02. August 2017, 18:00 Uhr

Nierenspende

Wenn aus der Nierenspenderin die Braut wird

Der Pohlheimer Wolfgang Schwarz hat die Frau geheiratet, die ihm vor zwei Jahren eine Niere gespendet hat. Die Hochzeit ist für das Paar ein Glanzpunkt nach einem Wechselbad der Gefühle.
02. August 2017, 18:00 Uhr
Stefan_Schaal
Von Stefan Schaal
Die Hochzeit ist für das Paar ein Glanzpunkt nach einer schweren Zeit. (Foto: srs)

Tränen des Glücks fließen in der Alten Kirche in Watzenborn-Steinberg nicht selten, sie ist ein beliebter Ort für Trauungen. Am vergangenen Samstag indes war es schlicht unmöglich, die Tränen zurückzuhalten. Der Pohlheimer Wolfgang Schwarz hat die Frau geheiratet, die ihm vor zwei Jahren eine Niere gespendet und ihm so das Leben gerettet hat. Die Hochzeit ist für das Paar ein strahlender Glanzpunkt nach einem Wechselbad der Gefühle.


Manuela Schwarz’ Brautkleid gibt an einer Stelle den Blick auf eine Narbe frei, die an den Juli 2015 erinnert: Sie und Wolfgang Schwarz liegen damals in einem Krankenhaus in Fulda – zur Transplantation ihrer Niere. Der heute 47-Jährige litt unter einer genetisch bedingten Erkrankung, bei der es zur Bildung von Zysten in der Niere kommt. »Ich war jede Woche für 15 Stunden in der Dialyse«, erinnert er sich. »Ich konnte mein Bein nicht mehr bewegen.«
 

Erst lehnt er ab
 

"Du bist das Beste, was mir je passiert ist": Manuela und Wolfgang Schwarz (Foto: srs)

Kennengelernt haben sich Wolfgang und Manuela Schwarz am Amtsgericht Gießen. Sie sind Arbeitskollegen. Er ist Rechtspfleger, sie bildet Justizfachangestellte aus. Aus Kollegen werden Freunde, aus Freundschaft wird Liebe.

Die Beziehung ist noch jung, als Manuela vorschlägt, ihm eine Niere zu spenden. Er lehnt das Angebot zuerst ab. Eine Operation unter Vollnarkose birgt Risiken. Außerdem will er nicht, dass die Transplantation die Beziehung verändert und seine Partnerin ihm aus dem Gefühl einer Verpflichtung hilft. Manuela überzeugt ihn jedoch. »Er ist ein guter Mensch«, erklärt sie. »Er achtet immer darauf, dass es anderen gut geht. Ich habe es als unfair empfunden, dass ausgerechnet er krank war.«


Ihr Mann scheint ja ein besonderer Mensch zu sein. Ich würde ihn gerne kennenlernen.

Theologe aus der Ethik-Kommission

Vor der Operation sind viele Hürden zu überwinden. Ein knappes Jahr vergeht mit Untersuchungen, ob sein Körper ihre Niere überhaupt annehmen würde. Eine Hürde ist außerdem ein Gremium, das über die Operation entscheidet: eine Ethik-Kommission in Frankfurt. »Da waren ein Chirurg, ein Psychologe und ein Theologe«, erzählt Manuela Schwarz.



Sie überprüfen, ob sie ihre Niere aus freien Stücken spenden will und ob die Beziehung gesund ist – ohne Abhängigkeit. »Ihr Mann scheint ja ein besonderer Mensch zu sein«, hält am Ende der Theologe fest. »Ich würde ihn gerne kennenlernen.«

 

Am Amtsgericht Gießen lernten sich Manuela und Wolfgang Schwarz kennen (Foto: srs)

Heute geht es Wolfgang Schwarz gut. »Die Operation hat uns enger zusammengeschweißt«, erklärt sie – und betont, dass die Ehe vor allem von Liebe und gar nicht so sehr durch die OP geprägt sei. Motorräder röhren, als das Paar die Kirche verlässt. Motorradfahren ist ihr Hobby. Lauter als die Motoren hallt in den Ohren aber ein Lied, das während der Trauung erklungen ist: »Du bist das Beste, was mir je passiert ist«



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