16. September 2008, 21:52 Uhr

Wer gibt Äpfel anderen zur Ernte frei?

Gießen (pm/no). Wer offenen Auges durch die Fluren streift, wer sich in Streuobsthainen umsieht oder auch nur einen Blick in Nachbars Garten wirft, weiß es seit Monaten. Wer Tageszeitung liest, erfuhr es spätestens Mitte August, als der Obst- und Gartenbauer-Kreisverband öffentlich für Erhalt und Pflege der Streuobstwiesen warb und dabei feststellte: »Es muss kein Apfel am Baum hängen bleiben!«
16. September 2008, 21:52 Uhr

Gießen (pm/no). Wer offenen Auges durch die Fluren streift, wer sich in Streuobsthainen umsieht oder auch nur einen Blick in Nachbars Garten wirft, weiß es seit Monaten. Wer Tageszeitung liest, erfuhr es spätestens Mitte August, als der Obst- und Gartenbauer-Kreisverband öffentlich für Erhalt und Pflege der Streuobstwiesen warb und dabei feststellte: »Es muss kein Apfel am Baum hängen bleiben!« Die Rede ist von einem Apfelsegen, wie ihn Oberhessen lang nicht mehr erlebt hat.

Die meisten Bäume hängen voller Früchte, viele scheinen unter der Masse schier zusammenzubrechen. Für Hobbygärtner ebenso wie für die Kreisverbände des BUND und des Naturschutzbundes ist absehbar, dass in diesem Herbst tonnenweise Fallobst verfaulen wird. Manch einer bedauere das oder ärgere sich gar, weil das Interesse an heimischem Obst gering sei und statt dessen Äpfel aus Neuseeland im Supermarkt gekauft würden, schrieben sie dieser Tage in einer Pressemitteilung.

Andererseits könne angenommen werden, dass es ein beachtliches Interesse an kostenlosem Obst gibt. Jedenfalls ist der Zulauf bei den TafelInitiativen im Landkreis ein deutliches Anzeichen dafür. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten müsse der Bedarf an Obst, das man sich selbst holen könne und nicht bezahlen müsse, noch deutlich zunehmen. Aber: Wie bringt man Angebot und Nachfrage zusammen? Soll die Presse dazu aufrufen? »Leute geht raus und holt euch Obst!« Immerhin gibt es Eigenbedarf, wie der Betrieb in den Keltereien zeigt. Und selbst wenn der Eigentümer die Äpfel nicht holt, wird er vermutlich verärgert sein, wenn sich Fremde auf seinem Grundstück zu schaffen machen. Die genannten Verbände schlagen daher vor, all jene Obstbäume mit rot-weißem Trassierband zu kennzeichnen, die der jeweilige Eigentümer oder Pächter nicht selbst erntet. Dort können Leute mit Bedarf Äpfel kostenlos ernten.

Wichtig hierbei für alle Nutznießer: Die Bäume und deren Astwerk müssen schonend behandelt werden. (Archivfoto: wz)

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