08. November 2018, 21:26 Uhr

Weltmusik vom Balkan

08. November 2018, 21:26 Uhr
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Aus der Redaktion
Dagadana sind (v. l.) Daga Gregorowicz, Bartosz Mikolaj Nazaruk, Mikolaj Pospieszalski und Dana Vynnytska. (Foto: usw)

Weltmusik vom Balkan versprach das polnisch-ukrainische Ensemble Dagadana, und da stellten sich nicht gleich alle Ohren auf. Doch was das in Polen mit mehreren Preisen bedachte Quartett am Mittwoch im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge auf die Bühne brachte, verblüffte selbst die aufgeschlossenen Zuhörer des Genres. Mit einer pfiffigen, sehr gekonnten Mischung aus Folklore, Pop und Jazz, verpackt in einen hochglänzenden Sound, nahmen sie alle Zuhörer für ihre Musik ein – Riesenspaß. Sie sind seit acht Jahren und 400 Konzerten zusammen; man hört es an der entspannten Routine und tadellosen Präzision, mit der »Dagadana« agieren. Besetzung: Daga Gregorowicz (Gesang, Elektronik), Mikolaj Pospieszalski (Kontrabass, Bass, Gesang), Dana Vynnytska (Gesang, Klavier) und Bartosz Mikolaj Nazaruk (Schlagzeug, Perkussion).

Als Erstes fällt der wunderschöne Satzgesang der beiden Musikerinnen auf, den sie mit ungewöhnlicher Konsequenz einsetzen, akustisch aufgemöbelt durch jeweils zwei Mikros, mit denen sie gelegentlich Stereoeffekte erzeugen. Ungewöhnlich, aber wirksam. Und das ist nicht der einzige Effekt: Gregorowicz mischt zur Musik (gelegentlich pfeift sie) alle möglichen elektronischen Zutaten vom Rauschen, übers Zirpen und Piepsen über Wasserblubbern: Natürlich nutzt sie einen Loop. Damit singt sie gelegentlich ein Eigenduett oder fabriziert irgendwelche rhythmischen Elemente.

Musikalisch präsentieren Dagadana zum einen eine sehr eingängige Synthese von polnischen und ukrainischen Volksweisen, die sie sehr intensiv und gefühlvoll vortragen. Die exzellente Band liefert eine Basis, die oft zwischen Jazz, einigen Sorten Pop und etwas Funk variiert. Das Besondere dabei ist, dass die Musik inhaltlich stimmig und einleuchtend ist, was auch an der glaubhaften Emotionalität des Ensembles liegt. Zum anderen erweisen sich auch Schlagzeuger und Bassist – letzterer wechselt auch mal zur Geige – als ausgefuchste Profis, die eine musikalische Facette nach der anderen auffalten.

Emotional sind so ziemlich alle Spielarten zu erleben, was das Publikum alsbald geschlossen mitschwingen lässt.

Der Höhepunkt einer durchgehend hochwertigen Performance ist das »Requiem« für einige »ukrainische Helden«. Getragen, wehmütig und mit einem bewegenden dreistimmigen Satzgesang, zu dem sich der gestrichene Bass zu einem attraktiven Orgelklang fügt, berühren himmlische Harmonien – die zugleich uneingeschränkt glaubhaft wirken – jeden einzelnen Zuhörer.



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