30. Mai 2019, 10:00 Uhr

Freibäder

Was für und gegen das Busecker Freibad spricht

In Buseck wird das Parlament im Juni über eine Reaktivierung des Freibads diskutieren. Anhänger wollen den Ort damit attraktiver machen, Kritiker warnen vor Zuschüssen. Was wiegt schwerer?
30. Mai 2019, 10:00 Uhr
Seit Jahren sind die Tore des Freibads in Großen-Buseck verschlossen - doch das könnte sich in absehbarer Zeit ändern. (Archivfoto: jwr)

Ein Sprung ins kühle Wasser - das ist im Sommer Gold wert. Doch bis dahin müssen viele Menschen im Kreis erst einmal einige Kilometer fahren. Denn Freibäder gibt es längst nicht in allen Kommunen. Sie sind ein Zuschussgeschäft, für laufende Kosten und Reparaturen geben die Freibad-Kommunen häufig Summen über 200 000 Euro pro Jahr aus. Andererseits sind die Bäder ein Standortfaktor, die das Leben in einem Ort gerade für Familien und junge Menschen attraktiver machen können.

Auch in Großen-Buseck gibt es ein Freibad. »Das hatten wir schon vor den Gießenern«, sagt Eckhard Neumann stolz. Der CDU-Gemeindevertreter hat eine besondere Beziehung zu diesem Ort an der Wieseck, im Herzen des Dorfs: »Mein Großvater hat das Schwimmbad in den 1930ern mit aufgebaut, meine Mutter war dort Bademeisterin.« Seit 2012 liegt das Freibad allerdings trocken. Kurz vor Ende der Saison war die Einrichtung wegen baulicher Mängel geschlossen worden. Aufgrund des defizitären Haushalts habe sich Buseck den Betrieb nicht mehr leisten können, berichtet Neumann.

Ein emotionales Thema

Nun scheint die Neueröffnung in greifbare Nähe zu rücken: Im Zuge des Förderprogramms »Stadtumbau Hessen« stehen für die Umgestaltung der Wieseckinsel samt Freibad rund 2,3 Millionen Euro zur Verfügung. Laut aktueller Kostenschätzung wäre die Sanierung des Freibads für knapp 1,5 Millionen Euro möglich - natürlich abhängig davon, welche Variante gewählt wird. Bürgermeister Dirk Haas (SPD) geht davon aus, dass der kommunale Eigenanteil unter einer Million liegen könnte. Haas sieht eine einmalige Chance, dem Freibad neues Leben einzuhauchen. Grundsatzbeschlüsse des Parlaments, wonach das Bad an diesem Ort wieder in Betrieb genommen werden soll, hätten nach wie vor Bestand. Auch das Baurecht bestehe weiter. Im Juni werden die Gemeindevertreter über die Pläne für Wieseckinsel und Freibad beraten.

Unumstritten ist die Reaktivierung des geschichsträchtigen Bads nicht. Gerade in anderen Ortsteilen gibt es Bedenken, ob Großen-Buseck ein Freibad braucht. Es ist ein emotionales Thema, bei dem reichlich Nostalgie mitschwingt. Viele Busecker haben hier Schwimmen gelernt und unzählige Stunden verbracht.

Auch in Zukunft attraktiv?

Frank Müller sieht die aktuellen Pläne für das Bad skeptisch. Der Busecker CDU-Fraktionsvorsitzende ist auch Geschäftsführer der BäderBetriebe Frankfurt GmbH - ein Freund von Schwimmbädern, wie er betont. Rund zwei Drittel der laufenden Kosten, schätzt er, würden für den Betrieb anfallen, der Rest für Abschreibungen, Unterhaltung, Personal. »Das setzt auf Dauer voraus, dass die Gemeinde sich das leisten kann«, sagt Müller. Man müsse alle Varianten sorgfältig prüfen, auch einen möglichen Standort am Hallenbad. Außerdem bezweifelt er, ob die Ausmaße der alten Fläche im Ortskern für ein modernes Bad ausreichen, das auch in Zukunft attraktiv ist.

»Wir haben in der Fraktion noch kein einheitliches Bild dazu«, räumt Müller ein. Neumann, sein Stellvertreter in der Fraktion, vertritt eine ganz andere Meinung. »Ich bin beim Thema Schwimmbad ganz auf einer Linie mit dem Bürgermeister«, sagt er. Ein Beispiel dafür, wie weit die Meinungen in Buseck auseinander gehen - teilweise auch innerhalb einer Fraktion.

Verein steht bereit

Doch wer würde im Fall der Wiedereröffnung das Bad überhaupt betreiben? Der Hallenbadverein steht offenbar bereit. »Ohne den Verein wird es nicht gehen«, sagt Bürgermeister Haas. Wie sind andernorts die Erfahrungen mit einem Verein als Betreiber? Für das ebenfalls seit den 1930ern bestehende Licher Waldschwimmbad ist ein privater Trägerverein verantwortlich. Die Stadt habe sich den Betrieb nicht mehr leisten können, »das Mähen der Rasenfläche ist der einzige Beitrag, den sie noch einbringt«, sagt Joachim Siebert, Vorsitzender des Vereins. »Wir haben alle normale Jobs und leiten nebenher ein Unternehmen mit Saisonbetrieb.« Aufgrund von Problemen mit der Wasserversorgung steht der Betrieb im kommenden Jahr auf der Kippe.

Wichtig sei, findet Siebert, mit einer breiten Palette an Veranstaltungen verschiedenen Gruppen anzusprechen - und gerade für Jugendliche attraktiv zu sein: Schulklassen aus dem Kreis samt Aufsichtsperson haben ihm zufolge während der Schulzeit freien Eintritt - in der Hoffnung, dass sie nachmittags, vielleicht mit ihren Eltern, wiederkommen und Eintritt bezahlen. Siebert verweist auf eine steigende Zahl von Nichtschwimmern, das hänge auch mit einem Mangel an wohnortnahen Schwimmbädern zusammen. Seine Empfehlung: »Die Kommune sollte sich beteiligen.«

Fester Zuschuss als Möglichkeit

In Buseck könnte es so kommen - zumindest nach dem Willen des Bürgermeisters: »Wir würden einen festen Zuschuss geben, der je nach Eintrittspreisen variieren könnte. Damit müsste der Verein dann haushalten«, sagt Haas. Er spricht von einer »sozialpolitischen Maßnahme«: Wenn Unternehmen überlegten, sich in Buseck anzusiedeln, werde er oft nach Angeboten für Mitarbeiter und ihre Familien gefragt - etwa nach dem Freibad. »Es reicht nicht, wenn man ein Gewerbe-Grundstück ein paar Euro billiger anbietet.«

Eckhard Neumann aus Großen-Buseck kommt ins Schwelgen, wenn er an seine Jugend mit dem Freibad zurückdenkt. Er erzählt von nächtlichen Ausflügen ins Bad, »aber wir waren immer leise und haben nichts kaputt gemacht«. Ihm ist bewusst, dass eine Schwimmbad-Reaktivierung dauerhafte Kosten bedeuten würde. »Ein Schwimmbad ist ein Luxusbetrieb, den sich eine Kommune leisten kann oder will - oder eben nicht.« Andererseits: »Wenn wir alles zu machen würden, was sich nicht rentiert, hätten wir auch keine Kultur mehr.« Man müsse »auch an die Menschen denken, die kein hohes Einkommen haben und nicht zweimal im Jahr in Urlaub fahren können«.

Den Buseckern dürfte ein Sommer hitziger Debatten bevorstehen - ohne Möglichkeit zur Abkühlung im Freibad.

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