04. März 2019, 10:10 Uhr

Von oben

Was ein Serum gegen Schweineseuche mit Obbornhofen zu tun hat

Obbornhofen ist das älteste Dorf im Landkreis. Doch nicht nur eine Quelle mit kristallklarem Wasser macht den Ort bedeutsam. Der berühmteste Sohn des Dorfs war ein bekannter Wissenschaftler.
04. März 2019, 10:10 Uhr
Umgeben von Wiesen und Feldern: Obbornhofen. (Foto: Henß)

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In unserer Serie »von oben« präsentieren wir Fotos, die Luftfotograf Manfred Henß aufgenommen hat. Unsere Leser erhalten dadurch beeindruckende neue Blickwinkel ihrer Heimat aus der Vogelperspektive.

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Im Jahr 767 wurde Obbornhofen erstmals schriftlich erwähnt. Vor zwei Jahren feierten die Stadtteil-Hungener das 1250-jährige Bestehen ihres Dorfes, das älteste im Landkreis Gießen. Doch vermutlich hatten sich dort schon viel früher Menschen angesiedelt. Grund dafür ist der Obborn, jene Quelle – so könnte man vermuten –, die dem Ort seinen Namen gab. Doch der kommt laut Ortsvorsteher Willy Zimmer tatsächlich von den oberen Höfen. Dem Teil Obbornhofens, in dem noch heute die ältesten Häuser stehen.

Aber zurück zum Obborn, der wenn auch nicht Namensgeber, wohl aber früher die Lebensgrundlage des Dorfes war. Es handelt sich um einen artesischen Brunnen, der ununterbrochen kristallklares Wasser fördert. »450 000 Kubikmeter pro Jahr, also sieben Badewannen pro Minute«, weiß Zimmer. Wegen seines überhöhten Nitratgehalts wird dieses aber seit 1986 nicht mehr als Trinkwasser sondern vor allem zur Bewässerung von Wiesen und Feldern genutzt.

 

Nachtwächterweg wurde wiederbelebt

Ein Teil floss früher auch in den Löschteich. Doch den gibt es seit rund 17 Jahren nicht mehr. Vor allem Familien war er ein Dorn im Auge, weil er direkt neben dem Spielplatz lag. Als die Stadt Hungen aus Sicherheitsgründen einen Zaun errichten ließ, wurde Willy Zimmer aktiv. Er präsentierte beim Umwelttag 1996 seinen Entwurf für eine Umgestaltung des Areals und weil nichts passierte zwei Jahre später noch einmal.

Diesmal mit über 400 Unterschriften von Unterstützern im Gepäck. Zimmer bekam von der Stadt grünes Licht für die Übernahme der Materialkosten und begann mit einigen Mitstreitern aus dem Dorf Ende 2001 mit dem Abriss des Löschteiches.

Drei Jahre später hatte die Obborn-Gruppe an dieser Stelle einen attraktiven Platz geschaffen. Eine terrassenförmig angelegte, kleine Wasserlandschaft, die zum Verweilen, Spielen und Entspannen einlädt. Im Rahmen der Dorferneuerung wurde auch der Bereich rundherum umgestaltet und der Nachtwächterweg wiederbelebt – eine 70 Meter lange Treppe, die den Brunnen mit dem Oberdorf verbindet. Ihre 67 Stufen wurden früher von den Nachtwächtern auf ihrer Runde durch das Dorf beschritten.

 

Größter zusammenhängender Streuobstgürtel im Kreis

Doch Obbornhofen hat noch viel mehr zu bieten: Eine rührige Vereinsgemeinschaft, die zuletzt beim Dorfjubiläum auf beachtliche Weise zeigte, was man zusammen auf die Beine stellen kann. Außerdem verfügt das 875-Seelen-Dorf gemeinsam mit Bellersheim über den größten zusammenhängende Streuobstgürtel im Landkreis. Mehr als 6000 Bäume stehen dort.

Nicht zu vergessen, steht im Dorf das älteste Fachwerk-Rathaus im Kreis. Letzteres wurde im Jahr 1500 gebaut und diente bis zur Eingemeindung 1977 dem Bürgermeister als Amtssitz und früher der Feuerwehr als Gerätehaus. Die alten Spritzenwagen stehen heute noch dort, denn das Gebäude in der Oberhofstraße ist seit 50 Jahren Sitz des Heimatmuseums. Wechselnde Sonderausstellungen gibt es dort, außerdem seit 2008 die Möglichkeit, sich in besonderem Rahmen das Ja-Wort zu geben.

In der Hofreite gegenüber hat der Heimatverein ein weiteres Domizil. Dort wird erfahrbar, wie die Menschen vor gut 100 Jahren lebten. Schlafen auf Strohsäcken oder sich kleiden wie die Ur-Ur-Großeltern – die Besucher dürfen das hautnah erleben. »Wir sind ein Museum zum Anfassen«, sagt Zimmer

 

Serum gegen Schweineseuche

Einer der diese Zeit miterlebt hat, ist aus heutiger Sicht wohl der berühmteste Sohn des Dorfes: Gustav Lorenz, geboren am 4. Februar 1846 in Obbornhofen, entwickelte ein Serum gegen die damals gefürchtete Rotlaufsimultanseuche, die häufig Schweine befiel.

Der Tiermediziner, der nach seinem Studium zunächst als Kreisveterinär in Oberhessen tätig war, später als Landesgestüts- und Hofveterinär-Arzt nach Darmstadt berufen wurde und auch Referent der Abteilung für das öffentliche Gesundheitswesen im Ministerium des Inneren war, erhielt dafür bei der Weltausstellung in St. Louis (USA) die Silbermedaille.

In Darmstadt, wo Lorenz 1927 starb, wurde ihm 1932 auf dem Mathildenplatz ein Denkmal gewidmet. In der Südhessen-Metropole ist eine Straße nach ihm benannt, in Obbornhofen erinnert heute der Gustav-Lorenz-Weg an den Wissenschaftler.

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