30. April 2018, 13:00 Uhr

Baustelle

Vorbereitungen für Brückenabriss laufen auf Hochtouren

Auf der Autobahn 485 bei Linden werden bis 2019 zwei Brücken neu gebaut. Im Mai beginnt der Abriss. Während das Bauwerk über die Landesstraße bei Großen-Linden an einem Wochenende verschwinden wird, wird es bei der Bahnbrücke mehrere Wochen dauern. Ein Besuch auf der Baustelle.
30. April 2018, 13:00 Uhr

Staub wirbelt auf, wenn die großen Laster vorbeidonnern. Nur wenige Meter entfernt steht ein Bauarbeiter mit einer Schippe, gibt seinem Kollegen auf dem Bagger Anweisungen. Mit Handzeichen – der Lärm der Maschine und der Autobahn übertönt jedes Wort.

Bereits seit einigen Wochen ist die Autobahn 485 zwischen dem Dreieck Bergwerkswald und dem Gießener Südkreuz bei Linden eine Baustelle. Doch bis jetzt ist alles nur Vorspiel, laufen lediglich die Vorbereitungen für den Abriss und Neubau mehrerer Brücken. Rund 28,8 Millionen Euro werden sie kosten. Bis 2019 soll das Projekt dauern.

Streng genommen handelt es sich um vier Bauwerke: Die Fahrbahnen der Autobahn nach Norden und Süden verlaufen auf jeweils zwei direkt nebeneinander stehenden Brücken über die Landesstraße und die Bahnlinie. Zuerst werden die Brücken in Fahrtrichtung Süden (Langgöns) ausgetauscht. In dieser Zeit muss der Verkehr komplett auf die Fahrbahn Richtung Norden (Lollar) verlegt werden.

Das ist leichter gesagt als getan: Der Gießener Ring war an dieser Stelle bisher für vier Fahrstreifen auf einer Fahrbahn zu schmal, erklärt Karl-Wilhelm Nusch, der für die Baustelle zuständige Teamleiter. Ein Problem wird dort deutlich, wo gerade die Bauarbeiter am Standstreifen baggern. Die Fahrbahn hier war teils nur 30 Zentimeter tief. »Wir brauchen hier aber 60 bis 70 Zentimeter Unterbau.« Bevor hier ein Lkw drüberrollen kann, muss der Standstreifen verstärkt werden.

Ein paar Hundert Meter weiter sind Arbeiter mit der Fräse an der alten Brücke über die Bahnstrecke zu Gange. Läuft hier schon der Abriss? Nein, erklärt Nusch. Die alte Brücke wäre für vier Fahrspuren eigentlich breit genug. Nur lappt die Brückenkappe – das, was man bei anderen Brücken auch als Gehweg neben der Straße nutzt – weit auf die Fahrbahn über. Sie wird darum abgeschliffen. Für die Statik hat das keine Folgen. »Das ist nur ein Schutz für die eigentliche Brücke«, sagt Nusch.

 

Landesstraße am 27. Mai gesperrt

 

Relativ unkompliziert ist der Abriss der Brücke über die Landesstraße zwischen Großen-Linden und Klein-Linden. Wo derzeit sich noch Auto an Auto reiht, heißt es Ende Mai Vollsperrung für ein Wochenende. Am Samstagabend werden dann die Bagger die Brücke erobern und abbrechen. Bereits am Montagmorgen soll der Verkehr aber wieder ungestört laufen.

Wesentlich spektakulärer wird der Abriss der zweiten Brücke werden. Diese führt mit einer Spannweite von 48 Metern über die Bahnstrecke Gießen–Frankfurt. Steht man unter der Brücke, begreift man das Problem schnell: Alle drei Minuten rauscht ein Zug vorbei. Mal ist es ein Güterzug mit Neuwagen, mal eine Regionalbahn. Und das wird auch während des Abrisses so bleiben. Den Schienenverkehr für ein Wochenende für den Abriss unterbrechen – so etwas ist bei der Bahn nicht vorgesehen. Nur zwischen 1 und 5 Uhr morgens soll es eine Ruhepause geben. »Da die Bahn aber die Strecken vermietet, kann in der Zeit trotzdem ein Zug kommen«, sagt Nusch. »Das sagt einem aber vorher keiner.«

Die Brücke mit Kränen am Stück wegheben? Dafür ist sie zu schwer. Stattdessen kommt ein gewaltiger Trennschleifer zum Einsatz: Mit seinem Sägeblatt – Durchmesser rund zwei Meter – wird er die Brücke der Länge nach in rund 50 Zentimeter breite Schnitte teilen. Tagsüber wird sie bereits angesägt, nachts dann die letzte Schicht Beton durchtrennt. Danach sollen zwei riesige Kräne den Brückenstreifen herausheben. Rund drei Wochen wird der Abriss dauern.

Nun beginnt die Uhr erst richtig zu ticken. Bis August müssen die neuen Widerlager gebaut sein. Da die neue Brücke nur 22 Meter Spannweite haben wird, rücken sie näher an die Bahngleise heran. Auch hier heißt es: Bauen während laufenden Zugbetriebs. Bauzäune sollen die Arbeiter schützen. Im August hat die Baufirma 14 Tage Zeit, die neue Brücke über der Bahnstrecke einzubauen.

2019 wiederholt sich das Ganze mit der Brücke in Fahrtrichtung Marburg. Auch hier muss alles exakt passen. Den Bau um ein Jahr verschieben – das geht nicht: 2020 wird es keine Baufenster auf der Bahnstrecke zwischen Gießen und Frankfurt geben. Denn dann sind auf der Fuldaer Strecke umfangreiche Baumaßnahmen geplant, werden die Züge über Gießen umgeleitet.

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