27. Juni 2019, 21:46 Uhr

Von Mediensucht bis Alkoholismus

27. Juni 2019, 21:46 Uhr
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Von Marion Müller
Bei der Station »Suchtsack« lernen die Sechstklässler bei Oliver Huttel, welche Stoffe süchtig machen können. (Foto: mmf)

Die erste Gruppe geht in das Klassenzimmer. Hier wartet schon Oliver Huttel von der Jugendförderung auf die Sechstklässler. Er hat einen Stuhlkreis vorbereitet. Die Schüler setzen sich und schauen gespannt zu Huttel. Er hat einen großen Jutebeutel dabei, darauf steht »Suchtsack«.

Huttels Station ist eine von fünf - und Teil des Mitmachparcours zur Suchtprävention. Dieser spezielle Parcours ist ein landkreisspezifisches Angebot des Suchthilfezentrums und der Jugendförderung des Landkreises. Dieses Angebot richtet sich an Schulen. Es existiert bereits seit etwa zehn Jahren. Dieser Tage konnten die Sechstklässler der IGS Busecker Tal an den verschiedenen Stationen lernen. Es waren Fragestellungen wie: Was ist Sucht, wie erkennt man eine Sucht, und wohin kann man sich wenden?

Schnell rennt ein junges Mädchen vor zu Huttel. Sie möchte unbedingt etwas aus dem »Suchtsack« ziehen. Die Klassenkameraden ärgern sich, dass sie zu langsam waren. Die Schülerin zieht eine Red-Bull-Dose aus dem Jutebeutel und stellt sie zu den anderen Gegenständen in die Mitte des Stuhlkreises. Dort liegen bereits eine Dose mit Cappuccinopulver, eine Packung M&M’s, ein Computerspiel sowie Zigaretten.

Huttel spricht mit den Schülern über die Suchtstoffe, die sie aus dem Beutel gezogen haben. Was ist drinnen?, fragt Huttel. Gleich schnellen die Hände nach oben: »Koffein und Zucker«. Die Schüler hören interessiert zu, wenn Huttel erklärt, wann eine Sucht beginnt. »Wenn ihr nichts mehr mit euren Freunden macht, weil ihr das ›Suchtmittel‹ braucht, dann ist das eine Sucht«. Aber nicht nur die Sucht nach Koffein oder Zucker wird thematisiert, auch Essstörungen wie Magersucht, Bulimie oder Fettsucht, Rauchen, Alkohol- oder Mediensucht spricht Huttel an. Bei allen Themen bringen die Schüler sich ein, erzählen von eigenen Erfahrungen und denen ihres Umfelds.

Nun geht es zur nächsten Station: ein Alkoholquiz. Hier wird die Wirkung und Gefahr von Alkoholkonsum thematisiert. »Ziel der Übungen ist es, die Jugendlichen für das Thema Sucht zu sensibilisieren«, sagt Koordinatorin Nora Schmidt. Ein Zahlenzuordnungsspiel zeigt beispielsweise, wie viele Menschen von einer Sucht betroffen sind.

Positive Resonanz

»Die Schulen nutzen den Mitmachparcours als ›Opener‹ für weitere Themen«, sagt Thomas Graf vom Team Jugendförderung des Landkreises Gießen. So könnten sie das Thema Sucht weiter vertiefen. In den höheren Jahrgangsstufen gebe es weitere Angebote von der Fachstelle Suchtprävention. »Der Prozess beginnt mit diesem Tag«, sagt Graf. Koordinatorin Schmidt lobt die Schulen: »Die Sozialarbeit an den Schulen unterstützt uns. Viele Menschen ziehen an einem Strang.« Auch IGS-Schulleiter Matthias Brotkorb unterstütze das Konzept.

Durch die verschiedenen Stationen führen Moderatoren wie Huttel. Alle sind pädagogische Fachkräfte, etwa Sozialarbeiter, von der Jugendpflege oder vom Suchthilfezentrum. »Wir möchten die Stationen mit Fachkräften besetzen, die in der Kommune oder der Region Funktionen haben, damit die Schüler sie kennenlernen«, erklärt Graf. So beteiligten sich in Buseck beispielsweise Matthias Marx (Fachstelle Suchtprävention), Stefanie Abendroth (Jugendpflege Reiskirchen), Andreas Geck (Jugendpflege Buseck), Anette Römer (Sozialarbeit an Schulen) und Brigitte Wagner (unterrichtsbegleitende Unterstützung).

In diesem Jahr nehmen vier bis fünf Schulen an dem Parcours teil. »Es hängt viel vom Engagement der Schulen ab«, sagt Graf. Bei Interesse am Thema kommen die Schulen auf den Landkreis zu. So sei die Friedrich-Magnus-Gesamtschule in Laubach neu dazugekommen. Auch die Gesamtschule Gleiberger Land und die Clemens-Brentano-Europaschule wollen noch einen Mitmachparcours ausrichten.

Nach fast 1,5 Stunden sind alle Sechstklässler mit den Stationen fertig. Die Resonanz ist positiv. Besonders die Station mit Huttel habe ihnen Spaß gemacht und sei interessant gewesen, sagen etwa Emely und Lilly. »Es war interessant zu erfahren, was eine Sucht ist«, sagt Sofia. »Ich fand es toll, dass die Moderatoren so offen mit uns gesprochen haben«, lobt Britney.

Beim »Kommunalkonzept Suchtprävention« zahlt jede teilnehmende Kommune einen Beitrag an den Landkreis und kann so Suchtpräventionsveranstaltungen anbieten. Der Mitmachparcour ist unabhängig davon.

Interessierte melden sich bei der Jugendförderung des Landkreises bei Thomas Graf unter Telefon 06 41/93 90 93 91 oder per E-Mail an thomas.graf@lkgi.de.

Infos zum Suchthilfezentrum online unter www.shzgiessen.de, Telefon 06 41/78 02 7 Mo, Mi, Do, Fr. 9 bis 17 Uhr und Di. 9 bis 19 Uhr oder per E-Mail an info@shz-giessen.de.



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