18. November 2011, 14:23 Uhr

Was brauchen die Älteren zum Leben auf dem Land?

Gießen (pm). Während ihrer Klausurtagung unlängst in der »Hessenmühle« in Kleinlüder bei Fulda unternahm die Kreistagsfraktion der Freien Wähler eine Exkursion nach Bad Salzschlirf, informierte sich dort über regenerative Energieprojekte.
18. November 2011, 14:23 Uhr
Landwirt Daniel Otterbein informierte die Freien Wähler über seine Biogasanlage. (Foto: pm)

Auf dem Programm standen die Besichtigung des Bauernhofes samt Biogasanlage der Familie Otterbein und eine Führung durch das Holzhackschnitzelwerk. Inhaltlich beschäftigte den Partner von SPD und Grünen in der Kreistagskoalition vor allem die Zukunft des ländlichen Raums und deren Ausgestaltung: Was ist zu tun, um die Folgen des demografischen Wandels abzufedern? Antworten erwarte hierzu unter anderem die ältere Generation.

Daniel Otterbein erklärte den Kreis-Gießenern, wie er vor der Wahl gestanden habe, den Bauernhof aufzugeben oder von der Tierhaltung zu einer neuen Nutzung überzugehen. Die Entscheidung: Er baute eine Biogasanlage im Wert von 1,8 Millionen Euro, die noch in diesem Jahr ans Netz gehen soll. Die Anlage ist über eine Gasleitung mit dem eigenen Blockheizkraftwerk verbunden und soll mit verschiedenen Substraten gefüttert werden. »Nur Mais wäre zwar effektiver, jedoch im Hinblick auf eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung auf Dauer ökologisch nicht sinnvoll«, erläuterte Otterbein.

Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Michael Krönung (FW), der den Besuch der Kreispolitiker aus dem Gießener Land in Bad Salzschlirf organisiert hatte, ermöglichte zudem einen Besuch im Sonnenobservatorium. Friedel Michaelis erläuterte die Geschichte des 15-jährigen Observatoriums, das in Eigenleistung der rund 30 Mitglieder eines Vereins errichtet wurde. »Es ist wichtig, sich Projekte und Strukturen in anderen Regionen anzuschauen. Nur so können wir wichtige Erfahrungen für die eigenen Arbeit in unserem Landkreis sammeln«, kommentierte Fraktionsvorsitzender Günther Semmler aus Laubach.

»Projekte wie Seniorenbusse oder aktive
Nachbarschaftshilfe bestimmen die Zukunft«

Daneben hatte man sich in der »Hessenmühle« Kleinlüder vier Tage lang auf die Herausforderungen der nächsten Wochen und Monate vorbereitete. Im Fokus der Freien Wähler bleibt die Zukunft des ländlichen Raums. »Die Schaffung von gleichwertigen Lebensbedingungen in allen Kommunen muss weiterhin unser Ziel bleiben«, unterstrich Kurt Hillgärtner, der Rabenauer Bürgermeister. Ob die ärztliche Versorgung oder die Infrastruktur – in etlichen Städten und Gemeinden werde oder sei dies bereits jetzt keine Selbstverständlichkeit mehr. Für die Bürger im ländlichen Raum, vor allem im Nord- und Ostkreis, müssten neue Strukturen und Formen gefunden werden, um die Standards kreisweit erhalten und absichern zu können. Besonders hinsichtlich des demografischen Wandels – weniger Menschen, wachsender Anteil der Älteren – müssten die dortigen Orte mit Veränderungen rechnen. Zu kümmern habe man sich gerade um die Lebenssituation von Menschen im Alter. Seniorengerechte Wohnformen – betreutes Wohnen, Mehrgenerationshäuser oder Senioren-WGs – sind nach Auffassung der Freien Wähler bereits jetzt verstärkt ins Leben gerufen werden.

Ganz gezielt sei die Aktivität im Alter zu fördern, hieß es in einer Pressemitteilung der Freien Wähler. Es gelte, Lebenserfahrung zu transferieren und ehrenamtliches Potenzial zu nutzen. Hillgärtner: »Projekte wie etwa die Einrichtung von Seniorenbussen oder aktive Nachbarschaftshilfe werden die Zukunft bestimmen.« Da seien sich die FW sicher.

Weitere Themenschwerpunkte der Klausur betrafen Gesundheitsprävention und Verbraucherschutz. »Die Verbraucher müssen in ihrer Position gestärkt werden«, verdeutlichte die Vorsitzende des Sozialausschusses im Kreistag, Claudia Zecher aus Staufenberg. Ziel sei es, das Bewusstsein der Bevölkerung für Lebensmittel, Hygiene und Gesundheit zu stärken und Sicherheit im Umgang mit Lebensmitteln und Hygienestandards zu vermitteln. Vor allem für regionale Produkte und Direktvermarkter wolle man werben. »Grünberg ist bereits Fair-Trade-Stadt. Vielleicht können kreisweit ähnliche Projekte ins Leben gerufen werden«, führte Frank Ide aus, der Bürgermeister der Gallusstadt.

Auch im Veterinärwesen gibt es Themen. Die Zukunft des Schlachthofes sei bisher nur auf der Ebene der Standortfrage geführt worden. Die Bedeutung für die Universitätsstadt Gießen mit dem deutschlandweit angesehenen Veterinärsektor der Justus-Liebig-Universität und für die Schlachtung von Vieh aus der Region ohne lange Transportwege dürfte bei der weiteren Diskussion nicht außer Acht gelassen werden.

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