19. Februar 2019, 21:41 Uhr

»Wagnis und Weitsicht der Gründer«

19. Februar 2019, 21:41 Uhr

Nach Jahren des Ärgers über vergleichsweise geringe Erlöse verließ Laubach den Pfad der Gesetzestreue: Zum 1. Januar 1999 übertrug die Stadt den Nießbrauch an ihrem Wald an eine Stiftung. Ein Verstoß gegen geltendes Recht, galt doch damals für kommunale Forstbetriebe dieser Größenordnung die »staatliche Zwangsbeförsterung«. Das Jahr darauf änderte Hessen das Gesetz. Mag sein, der »anarchische Akt« der Oberhessen hat eine Rolle gespielt.

Wie dem auch sei: Die Stadtwaldstiftung Laubach hat sich bewährt, die Fläche von rund 2000 Hektar, davon knapp 1900 bestockt, wirft alljährlich sechsstellige Überschüsse ab. »Ein Erfolgsmodell«, sagt Bürgermeister Peter Klug und würdigt nicht nur die mutige und ökonomisch weitsichtige Entscheidung der »Gründer«. Vielmehr auch das gewählte Konstrukt, mit dem privaten Dienstleister »KB-Forst« und seiner »Nähe zum Markt« und einem Kuratorium aus anerkannten Forst- und Naturschutzexperten.

Also feiert das »Erfolgsmodell« heuer 20-Jähriges, mehrere Veranstaltungen sind geplant. Los geht es am 1. Juni mit einem »Waldtag«. Vor Ort können Interessierte verfolgen, wie ein sogenannter »Harvester« Bäume fällt, auf Länge kappt und auch noch gleich entastet. Vorführungen zum sicheren Umgang mit Motorsägen oder zum Einsatz von Drohnen im Forst sind im Weiteren geplant. Motto des Ganzen: »Waldbewirtschaftung live«. Informationen zur Rettungskette, Führungen im »Ruheforst« und anderes mehr stehen auf dem Programm, das auch für Kinder Kurzweil bieten soll. Dr. Markus Dietz – der Biologe hat unter anderem in Laubach Stadtwald ökologisch wertvolle Flächen sowie deren Biotopwert ermittelt – wird schließlich einen Vortrag über Still- legungsflächen halten. Und jeder Besucher darf sich eine Weißtanne mit nach Hause nehmen– als Setzling, versteht sich.

Symposium mit Forstexperten

Wie Klug und seine Vorstandskollegen Isolde Hanak und Josef Neuhäuser vor der Presse anmerkten, wurde der Termin bewusst gewählt: Der Waldtag ist eingebettet ins Treffen der Partnerstädte an Himmelfahrt.

Am 18. September folgt ein mit Forstexperten besetztes Symposium. Thema: »20 Jahre Stadtwaldstiftung – Vorbild und Potenzial für kommunale Waldwirtschaft«. Neben der Bilanz stehen Fachvorträge auf der Tagesordnung, etwa zum Spannungsfeld von Jagd und Ökonomie des Waldes. Oder eine Diskussion übers Themenfeld »Naturschutz/Ökopunkte«.

Um vorab den Erfolg des Laubacher Modells mit einigen wenigen nüchternen Zahlen zu belegen: In den 20 Jahren, so die Auskunft des Dienstleisters KB Forst, lag der jährliche Überschuss aus der Waldbewirtschaftung bei rund 170 000 Euro. Ein Durchschnittswert, sorgen doch Kalamitäten wie Windwürfe oder Käferbefall für größere »Ausschläge«. Außen vor bleiben hier weitere Erlöse, etwa aus dem Verkauf von Ökopunkten.

Die Schwankungen auf der Einnahmenseite bilden sich naturgemäß bei der Ausschüttung für gemeinnützige Stiftungszwecke ab: Von 2001 – erst damals begann die Verteilung der Gelder – bis 2017/2018 wurden insgesamt 2,74 Millionen Euro überwiesen. Eine stolze Zahl. Zu den Hauptbegünstigsten zählten das Diakoniezentrum als Träger der Kindergärten sowie soziale Einrichtungen und Kirchen (auch Dorfschmiede), die zusammen 1,27 Mio. Euro überwiesen bekamen. Klar, dass auch die Stadt selbst, etwa für die Unterhaltung der Spielplätze oder Schwimmbäder, einen dicken Batzen erhielt. Oder die Vereine, die sich über insgesamt rund 200 000 Euro freuen durften. 183 000 Euro kamen der Heimat- und Kulturpflege zugute 125 000 Euro flossen allein in die Umgestaltung des Fridericianum, das jüngst vom Land als Vorbild für die Museumsarbeit in ganz Hessen ausgezeichnet wurde.

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