29. Mai 2012, 09:58 Uhr

Wenn Türme einstürzen und Leben gelingt

Lich (dv). Den Dekanatsgottesdienst zu Pfingsten hielt Pfarrer Hartmut Lemp aus Villingen in den ehrwürdigen Mauern der Kirchenruine des Arnsburger Klosters. Während sich der Besucherraum mit weit mehr als 200 Gläubigen füllte, erklangen bereits die ersten Lieder.
29. Mai 2012, 09:58 Uhr
Pfarrer Hartmut Lemp (links) hielt den Gottesdienst, die Mundartgruppe »Querbeet« (rechts) sorgte neben Käthe und Herrmann Wilhelmi für den musikalischen Rahmen. (Foto: dv)

Die Villinger Mundartgruppe »Querbeet« sorgte für die musikalische Begleitung, ebenso Käthe Wilhelmi, begleitet von Herrmann Wilhelmi am Klavier. »Wenn Türme einstürzen und Leben gelingt« war das Thema des Gottesdienstes. Lemp setzte den Turmbau zu Babel an den Anfang der aufzeige, zu was das Streben nach immer höheren Türmen führe. Er übertrug dies auf die heutige Zeit mit Blick auf das höchste Haus Dubais (828 Meter), vor allem aber die anderen »Türme«, die heute entstünden. Beispielsweise den Rettungsschirm, Wachstumszwang oder Klimawandel. Hinter dem Altar entstand ein Turm aus Karton auf dem die jeweiligen Schlagworte festgehalten wurden. Dazu war unter den vielen Liedern des Nachmittags »Was ist der Mensch« ausgewählt worden mit dem Refrain »baut den Turm nicht zu hoch«

Angst mache sich breit gerade im Zeitalter des demografischen Wandels, so Lemp. Dieser sei nur mit Diskussion zu begegnen. Nach der Bibel hatte Gott die Erbauer des Turms zu Babel in alle Winde zerstreut und vielsprachig werden lassen. Miteinander reden sei notwendig, um Konsens zu finden, was Lemp mit Beispielen aus den vergangenen Jahrzehnten belegte. Dies gelte auch für die Kirchen, und er bedauerte, dass es nach dem jüngsten hoffnungsvollen Vatikanischen Konzil mit einem neuen Pabst ein Rückfall ins Konservative gegeben habe.

Die Türme immer höher zu bauen führe zu Unzufriedenheit, wenn gleichzeitig Armut und Jugendarbeitslosigkeit zunähmen. Hier gelte es, die Balance zu finden. Im Glauben dürfe man zweifeln, aber nie verzweifeln. Erst kürzlich habe ihm ein Jugendlicher bei einem tragischen Trauergottesdienst gesagt, »Heute habe ich gespürt, wie Glauben tragen kann. Dazu war das Lied »Gib uns einen neuen Tag« ausgewählt worden und Lemp warf symbolisch den Mauerturm der Kulisse um. Vor dem Abschlusslied dankte Dekanin Barbara Alt im Namen des Dekanats allen an der Ausrichtung Beteiligten.

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