13. Februar 2019, 13:00 Uhr

Schauspieler

Warum Schauspieler Daniel Komma nun Lehramt studiert

Die Bühne ist Daniel Kommas Leidenschaft. Mit 37 Jahren hat der Schauspieler aus Lich wieder angefangen zu studieren, will Lehrer für Deutsch und Ethik werden – und war anfangs überfordert.
13. Februar 2019, 13:00 Uhr
Stefan_Schaal
Von Stefan Schaal
An der Gesamtschule Hungen unterrichtet Daniel Komma Schüler im Darstellenden Spiel. Seit drei Semestern studiert der Schauspieler aus Lich zusätzlich nun Deutsch und Ethik auf Lehramt. (Foto: srs)

Das Herz rast. Das flaue Gefühl im Magen wird stärker. Schauspieler Daniel Komma lässt seinen Blick durch den Saal schweifen. 500 Menschen haben Platz genommen. Stünde Komma jetzt auf der Bühne, würde sich seine Nervosität bald wieder legen. Doch der Licher leidet in diesem Moment nicht unter Lampenfieber. Er sitzt mitten im Audimax der Justus-Liebig-Universität – und brütet über seiner ersten schriftlichen Prüfung seit knapp 20 Jahren. Mit 37 hat er wieder angefangen, zu studieren.

Komma will Lehrer für Deutsch und Ethik werden. Inzwischen ist er im dritten Semester. Erzählt er von seiner ersten Prüfung im vorigen Jahr im Audimax, gerät er ins Schmunzeln. »Die Themen haben mir gelegen«, sagt er. Abgefragt wurden Lyrik, Rhetorik und die Dramentheorie von Aristoteles. Doch die Multiple-Choice-Fragen überforderten Komma. »Die Antworten haben sich so sehr geähnelt.« Mittlerweile könne er mit derartigen Prüfungen besser umgehen. »Ich habe jetzt einige Kreuze hinter mir.«

In einer Folge von ›Ein Fall für zwei‹ sollte ich mich erschrecken, als eine Leiche aus einem Hotelzimmer flog

Daniel Komma

Der Licher unterrichtet Darstellendes Spiel seit mehreren Jahren an der Gesamtschule Hungen, seit 2012 als fester Angestellter des Landes. Nun allerdings will er sich als Seiteneinsteiger ganz dem Lehrerberuf widmen. »Irgendwann stellt man sich die Frage: Wie soll es weitergehen?« Er habe Lust auf Neues. Er träumt zum Beispiel von einem Theaterprojekt in Mosambik, zweimal hat er einen Schüleraustausch in das ostafrikanische Land schon begleitet. Ein wesentlicher Grund für das Lehramtsstudium ist allerdings auch: Komma kann mit Ende 30 noch einmal sesshaft werden, nachdem er als Schauspieler bisweilen das Leben eines Wandervogels geführt hat. »Natürlich spielt Sicherheit eine Rolle«, räumt er ein. Findet er nach dem Studium eine Planstelle, winkt ihm der Beamtenstatus. Der eklatante Lehrermangel macht es möglich. Deutschlandweit ist fast jeder zehnte neu eingestellte Lehrer im öffentlichen Schuldienst mittlerweile ein Seiteneinsteiger. Auch im Kreis sucht das Schulamt händeringend nach Pädagogen.

Komma sitzt in der Aula der Hungener Gesamtschule und erzählt aus seinem Leben als Lehramtsstudent. Er ist ein renommierter Schauspieler in der Region. Zudem leitet er Kinder und Jugendliche im Theaterspielen an, inszeniert Stücke mit Schülern. 2005 hat er das »Theater Traumstern« ins Leben gerufen. Eine Aussage Kommas überrascht: »Ich würde keinem meiner Schüler empfehlen, eine Schauspielausbildung zu machen.«

 

Am Anfang hatte Komma Bammel vor der Uni

Der Licher hat am eigenen Leib erfahren, wie es ist, sich als Schauspieler durch Krisen zu quälen, wenn die Engagements ausbleiben. Seine Ausbildung machte er an der Berliner Schule für Schauspiel. »Man fährt dann durch das ganze Land, spielt an allen möglichen Theatern vor. Aber die großen Rollen bleiben erstmal aus.« Schauspielerei sei das schönste Hobby. »Aber man muss ja nicht jedes Hobby zum Beruf machen.«

Seine Leidenschaft ist die Bühne. Doch auch vor der Kamera hat sich Komma schon probiert. In einer Folge der Serie »Ein Fall für zwei« spielte er vor drei Jahren einen Taxifahrer. In seiner einzigen Szene raucht er vor einem Taxi eine Zigarette und erschrickt, als hinter ihm plötzlich eine Leiche aus einem Hotelfenster fliegt. »Dafür hätten sie keinen Schauspieler gebraucht.«

Donnerstagnachmittag, Komma unterrichtet Darstellendes Spiel an der Hungener Gesamtschule. Er und fünf Abiturienten spielen die Übung »Die magische Hand«. Sie halten fünf Finger vor das Gesicht des Gegenübers, der dann wie hypnotisiert jeder Bewegung folgt. Als gelernter Schauspieler strahle Komma Leidenschaft für sein Fach aus, sagt Dana Lechens, eine der Abiturientinnen. Müsse sie zum Beispiel eine wütende Figur darstellen und sie wisse nicht wie, »dann stellt er sich auf die Bühne und schreit herum. Danach fällt es mir leichter.« Passion und Feuer für das eigene Fach würde sich so mancher Schüler zweifellos auch vom Mathe- und Erkundelehrer wünschen.

Vor der Uni habe er aufgrund seines höheren Alters Bammel gehabt, gesteht Komma. In Seminaren treffe er auch auf ehemalige Schüler, die vor ein, zwei Jahren bei ihm noch ihre Abiturprüfung in Darstellendem Spiel abgelegt haben. »Sie unterstützen mich und geben mir Unterlagen zu Klausuren, die sie bereits geschrieben haben.« So unterstützen ihn frühere Schüler plötzlich als Mentoren. Komma lacht. »Es ist immer gut, wenn man sich als Lehrer keine Feinde macht.«

An der Schule kann Komma vor allem eine Eigenschaft bieten, die viele seiner Kollegen nicht vorweisen können: Lebenserfahrung. Er hat große Theaterabende im Rampenlicht erlebt, hatte allerdings auch mit Niederlagen, langen Durststrecken und Zukunftsängsten zu kämpfen. »Ich habe gelernt, dass man sich nicht unterkriegen lassen darf«, sagt Komma. »Das gebe ich auch meinen Schülern auf den Weg.«



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