21. Februar 2018, 13:05 Uhr

App gegen Schlagloch

Was taugen die Mängelmelder im Kreis Gießen?

Immer mehr Kommunen bieten Mängelmelder an, über die Bürger Schlaglöcher und vermüllte Spielplätze melden können. Doch lohnt sich das Angebot überhaupt?
21. Februar 2018, 13:05 Uhr
Mehrere Kommunen im Landkreis bieten ihren Bürgern die Möglichkeit, Schlaglöcher und andere Schäden online zu melden. (Foto: DEHNHARDT_P)

Hungen und Lich haben ihn schon lange, auch in Wettenberg, Biebertal und Lollar gibt es solch ein System. Und in Reiskirchen denkt man derzeit darüber nach, ihn einzuführen: den Mängelmelder. Bürger können darüber online oder teilweise sogar per App Schäden wie Schlaglöcher, verschwundene Verkehrsschilder oder verwilderte Grünflächen melden. Doch wird so ein Angebot überhaupt genutzt? Und lohnt es sich für die Kommune oder kommt nur eine Unmenge an unnützen Meldungen herein?

Lollars Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek ist von dem System überzeugt: »Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht.« Früher habe man immer im Amtsblatt dazu aufgerufen, Schäden an der Infrastruktur zu melden. »Wir sind froh, wenn wir darüber informiert werden«, sagt er. Denn gerade in Seitenstraßen sei der Bauhof nicht jeden Tag auf Kontrollfahrt unterwegs. Jetzt würde man aber dort von Schäden schnell erfahren und könnte sie gezielt ansteuern. Pro Woche gingen bei der Verwaltung zwischen drei und fünf Meldungen ein. In Lollar versuchen sie dann, die Probleme zeitnah abzustellen.

 

Licher sind von System überzeugt

 

Bei defekten Straßenlaternen könne dies aber auch einmal ein paar Wochen dauern, wirbt Wieczorek für Verständnis: Da die Stadt diese selbst repariert, sammele man erst einige Meldungen, damit sich das Anmieten der Hebebühne überhaupt rentiere.

Lich war eine der ersten Kommunen im Landkreis, die einen Mängelmelder einführte. Guido Linke von der EDV-Abteilung der Stadt hält das System weiterhin für sehr nützlich: »Die Befürchtung, dass der Einsatz des Mängelmelders der Stadt nur zusätzliche Arbeit bereitet oder dieser missbräuchlich eingesetzt wird, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt.«

Nur rund fünf Prozent der im Schnitt 80 Meldungen pro Jahr fielen nicht in den Zuständigkeitsbereich der Kommune. Ansonsten könne man wirkungsvoll eingreifen: »Ein nicht geleerter Papierkorb ist in der Regel in ein bis zwei Tagen erledigt, beim Loch in der Straße dauert es entsprechend länger«, sagte Linke. Die Bürger könnten zudem auch von unterwegs über eine App auf ihrem Smartphone Schäden melden. Die Nutzerzahl in Lich sei seit Einführung konstant geblieben. Auch die Nachbarkommune Hungen betreibt einen Mängelmelder, Zahlen liegen der Redaktion allerdings nicht vor, die Anfrage blieb unbeantwortet.

 

Abends schnell Schlagloch melden

 

Pohlheim hat das System im April 2015 eingeführt. Seitdem sind 285 Meldungen eingegangen. Über ein Drittel betrafen Straßenschäden, 60 mal wurden kaputte oder fehlende Verkehrsschilder moniert.

Besonders erfreut ist Pohlheims Bürgermeister Udo Schöffmann darüber, dass die Bürger 43 mal wilde Müllablagerungen meldeten: »Gerade dort, wo Dreck liegt, kommt schnell mehr dazu. Wenn er schnell weggeräumt werden kann, kommt keiner auf die Idee, noch etwas dazu zu legen.« In Schöffmanns Augen hat sich das Instrument des Mängelmelders bewährt. Die Bürger könnten so auch abends noch schnell per App oder Computer etwas melden, was ihnen auf dem Nachhauseweg aufgefallen ist.

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