09. April 2019, 22:33 Uhr

Weiter Unruhe im »Musikerviertel«

09. April 2019, 22:33 Uhr

Für das alte Singalumnat im Laubacher »Musikerviertel« gibt es einen neuen Investor, ein Kirchhainer Bauträger will Mehrfamilienhäuser errichten. Das aktuelle Projekt jedoch zeige keine Verbesserung gegenüber dem ursprünglichen Vorhaben 2017, war man sich in der Mitgliederversammlung des Vereins »Lebenswertes Laubach« einig. Der Vorstand hatte zuvor aus der nicht öffentlichen Projektpräsentation am 28. März berichtet (GAZ vom 30. März).

Rückblick: Die Bürgerinitiative hatte im Bürgerbegehren 2017/2018 gegen den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan »Johann-Sebastian-Bach-Straße« 1442 gültige Unterschriften gesammelt, die Stadtverordneten hatten im Februar 2018 den eigenen Beschluss vom November 2017 einstimmig wieder aufgehoben. »Ausdrückliches Ziel damals war es, einen Konsens zwischen Anwohnern, Parlament und Projektgesellschaft zu finden.

Nachdem jedoch der Projektierer im Juni 2018 vom Projekt zurückgetreten ist, sah man seitens der Stadt keinen weiteren Handlungsbedarf«, heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Auch für den Vorschlag, einen eigenen Bebauungsplan nach Vorgaben der Stadt aufzustellen, habe es keine parlamentarische Mehrheit gegeben. »Dabei hätte man die Zeit gut nutzen können, einen Konsens zwischen Anwohnern und Stadt zu finden«, stellte Vorsitzender Andreas Wenig fest.

Verdichtung mit Folgen

So sei etwa der Stellplatzschlüssel im damaligen Aufstellungsbeschluss mit 1,75 vorgegeben worden. Dass nun Bürgermeister Klug der neuen Projektgesellschaft für die ersten Planentwürfe einen Schlüssel von 1,5 vorgebe, sei nicht nachvollziehbar. »Damit ignoriert er einerseits ganz klar unsere Anliegen und verschlechtert sogar noch die Ausgangssituation gegenüber dem Projekt, gegen das wir ein erfolgreiches Bürgerbegehren eingeleitet haben«, so Wenig weiter.

Die neue Planung wird als zu verdichtet gesehen. »Das aktuelle Projekt fügt sich nicht in den gebietsprägenden Charakter des Musikerviertels ein. 45 bis 50 Wohnungen, vier Geschosse pro Haus und eine Gesamthöhe, die deutlich über dem Singalumnat liegt, waren 2017 und sind auch heute noch deutlich überdimensioniert«, stellte Burkhard Götzl, Vertrauensperson des Bürgerbegehrens fest. Durch die Verdichtung erwarte man eine übermäßige Verkehrsbelastung an der Kita Weltendecker und im Engpass der unteren Johann-Sebastian-Bach-Straße sowie eine dramatische Anspannung der Parkplatzsituation in der Johann-Sebastian-Bach- und Beethoven-Straße. Die geplante Gebäudehöhe ermögliche eine »gebietsunübliche Einsichtnahme« in die Gebäude und auf die Grundstücke in unmittelbarer Nachbarschaft. Insgesamt werde der Charakter des Viertel verfremdet, begründen die Vereinsmitglieder ihr Nein zur aktuellen Planung.

Nach derzeitigen Informationen soll das Projekt bereits im Mai im Haupt-, Bau- und Finanzausschuss beraten werden, damit ein neuer Aufstellungsbeschluss im Juni von der Stadtverordnetenversammlung verabschiedet werden kann. »Wir wundern uns über das Demokratieverständnis bei den nun handelnden Personen. Wie kann man einen eigenen Aufstellungsbeschluss nach einem Bürgerbegehren zurücknehmen und dann ein Jahr später planen, einen neuen Beschluss zu fassen, der in Teilen sogar noch ungünstiger sein wird? Wir können uns das nur so erklären, dass der Anschluss an unser Bürgerbegehren einen erfolgreichen Bürgerentscheid verhindern sollte. Dieser hätte nämlich weitere Planungen für drei Jahre blockiert«, stellte Vorstandsmitglied Elvira Pesch fest, und: »Hätte man nach dem Anschluss ernsthaft einen Konsens zwischen den Anwohnern und der Stadt erreichen wollen, hätte es längst Gespräche über Gestaltungsgrenzen für einen neuen Investor gegeben.«

Die Vereinsmitglieder rufen die Verantwortlichen im Stadtparlament auf, in einer Arbeitsgruppe aus Stadtverordneten und Anwohnern auszuloten, welche Möglichkeiten nun bestehen. Die Projektgesellschaft stehe offenbar nicht unter Zeitdruck, sodass es keinen vernünftigen Grund geben könne, das Projekt »mit der Brechstange durchzuziehen, die Bürgerbeteiligung zu sabotieren und das Bürgerbegehren völlig unberücksichtigt zu lassen«, resümierte der Vorsitzende.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Anschlüsse
  • Bauträger
  • Bebauungspläne
  • Bürgerbeteiligung
  • Bürgerentscheide
  • Charakter
  • Johann Sebastian Bach
  • Mehrfamilienhäuser
  • Planung und Organisation
  • Rücktritte
  • Vereine
  • Laubach
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos