27. Februar 2018, 11:05 Uhr

Schweine

Warum Bellersheim die Heimat der Bio-Schweine ist

Wenn ein Schwein eine echte Bio-Sau ist, dann hat sie etwas mit Bellersheim zu tun. Denn hier züchtet Andreas Kopf Bio-Zuchtsauen – als einziger Betrieb in Deutschland.
27. Februar 2018, 11:05 Uhr
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Von Patrick Dehnhardt
40 Tage dürfen die Bio-Ferkel bei der Muttersau verbringen – zwölf Tage mehr als in konventioneller Haltung.

Zuerst schrecken die kleinen Ferkelchen kurz zurück, als sich die Stalltür öffnet. Wer kommt da denn hinein? Doch nur einen Augenblick später umringen sie Landwirt Andreas Kopf, zupfen neugierig am Arbeitsanzug, schnuppern an seinen Stiefeln. Sie sind eben sau-neugierig. Und viele von ihnen erwartet ein schönes Schweineleben, in freundlichen Ställen und teilweise sogar mit sehr viel Nachwuchs.

Denn Andreas Kopf ist kein klassischer Schweinezüchter. Er zieht Bio-Zuchtsauen auf. In Bellersheim steht der deutschlandweit einzige Betrieb dieser Art. 300 Zuchtsauen sorgen hier für Nachwuchs für die biologische Schweinemast.

 

Mehr Platz für Muttersauen

Andreas Kopf kennt sich mit der Schweinezucht gut aus. Vor den Toren Bellersheims stehen seine beiden Ställe. Früher hat er hier 700 Zuchtsauen auf konventionelle Weise gehalten. Doch der Schweinemarkt ist schon seit vielen Jahren nicht mehr lukrativ. Eines Tages sprach ihn ein Vertreter eines Schlachtunternehmens an, ob er nicht auf Bio umsteigen wolle. Dafür bot man ihm einen Festpreis für die Schweine über fünf Jahre an. Zudem fördere die EU den Umbau. Der studierte Landwirt sagte nach reichlicher Überlegung zu. Den Schritt hat er nicht bereut.

Andreas Kopf züchtet Bio-Sauen.

Zwar war es zunächst eine Menge Arbeit, die Stallungen umzubauen. Denn jedes Tier muss einen Auslauf nach draußen haben – so etwas gibt es bei konventioneller Haltung nicht. Auch brauchen die Schweine nun dreimal so viel Platz. In den Abferkelställen – dort wo die Tiere geboren werden – mussten die Gitter raus, die die Muttersauen fixieren. Diese kommen bei der normalen Haltung zum Einsatz, da man Angst hat, dass die Sauen sonst die Ferkel erdrücken. Außerdem wurden die Gitterböden zugeschüttet. Denn Bio-Schweine leben auf Stroh.

 

Schweine bauen Nester für Ferkel

 

Auch für die Schweine war es zunächst eine Umstellung. Doch als Kopf die ersten Tiere aus der regulären Haltung in die Bio-Stallung führte, konnte er zunächst nicht glauben, was er sah: »Da haben Sauen, die bereits sieben oder acht Würfe in konventioneller Haltung hinter sich hatten, auf einmal begonnen, aus Stroh für ihre Ferkel Nester zu bauen. Da fragst du dich, woher die das überhaupt können.« Im Schnitt kommen 13 Ferkel pro Wurf zu Welt. Sie bleiben 40 Tage bei der Mutter.

Jeden Tag kamen er und sein Team mehr ins Staunen. Früher herrschte stets helle Aufregung und Gequieke, wenn jemand den Stall betrat. Heute heben die älteren Schweine höchstens mal kurz den Kopf – wenn überhaupt. Dösen im Stroh ist doch viel angenehmer.

 

Auch Futter muss bio sein

Ihr Futter muss den Bioland-Richtlinien entsprechen. Es dürfen also etwa keine Pflanzenschutzmittel und chemisch-synthetischen Stickstoffdünger bei der Herstellung verwendet werden. Kopf zieht Weizen, Gerste, Mais und Kleegras selbst auf den Feldern rund um Bellersheim. Diese geben übrigens auch die Zahl der Schweine vor: Denn pro Hektar Ackerland darf er nur eine bestimmte Zahl Tiere halten. Da die Stallungen aber noch Kapazitäten haben, sucht er nun nach Flächen, um sich zu vergrößern.

Auf die Felder können auch die Zuchtsauen blicken, wenn sie ihren Auslauf hinaus gehen. Selbst die kalten Temperaturen halten sie von den Ausflügen nicht ab. Bei der Zucht schaut Kopf genau, wie die Tiere sich verhalten. Sauen, die besonders sorgfältig mit ihren Ferkeln umgehen und auch mal überzählige Ferkel einer anderen Sau annehmen, sind für die Biohaltung ideal. Die Rasse selbst trägt den Namen BHZP.

 

Vorbild für konventionelle Haltung

Von dieser Zucht dürfte irgendwann auch die konventionelle Schweinemast profitieren. Denn in Dänemark und Österreich ist ab 2030 das Fixieren der Muttersauen verboten, langfristig dürften weitere EU-Länder folgen. Darum sind Forscher der Universität Hannover regelmäßig in Bellersheim zu Gast, um dafür nutzbare Erkenntnisse zu gewinnen. Aber erobert auch schon so vor 2030 Biofleisch einen größeren Marktanteil. Die Sauen wurden sich freuen.



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