08. Januar 2019, 21:47 Uhr

Wann tut sich was?

08. Januar 2019, 21:47 Uhr
Als Schule für die Atzbacher Kinder wird das mehr als 260 Jahre alte Amtshaus seit 2010 nicht mehr genutzt. Was aber wird aus dem historischen Gebäude? (Foto: sel)

Die 55 großen Fenster der ehemaligen Grundschule in Atzbach sind seit zwei Jahren mit Spanplatten vernagelt – zum Schutz gegen Vandalismus. Drei der vier Türen, jene auf der Nord-, Süd- und Ostseite gleichfalls. Und auch die 20 kleinen Dachgaubenfensterchen. Von den Kellerfenstern drei. Das Areal ist mit hohem Metalldrahtzaun gesichert – und videoüberwacht. Das einstige Storchennest auf dem Dachreiter ist verwaist, wie seit mehr als 50 Jahren schon.

Mehr als 250 Jahre herrschte Leben in dem großen Haus, das in privaten Besitz übergegangen ist. Einst war in eben diesem ebenso historischen wie stattlichen Haus, das 1756 als Amts- und Renteigebäude erbaut wurde, die Schule untergebracht. Wie der Gedenktafel neben dem Haupteingang zu entnehmen ist, wechselte das Gebäude 1885 nach dem Ende der Amtsbürgermeisterei dessen Zweckbestimmung.

Weiter nur ein Schulstandort

Diese Ära endete 2010. Was dann folgte, waren jahrelange Streitigkeiten auf schulpolitischer – beim Lahn-Dill-Kreis als Schulträger – wie kommunalpolitischer Ebene in Lahnau in Form eines Parteiengezänks bis hin vors Verwaltungsgericht, bei dem letztlich die Befürworter der Lösung, die Grundschule Atzbach weiterhin im Amthof zu belassen und weiterzuführen, keine Mehrheit fanden. Da nutzte auch der engagierte Einsatz einer Bürgerinitiative, die sich vehement für den Erhalt der Grundschule in einem Lahnauer Ortsteil mit immerhin deutlich über 3000 Einwohnern ins Zeug legte, nichts.

2010 wurden bauliche Mängel am alten Amtshaus festgestellt und dieses aus Sicherheitsgründen geschlossen. Folge: Die Atzbacher Grundschüler zogen binnen weniger Tage übergangsweise in das leerstehende Gebäude der alten Krofdorfer Grundschule ein. Zum Schuljahresbeginn dann der Wechsel an den Grundschulstandort in Waldgirmes. Seither gibt es für die Kinder aller drei Lahnauer Ortsteile nur noch jene eine Grundschule.

Da der Lahn-Dill-Kreis sein Ziel erreicht hatte, den Amthof als Grundschule aufzugeben, hätte die Gemeinde Lahnau das Gebäude als »Geschenk zum Nulltarif« bis Ende November 2015 zurücknehmen können. Aus Angst vor möglichen Folgekosten verzichtete jedoch eine Mehrheit in der Gemeindevertretung auf den an sich logisch erscheinenden Schritt der Rücknahme. Sie hätte dann, wenn gewollt, das Gebäude problemlos weiterverkaufen können. Genau das hat dann der Lahn-Dill-Kreis getan – und den Erlös in die Kreiskasse fließen lassen. Warum die Gemeinde das Geschenkangebot des Kreises nicht angenommen hat, ist und bleibt für viele Lahnauer bis heute geheimnisvoll und unverstanden.

Im September 2016 verkaufte der Lahn-Dill-Kreis per Kreistagsbeschluss das Gebäude und fast 2400 Quadratmeter Areal für knapp 193 000 Euro an eine Bietergemeinschaft aus Dillenburg. Diese, so hieß es seinerzeit, wolle sich 2017 Zeit für Planung einer Folgenutzung nehmen und 2018 mit Baumaßnahmen beginnen. Das allerdings verzögerte und verzögert sich wegen anderer noch nicht abgeschlossener Projekte, die in der Prioritätenliste des neuen Eigentümers weiter oben stehen.

Im Frühjahr 2017 gerät das ungenutzte historische und denkmalgeschützte Gebäude ins Visier von Vandalen. Daraufhin verschließen die neuen Besitzer die Fenster ihres Immobilieneigentums mit Spanplatten, zäunen es ein und überwachen es per Video. Und das ist auch Anfang 2019 Stand der Dinge. Vorerst alles beim Alten also – nur Optik und Bausubstanz verschlechtern sich – im Herzen Atzbachs an wahrlich ortsbildprägender Stelle...

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