16. Oktober 2018, 21:48 Uhr

Wer braucht da noch »e Wams«?

16. Oktober 2018, 21:48 Uhr
Immer wieder beeindruckend: Rund 2000 Teilnehmer am Laternenumzug, so die Schätzung von Zugmarschall Armin Schäfer, haben sich am Grünberger Marktplatz versammelt, um nach der offiziellen Eröffnung des Gallusmarktes Richtung Festplatz zu ziehen. (Fotos: fp)

Am grauen »Wams« sollt ihr sie erkennen – die Damen und Herren der Grünberger Gallusmarktkommission. So heißt es seit altersher. Doch ob die grobmaschige Strickjacke mit doppelter Knopfleiste bei einem Herbstmarkt mit sommerlichen Temperaturen überhaupt noch gebraucht wird? Ob am Ende gar das Festzelt überflüssig wird? Alteingesessene Grimmicher dürften diese Aussichten nach dem zweiten Gallusmarkt in Folge mit Sonne statt Nebel und 25 Grad statt Bodenfrost mit etwas Wehmut erfüllen. »Doas is kee richtig Märtwetter«, meinte denn auch ein originärer Gallusstädter gestern Abend auf dem Marktplatz.

Aller Dank gebührt Friedrich III.

Eine Gefühlsregung, die freilich rasch von der Vorfreude auf Tage ausgelassenen Feierns verdrängt werden sollte.

Nachdem Bürgermeister Frank Ide auf den traumhaften Sommer und den nicht minder traumhaften Start des Volksfestes verwiesen hatte, sprach er vom Rathauserker herab die »erlösenden« Worte: »Hisst die Marktfahne, läutet die Martkglocke! Die Sperrstunde ist aufgehoben, ich erkläre den 538. Gallusmarkt für eröffnet!« Und, welch Überraschung, tosender Applaus brandete auf.

Die Worte des »Oberwurzelbürgers« vernahmen gut 2000 Menschen, vor allem »kleene Grimmicher«, die sich auf den Laternenumzug freuten – und mindestens genauso auf den Besuch des Juxplatzes.

Zuvor jedoch ward an jenen Habsburger erinnert, dem die Bewohner der Stadt ihr Volksfest zu verdanken haben: Kaiser Friedrich III. Als Herolde gewandet, verlasen die TKS-Schüler Mailin Peppler und Philipp Obermann die 537 Jahre alte Markturkunde. Am 31. Januar 1481 zu Wien hatte Friedrich den Grünbergern das Privileg gewährt, »hinfür für ewig an St. Calixten Jahrmarkt zu halten«.

Ewig hätte er damit nicht warten dürfen: Im Juni 1493, im Alter von 78 Jahren, verlor er erst das linke Bein, sechs Wochen später sein Leben. »Altersbrand« lautete die Diagnose des Chirurgen, Arteriosklerose würden die Kollegen heute sagen. Näheres erfährt der Besucher des Stephansdoms zu Wien. Zurück nach Grünberg: Einheimischen wie auch den Gästen aus Condom gab der Bürgermeister nun – auch das eine Tradition – seinen Bericht zur Lage der Stadt. Zuvor aber dankte er allen Helfern beim Laternenumzug. Darunter die Jugendfeuerwehren, die mit ihren Fackeln die Altstadtgassen in warmes Licht tauchten. Oder der Musikzug der Feuerwehr und das Blasorchester der Theo-Koch-Schule, das erstmals aufspielte. An den Beginn seiner Tour d’Horizon stellte Ide die Fülle kultureller wie sportlicher Veranstaltungen. Erwähnt seien hier nur Folk-Festival, Kinderkulturtage, »Grünberg auf der Rolle«, die Reitturniere in Grünberg und Weitershain, »BenderOpen« und die Theateraufführungen in Lehnheim und Stockhausen. Nicht zu vergessen die Jubiläen der Partnerschaft mit Mragowo und Condom. Und die fast 43 000 Freibadbesucher, »ein super Ergebnis«.

»Ganz groß« nach Ides Worten waren auch die Dorfjubiläen in Weickartshain (575 Jahre) und Reinhardshain (700 Jahre). Mehrere, nicht ganz so alte Vereine feierten ebenso »Geburtstag« wie die Waldschule, die zum 50-Jährigen ihre Erweiterungsbauten einweihte.

Doch nicht nur an der TKS wurde investiert, auch der Gerätehausanbau in Lardenbach, die neue Kita im Baumgartenfeld, der Dorfplatz Reinhardshain, der Umbau des Freibadgebäudes mit Archiv, die Diebsturmstraße und der Neubau der Firma Bender wurden fertiggestellt. In Kürze sei es auch mit dem Umbau zum barrierefreien Bahnhof so weit. Brandschutztechnisch ging es ebenfalls voran, die FFW Stangenrod etwa bekam ein MTW »mit passender Garage«. Fortgesetzt wurden derweil die Bemühungen im Tourismus, wozu etwa Präsentationen auf dem Hessentag und Messen beitrugen.

Zug durch die Gemeinde

»Die Aufzählung ist nicht vollständig. Dies würde aber auch den Rahmen sprengen und wäre gerade für die Kinder langweilig«, kam Ide zum Schluss. Und wandte sich direkt an die Kleinen, die darauf warteten, mit ihren oft fantasievollen selbst gebastelten Laternen durch die Stadt zu ziehen. Mit dem Ziel Juxplatz, um mindestens eine Runde Karussell zu fahren und das »Mega-Feuerwerk« zu bestaunen. Nicht anders die Erwachsenen. Die allerdings dürften sich mehr noch auf den nahenden »Zug durch die Gemeinde« gefreut haben – wie es sich gehört für die Grimmicher am ersten Gallmärtsabend.

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