26. März 2018, 10:00 Uhr

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Was Bettenhausen gegen den demografischen Wandel tut

497 Einwohner, eine engagierte Gemeinschaft und viel Geschichte: Das und vieles mehr ist Bettenhausen. Ein Ortsporträt.
26. März 2018, 10:00 Uhr
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Von Christina Jung
Im Jahr 1635 wird es fast ausgelöscht. Heute zählt es knapp 500 Einwohner: Bettenhausen. (Foto: Henß)

Kein Bäcker, kein Metzger, kein Lebensmittelgeschäft, geschweige denn einen Arzt oder Apotheker. Fehlende Infrastruktur ist ein Problem, mit dem Dörfer Land auf, Land ab zu kämpfen haben. Der Licher Stadtteil Bettenhausen ist keine Ausnahme.

Doch der Ort kann auf andere Weise punkten, und das ist der rührigen Dorfgemeinschaft zu verdanken. Die nämlich hatte vor sieben Jahren der demografischen Entwicklung den Kampf angesagt und die Herausforderung angenommen, das Dorf attraktiver zu machen. Bettenhausen 2020 nennt sich die Initiative, die mittlerweile einiges bewirkt hat.

 

Künstler aus ganz Deutschland

Beispielsweise die »dorfKULTURtage«, die es seit 2013 gibt. Alle zwei Jahre finden sie statt und locken mit gut einwöchigem Programm im Frühsommer nicht nur Bettenhäuser auf das Veranstaltungsareal rund um die Kirche.

Wichtig ist den Machern bis heute, dass Menschen in diesen Tagen miteinander ins Gespräch kommen. »Und dass wir zeigen können, was unser Dorf alles kann«, sagt Petra Stuhlmann, die die Initiative gemeinsam mit dem früheren Ortsvorsteher Martin Thiel angestoßen hatte.

Anknüpfen sollten die »dorfKULTURtage« an die Symposien »Vom Wert der Arbeit«, die Matthes von Oberhessen und seine Lebensgefährtin 2007 und 2009 veranstaltet und damit Künstler aus ganz Deutschland nach Bettenhausen geholt hatten.

Stuhlmann: »Für die Dorfgemeinschaft war das ein Erlebnis. Uns wurde klar: Wir können etwas Besonderes machen.«

 

Spitzname »Elemäus«

Etwas Besonderes ist auch der historische Dorfrundgang, der 2013 im Rahmen der ersten Kulturtage entstand: 26 Tafeln in und um den Licher Stadtteil informieren seitdem umfassend über die Ortshistorie.

Über Gebäude wie das alte Rathaus, die Kirche oder die Schule, aber auch über das einstige Leben in Bettenhausen. So erfährt man beispielsweise »An der Bleiche«, dass die Weberei bis ins 19 Jahrhundert ein blühendes Gewerbe war und der von den Handwerkern benötigte Flachs »An den Ölgärten« angebaut wurde.

Ihnen haben die Bettenhäuser auch ihren Spitznamen »Elemäus« (Ölmäuse) zu verdanken, weiß Martin Thiel, der zur Interessengemeinschaft Dorfgeschichte gehört. Jene kleine Gruppe historisch Interessierter, welche die Kulturtage zum Anlass nahmen, die für Bettenhausen wichtigen historischen Informationen öffentlich zu machen.

 

Oberholz einst Adelssitz

Beispielsweise, dass das 497-Seelen-Dorf einmal Adelssitz war, wovon heute noch das Gelände am Oberholz zeugt. Wo mittlerweile Gottesdienste gefeiert und Veranstaltungen abgehalten werden, sind noch Spuren einer rund 3000 Quadratmeter großen, befestigten Anlage zu sehen.

Thiel sagt, dass sie im 12. bis 14. Jahrhundert bewohnt war. Von den »Herren von Bettenhausen«., wie sie in alten Urkunden genannt werden. Woher sie stammen, ist nicht bekannt.

Als größtes Unglücksdatum in der Geschichte Bettenhausens gilt der 5. April 1635. Mitten im Dreißigjährigen Krieg hatten Soldaten das ganze Dorf in Brand gesteckt. Einzig die Kirche und zwei an die steinerne Kirchhofsmauer angebaute Häuser widerstanden dem Feuer.

Denn zum Löschen fehlten die Dorfbewohner. Viele von ihnen hatten sich während der Kriegswirren in die benachbarten Städte Hungen und Lich geflüchtet, fielen dort allerdings der gerade grassierenden Pest zum Opfer.

 

Zehn Familien bauten Dorf wieder auf

Die übriggebliebenen zehn Familien bauten das Dorf bis zum Jahr 1700 wieder auf. Um wen es sich handelt, ist auf den Bettenhäuser Stämmen nachzulesen.

Im Rahmen des ersten Symposiums der Arbeit wurden diese von einem der Künstler entworfen und vor der Kirche installiert – je ein Stamm für jede Himmelsrichtung und einer in der Mitte. Auch alle späteren Einwohner, Einheimische ebenso wie Zugezogene, wurden hier verewigt.



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