verwaltungen zu modernisieren: baulich wie organisatorisch.

Da tut es auch nichts zur Sache, dass in Wettenberg ein Roter im Rathaus sitzt und in Heuchelheim ein Schwarzer, hier die Mehrheit Rot-Grün ist, da von der CDU, den Freien Wählern und der FDP gestellt wird. Seit längerem sind die beiden Bürgermeister im Gespräch. Sie haben ausgelotet, wo sie gemeinsam ticken und Bereiche so organisieren können, dass es unterm Strich Effizienzgewinne gibt. Oberste Maxime: Für die Bürger in den Dörfern darf es keine Einschnitte im Service geben, vielmehr soll es zu einer Verbesserung der Angebote kommen. In den Bürgerbüros in den Rathäusern und in den Verwaltungsaußenstellen soll es laufen wie gehabt, wenn man seinen Hund anmelden oder einen neuen Pass beantragen will. »Es wird keinesfalls so sein, dass Bürger aus Krofdorf nach Kinzenbach fahren müssen, um sich ihren neuen Personalausweis abzuholen oder umgekehrt«, versichern Brunner und Steinz. Und sie sind sich zudem einig: Verwaltungen müssen unabhängig von politischen Mehrheitsverhältnissen gut funktionieren.

Vielmehr ist die Idee dahinter, sich auf Verwaltungsebene untereinander mehr als bislang auszutauschen und zu ergänzen. Etwa beim Führen der Kasse oder in den Standesämtern. Ganz konkret heißt das, dass sich Mitarbeiter wechselseitig vertreten oder auf bestimmte, eher selten gefragte Dinge spezialisieren können, ohne dass Strukturen oder Knowhow doppelt vorgehalten werden müssen. Bei den Standesämtern sind die beiden Kommunen ohnehin schon auf dem Weg: Eine gemeinsame Kasse wurde im Viererbund mit Lahnau und Biebertal vor ein paar Jahren schon einmal angedacht, scheiterte dann aber. Nun also ein neuer Anlauf.

Um Ängsten vorzubeugen, dass auch Personal abgebaut werden soll oder einer Zusammenlegung der Gemeinden das Wort geredet werden, versichern die Bürgermeister: Der Verwaltungsverband ist nicht die Vorbereitung einer kommunalen Fusion. Stellenabbau sei kein Thema. Und es geht auch nicht um eine gemeinsame politische Steuerung. Die Parlamente bleiben erhalten, jede Kommune hat ihren eigenen Haushalt, ihren eigenen Bürgermeister. Keineswegs eine »Stadt Lahn 2.0« in klein.

Was noch zupasskommt: Heuchelheim will das in die Jahre gekommene Rathaus am Linn erweitern; in Wettenberg macht man sich ebenfalls erste Gedanken um die Bausubstanz am Sorguesplatz. Bei Modernisierungen könnten neuen Strukturen gleich mit einfließen.

Und jetzt? Da ist die Kommunalpolitik hier wie da gefragt, die Idee weiterzentwickeln, denn einen Masterplan haben die beiden Bürgermeister nicht. Der soll im gemeinsamen Dialog wachsen.

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