27. November 2018, 21:33 Uhr

Warum des Zöllners schöne Frau ihr Kind ertränkte

27. November 2018, 21:33 Uhr
Präsentieren das sagenhafte Buch (v. l.): Bernd Schwarz, Isolde Stamm, Markus Stiehl, Georg Pimeisl, Dirk Oßwald, Isolde Hanak, Helge Braunroth und Joachim M. Kühn. (F.: tb)

Ja, ja, die »oiden Rittersleut‹«: Von einem der ihren soll hier die Rede sein. Oswald von Engelhausen hieß der, lebte vor 600 Jahren auf gleichnamigen Gut, kein halber Tagesmarsch von Laubach entfernt. Bis 1418, als der Besitz an die Solmser Grafen fiel. Zuvor aber soll Oswald mit der Frau des landgräflichen Zöllners angebandelt haben. Was Folgen zeitigte: Der gehörnte Ehemann erschlug den Ritter, die Frau ertränkte aus Verzweiflung das uneheliche Kind im Tiergärtner-Teich und ging fortan als schemenhafte Weiße Frau um.

Auflage von 1000 Stück

Von Ritter Oswald ist im Büchlein »Sagen um Laubach – neu erzählt von Helge Braunroth« zu lesen. 1995 hatte der inzwischen pensionierte Erzähler die Erstauflage besorgt. Warum? »Ein Schüler hatte mich nach der Sage von der Weißen Frau gefragt.« Diese Gestalten gingen in vielen Gegenden um, wobei andernorts der Name zumeist auf die Weisheit der Frauen, ihre Kenntnisse etwa über die Heilkräfte der Natur zurückgehe.

Um die erwähnte Mär, aber auch andere überlieferte Geschichten rund um die alte Residenzstadt zu bewahren, gab der damalige Lehrer Braunroth das Büchlein heraus. Das aber ist längst vergriffen. Ein Laubacher Gönner, der ungenannt bleiben will, hat nun mit seiner Spende die Neuauflage auf den Weg gebracht. Eine ehrenamtliche Arbeitsgruppe aus Helge Braunroth, Bernd Schwarz, Janina Gerschlauer, Dirk Oßwald und Isolde Stamm setzte das Vorhaben in die Tat um, gewann die städtische Tourismus- und Service-GmbH als Herausgeber.

Das neue Buch in einer Auflage von 1000 Stück wurde ergänzt um Zeichnungen von Helge Braunroth, der mit Janina Gerschlauer auch die historischen Kommentare verfasste, um Fotos von Bernd Schwarz sowie eine Karte der »sagenhaften« Orte, teils mit GPS-Koordinaten versehen.

Wie Dirk Oßwald – er wirkte als Kurator – bei der Buchvorstellung im Café Göbel-Eggebrecht sagte, sei bereits ein Folgeprojekt in Planung: Ein Spazierweg zu den Schauplätzen der Sagen. Insgesamt 19 davon sind auf 50 Seiten versammelt. Darunter jene vom Pfarrer, der ein Mägdelein im »Steines« bei Münster ermordete, am Galgenloch an der Ettingshäuser Straße zwar gehängt wurde und doch des Nachts durchs Feld galoppierte. Oder jene vom »Gesundbörnchen« in Lauter, mit dessen Wasser ein im Liebesduell arg verletzter Jüngling geheilt worden sein soll. Nicht fehlen dürfen die Frösche, die die Freienseener zum Schweigen brachten und so Kaiser Barbarossa zur Nachtruhe verhalfen.

Auch davon wird bei der Lesung am Freitag, 30. November, 19 Uhr, im Café Göbel-Eggebrecht zu hören sein. Der Eintritt ist frei, das Buch kann an dem Abend vor Ort erworben werden – später dann in der Laubacher Bücherstube, im Tourismusbüro und der Sparkasse Laubach-Hungen.

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