26. März 2018, 05:00 Uhr

Altkleidersammlung

Warum das Rote Kreuz die meisten Container hat

Auf dem lukrativen Markt mit alten Kleidern tummeln sich nicht nur gewerbliche Sammler. Auch gemeinnützige Organisationen wie das Rote Kreuz verdienen damit Geld.
26. März 2018, 05:00 Uhr
Sammelcontainer einer privaten Firma in einer Ostkreisgemeinde – ein Schriftzug unterhalb des Einwurfschachtes macht auf den gewerblichen Charakter aufmerksam. (Foto: tb)

Schaut man sich in Laubach um, so ist von der gewerblichen Konkurrenz nichts (mehr) zu sehen. Zumindest nicht in Gestalt der stationären Sammelbehälter aus Stahlblech. Selbst auf den beliebten, weil stark frequentierten Parkplätzen von Märkten und Discountern sind sie nicht auszumachen.

Dabei hat hier, da privat, die Kommune keine Handhabe. Laubachs Bürgermeister Peter Klug erinnert an Beispiele, da sich Grundbesitzer die Pachteinnahme nicht entgehen lassen wollten, und wenn sie auch nur im mittleren zweistelligen Bereich lag.

 

»Platzverweise« in Laubach

Dass in der alten Residenzstadt die gewerblichen Kleidersammler einen schweren Stand haben, mag auch darin seinen Grund haben: In Laubach gibt es einen aktiven und mitgliederstarken DRK-Ortsverein mit entsprechend starkem Rückhalt in der Bürgerschaft.

Vor allem aber verweigert das Rathaus Firmen den Zugang zu städtischen Flächen. Tauchten doch mal Container auf, so Bürgermeister Klug, erhielten die einen »Platzverweis«. Bleibe der ohne Resonanz, würden die überdimensionalen Blechbüchsen mit Einwurfklappe auf den Bauhof verfrachtet und am Ende verschrottet.

»Ich weiß, dass auch das DRK damit Geld macht, vieles in Afrika landet und dort oftmals die Textilindustrie ruiniert, aber das Rote Kreuz ist wenigstens gemeinnützig«, rechtfertigt Klug die bevorzugte Behandlung. Und: »Bei uns gibt es einen Ortsverein, in dem sich viele Ehrenamtliche engagieren, auch eine Kleiderkammer betreiben.«

Bundesweit sammelt das DRK nach eigenen Angaben 90 000 bis 100 000 Tonnen Altkleider, tragbar sei aber nur die Hälfte. Wiederum rund zehn Prozent davon, also 4000 bis 5000 Tonnen, gebe man direkt an bedürftige Menschen weiter.

Der Rest werde an Verwertungsunternehmen verkauft – die das Gros der Sachen exportieren. Verkauft wird ebenso die nicht mehr tragbare andere Hälfte, die geht laut DRK an Recyclingfirmen, die aus den Stoffen etwa Dämmmaterial für die Autoindustrie herstellen.

 

Wieviel kommt da zusammen?

Wie sieht es bei uns aus? Dass hier das Rote Kreuz der »Platzhirsch« ist, belegen die Zahlen: Im Kreis Gießen hat man immerhin 44 Container platziert, hinzu kommen die Annahmestellen.

Was da im Laufe eines Jahres so zusammenkommt, das jedoch sei nicht zu sagen, verlautet aus der Pressestelle des Kreisverbandes Marburg-Gießen. Gerade die Spenden an die Kleiderläden seien nicht quantifizierbar.

Auch zu den Verlusten durch die privaten Konkurrenz könne man keine Angaben machen. Allerdings werde es den Verbänden durch die öffentliche Ausschreibung der Containerstellplätze immer schwerer gemacht, sich an den Sammlungen zu beteiligen. »Wir sind daher vermehrt darauf angewiesen, dass Kleidung direkt in unseren Einrichtungen abgegeben wird.«

Kein Geheimnis und auch von Laubachs Bürgermeister angesprochen: Das Deutsche Rote Kreuz mischt selbst kräftig mit im Millionengeschäft Altkleidersammlung, für 2013 bezifferte es den Gewinn aus dem Verkauf der Überschüsse auf 13,5 Millionen Euro.

 

Erlös für soziale Projekte in der Region

Wie der Kreisverband vorausschickt, bedeuten die Spenden eine wichtige Hilfe für Bedürftige. Die erhielten Altkleidung in akuten Notlagen, aber auch dank der Abgabe der Sachen an andere Sozialverbände, Einrichtungen oder Kliniken.

Mit gut erhaltenen Teilen bestücke man zudem die Kleiderläden, wo sie jedermann günstig erstehen könne. Was nicht mehr verwendbar sei, gebe der Kreisverband an ein zertifiziertes Entsorgungsunternehmen zum Aufbereiten bzw. Verwerten weiter.

Betont aber wird eines: »Alle Erlöse, sowohl aus der Weitergabe der nicht mehr verwendbaren Kleidung an die Entsorgungsunternehmen als auch die Einnahmen der Kleiderläden, investieren wir in soziale Projekte in der Region.« Als Beispiele werden die Suppenküche für Obdachlose in Marburg oder die ehrenamtliche Arbeit im Katastrophenschutz, genannt.

 

Experten nicht einig

Zur Kritik, das DRK schade aufgrund des Exportes eines Großteils der Spenden nach Afrika der ansässigen Textilindustrie, macht die Pressestelle auf Stellungnahmen des Bundesverbandes aufmerksam.

Der verweist auf das Beispiel des größten Verwertungspartners Efiba, der vor fünf Jahren 40 Prozent der an ihn verkauften Ware nach Afrika ausgeführt habe. Ob dadurch aber tatsächlich die ansässige Textilindustrie ruiniert werde, »darüber sind sich auch Experten nicht einig«.

Altkleidermärkte würden gerade von Geringverdienern gut angenommen, da die Waren im Gegensatz zur lokal produzierten Kleidung auch für Arme erschwinglich seien.

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