09. Februar 2017, 18:00 Uhr

Spendensammlung

Von Krofdorf nach Kolumbien

Die 16-jährige Lara Gruber ist seit Juli als Austauschschülerin in Kolumbien. Doch das Mädchen aus Krofdorf-Gleiberg hat weit mehr als nur Schule und Party im Sinn. Sie hat eine bemerkenswerte Hilfsaktion initiiert.
09. Februar 2017, 18:00 Uhr
Lara Gruber aus Krofdorf-Gleiberg (r.) zu Besuch in der Fundación Chanita in Kolumbien. Dort hat es eine ganze Familie geschafft, Unterkunft zu finden. An Krebs erkrankte Kinder werden betreut und haben so eine Chance auf Heilung. (Fotos: bf)

Es ist eine besondere Geschichte, eine Geschichte voller Hoffnung, die von Mut, Weltoffenheit und einem großen Herzen zeugt: Lara Gruber wohnt auf dem Gleiberg, gleich hinterm Torbogen des Südtores, von wo aus man schon ein Stück weit in die Welt blicken kann, weiter als andere. Aber ihr Blick über den Tellerrand hat sie nicht von der exponierten Wohnlage aus bekommen. Sie ist 16 Jahre alt, kehrte im Juli vergangenen Jahres dem Gleiberg den Rücken. Aber nicht für immer: Am 12. März kommt sie wieder nach Hause. Zurück von Ibague, einer Stadt in der Nähe von Bogotá.

Die Schülerin der Ostschule Gießen hatte vor gut einem halben Jahr den Wunsch, die spanische Sprache zu lernen. Das kann man in Kolumbien, und damit war auch gleich ein weiteres Bedürfnis befriedigt: Europas Grenzen zu verlassen, um in einem fremden Land dessen Menschen, deren Kultur und Lebensgewohnheiten kennenzulernen. Durch die Hilfe ihres kolumbianischen Freundes, dessen Familie schon viele Jahre in Deutschland lebt, funktionierte der Aufbruch in die Fremde gut, zumal die Eltern von Lara dem Reisedrang ihrer Tochter keinen Riegel vorschoben. Auch mit der heimischen Schule war alles abgestimmt. Die Reisekosten hat sie sich selber verdient. Lara lebt in einer Gastfamilie – es sind Bekannte ihres Freundes – und besucht eine kleine Privatschule.

Herzlich und hilfsbereit

Der Unterricht dauert von 7 bis 16 Uhr, jeden zweiten Tag werden Tests und Arbeiten geschrieben. Dennoch ist das Verhältnis mit den Lehrern sehr locker, eher freundschaftlich; man redet sich mit Vornamen an. »Ich bin auf das herzlichste und hilfsbereiteste Volk getroffen, das ich je kennenlernen durfte«, schreibt Lara. Vorurteilslos kam sie dort an und das öffnete ihr schnell viele Türen. Schnell fand die 16-Jährige so auch Zugang zu den Menschen, die, wie sie weiter berichtet, auffallend direkt, aber liebenswürdig seien. Sie beschreibt sie als kontaktfreudig, die sich besonders über Besucher freuen, die von weit her kommen und dann eine besondere Neugier entwickeln.

Lara zeigte sich erstaunt über das Wissen der Menschen in Kolumbien über Europa und vor allem auch die deutsche Geschichte. Ihre große Gastfamilie kommt immer am Wochenende in einer Finka in den Bergen zusammen. Dort hat sie Carmenza Uribe, eine Cousine ihrer Gastmutter, kennengelernt, die Ärztin ist. Ihr ältester Sohn ist ebenfalls 16 Jahre alt und war im Kleinkindesalter an Krebs erkrankt. Er hat gekämpft, und vor zwei Jahren gab es die Gewissheit, dass er diese Erkrankung besiegen konnte. Der Familie fehlte es nicht an Geld, um die Behandlung finanzieren zu können.

Die junge Gleibergerin hat während ihres Aufenthaltes in Kolumbien aber auch erfahren, dass jedes dritte Kind an Krebs stirbt. Armut beherrscht das Land. Sie hat Armenviertel gesehen, wo die Menschen auf der Straße leben müssen. Sie hat ein Kinderheim für Mädchen, ein Heim für behinderte Jugendliche und andere Schulen besucht. »Weder die jungen Mädchen noch die geistig behinderten Jugendlichen werden adoptiert, da sie schon zu groß sind, um nach den Wertvorstellungen der Adoptiveltern erzogen zu werden« erzählt Lara. So hat Lara ein besonderes Empfinden für die Jugendlichen entwickelt, die an solchen Orten unter meist unwürdigen Umständen untergebracht sind.

Eltern krebskranker Kinder können sich die medizinische Behandlung finanziell nicht leisten – eine Krankenversicherung sei ein Fremdwort für die betroffenen Menschen, sagt Lara. Die Cousine ihrer Gastmutter hat nach der Krebserkrankung ihres Sohnes im Oktober 2009 eine Fundación ins Leben gerufen, um Betroffenen helfen zu können. In dieser Einrichtung finden an Krebs erkrankte Kinder, oft mit einem Elternteil, manchmal auch mit der gesamten Familie, ein Zuhause in einfachen, aber sauberen und menschwürdig eingerichteten Zimmern. Verpflegung wird gestellt. Zwei Krankenschwestern stehen den ganzen Tag zur Verfügung.

Ort der Hoffnung

So haben jährlich rund 60 Betroffene eine Chance auf Pflege und Heilung, freut sich Lara. Alles wird durch Spendenfelder finanziert. Von der Regierung oder anderen öffentlichen Stellen gibt es keinerlei Unterstützung. »Glück« ist das Schlüsselwort, denn viele Hilfesuchende müssen wieder weggeschickt werden, weil die Kapazitäten einfach nicht ausreichen. Die Fundación ist Lara ans Herz gewachsen. Sie sei ein Ort mit viel Leid und dennoch so viel Hoffnung.

Nach allem, was die 16-jährige Schülerin gesehen und erlebt hat, kann und will sie nicht wegschauen. Bevor sie am 12. März wieder zurückkommt, möchte sie Geld für die Fundación sammeln. Es wäre zunächst dazu bestimmt, den Kindern noch effektiver helfen zu können. Ulrike und Erwin Gruber, die Eltern von Lara, haben ein Spendenkonto eingerichtet. Sie stehen mit der Garantie hinter dem Herzensanliegen ihrer Tochter, dass die Gelder direkt dorthin überwiesen und von Lara, bevor sie ihre Rückreise antritt, an Ort und Stelle persönlich übergeben werden und dies durch einen entsprechenden Nachweis quittiert wird.

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