19. Januar 2017, 18:59 Uhr

Von Rom bis Ober-Bessingen

Grünberg (dis). Mit großer Leidenschaft illustrierten Künstler sowohl den Himmel, als auch die Hölle, berichtete der Grünberger Pfarrer Hartmut Miethe am Sonntag im Barfüßerkloster. Vor allem durch die Furcht der Menschen vor dem jüngsten Gericht breche sich die Fantasie Bahn. Die Frage nach Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, werde auch im Reformationsjahr wieder deutlich angesprochen. Den Vortrag über »Himmel und Hölle in der christlichen Kunst« hielt Miethe im Rahmen des Jahresprogrammes des Barfüßer Förderkreis Kultur.
19. Januar 2017, 18:59 Uhr
Pfarrer Hartmut Miethe berichtet über christliche Kunst von Michelangelos Malereien in der Sixtinischen Kapelle bis zu einfacher Kunst in der Ober-Bessinger Kirche. (Fotos: dis)

Grünberg (dis). Mit großer Leidenschaft illustrierten Künstler sowohl den Himmel, als auch die Hölle, berichtete der Grünberger Pfarrer Hartmut Miethe am Sonntag im Barfüßerkloster. Vor allem durch die Furcht der Menschen vor dem jüngsten Gericht breche sich die Fantasie Bahn. Die Frage nach Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, werde auch im Reformationsjahr wieder deutlich angesprochen. Den Vortrag über »Himmel und Hölle in der christlichen Kunst« hielt Miethe im Rahmen des Jahresprogrammes des Barfüßer Förderkreis Kultur.

In der traditionellen christlichen Kunst sind Himmel und Hölle an biblische Texte gebunden. Dies macht auch das Weltgericht im Matthäusevangelium mit seiner plastischen Sprache deutlich. Biblische Texte fänden so ihren Niederschlag in Darstellungen in Holz, Elfenbein, Gold- und Silberblech, sowie in Mosaiken, Wandmalereien und Textilien.

Das Jüngste Gericht

Wenn man genau auf den Text des Matthäusevangeliums achte, so zeichne er ein Bild mit dem Richter in der Mitte und zu seiner linken die Verdammten und zur rechten Seite die Gerechten. Der Gedanke, dass die Bindung an Gott mit der Fürsorge für die Schwachen gekoppelt ist, sei jüdisch-christliches Glaubensgut. Allerdings kenne das Judentum nicht den Gedanken einer so symmetrisch aufgebauten Gerichtsszene.

Schon im alten Ägypten sei in Grabmalereien die Frage nach einem Leben nach dem Tod als Seelenreise festgehalten worden. Ob das Gedankengut von hebräischen Fremdarbeitern von Ägypten als Idee ins gelobte Land mitgenommen wurde, sei nicht bekannt. Der Lebenswandel eines Menschen solle entscheiden, welchen Weg die göttliche Instanz ihm nach seinem Tod zuweise.

Heute seien Himmel und Hölle ein Begriffspaar, das zwar vertraut, aber für viele nicht mehr von Bedeutung sei. »Der Himmel auf Erden« stelle ein beliebtes Bild dar, wenn man sich wohlig eingebettet in seinem Leben fühle. »Wenn etwas die Hölle ist«, dann zeige dieses Bild, dass einiges durchgestanden werden müsse. Selbst Shakespeare habe die Furcht vor der Hölle als Vergleich benutzt. Die Grausamkeiten der Hölle seien nichts gegen die Rache einer verschmähten Frau, schreibe der Dramatiker. So seien Himmel und Hölle in der Vorstellungswelt zu Bildern für Geborgenheit und für Schmerz geworden. Als Hölle könne heutzutage das Leid, der Krieg und die Ungerechtigkeit, die sich Menschen gegenseitig zufügen, gewertet werden, meint der Grünberger Pfarrer.

Das Motiv des Jüngsten Gerichtes trete in der christlichen Kunst in ungezählten Varianten auf – sei es in der hohen Kunst eines Michelangelos oder in der eher einfachen schlichten Wandmalerei von Ober-Bessingen wie in anderen Kirchen. In der gotischen Kirche von Ober-Bessingen illustriere eine groß angelegte Malerei das Thema des Jüngsten Gerichtes. Eine Szene zeige, wie der arme Lazarus vor einer Tür liege, während drinnen fröhlich gefeiert werde – ohne dabei das böse Ende zu bedenken. Dem Besucher werde die Moral vor Augen geführt, dass keinem Menschen das Gericht für sein Leben erspart bleibe und alle sich vor dem Richterstuhl offenbaren müssten, wie es das Neue Testament ausdrücke.

Mit und nach der Reformation habe sich der Blick der Künstler für die Gnade Gottes ohne Gegenleistung geöffnet. Die Geschichte vom verlorenen Sohn sei wieder in den Vordergrund gerückt: Gott warte und freue sich über die Umkehr des Sünders. Die christliche Kunst der Neuzeit sei daher eine Kunst der Gnade und nicht ausschließlich der Entscheidung.

Die christliche Kunst habe daher schon vor einiger Zeit davon Abstand genommen, Himmel und Hölle zu malen. Was am Ende bleibe, seien das Rot für die Hölle und das Blau für den Himmel oder monochrome Bilder. Diese entsprechen beinahe dem Gebot: »Du sollst dir kein Bildnis, noch irgendein Gleichnis machen«.

Der nächste Vortrag des Pfarrers zum Thema »Verfolgte Künstler im NS-Staat« findet am 20. Juli um 20 Uhr im Barfüßerkloster statt. Der Eintritt ist frei.

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