28. März 2017, 12:00 Uhr

Traumstern

Von Gießen in die große weite Welt – und zurück?

Adriana Altaras stellt im Kino »Traumstern« ihr neues Buch »Das Meer und ich waren im selben Alter« vor.
28. März 2017, 12:00 Uhr
Bringt die Dinge auf den Punkt: Adriana Altaras im »Traumstern«. (Foto: us)

Sonntag, 12 Uhr: Draußen zeigt sich der Frühling von seiner himmelblausten Seite. Drinnen im »Traumstern« ist der große Kinosaal abgedunkelt – und randvoll. Adriana Altaras, die dort zu Gast ist, hat in und um Gießen eine treue Fangemeinde. Und sie hat ein neues Buch geschrieben. »Das Meer und ich waren im selben Alter« ist vor gut einer Woche erschienen. Die Lesung im »Traumstern« ist nach Auftritten auf der Leipziger Buchmesse eine der ersten überhaupt. Gießen, wo Adrianas Eltern Jakob und Thea Altaras lange gelebt haben, muss warten, dort steht bislang noch kein Termin.

In Lich hat die Schauspielerin, Theaterregisseurin und Autorin bereits ihre Bestseller »Titos Brille« und »Doitscha« vorgestellt. Nun also »Das Meer und ich waren im selben Alter«. Das Buch versammelt 39 kurze Geschichten und ist aus Beiträgen hervorgegangen, die die Autorin unter anderem für »Zeit online« geschrieben hat. »Du hast so viele Kolumnen, mach‹ doch ein Buch draus«, habe ihre Agentin gesagt, erzählt die 56-Jährige. Viele Kolumnen? Es waren genau zehn. »Ich musste also sehr viel arbeiten.«

Das Buch trägt eine Widmung: »Für Billy«. Das ist die Jugendfreundin aus Gießen. »Wir haben im hohen Alter eine melancholische Liebe zu dieser Stadt entwickelt«, sagt Adriana Altaras. Sie weiß, was sie ihrem Publikum schuldig ist und hat für die Lesung unter anderem Geschichten ausgewählt, in denen Gießen vorkommt. Der Schiffenberg zum Beispiel. Oder die Stadtbibiliothek, die damals noch in der Kongresshalle untergebracht war und deren Bestände der jungen Adriana durch die langen Osterferien halfen.

 

In die große weite Welt

 

Vor bald 40 Jahren, gleich nach dem Abi an der Marburger Waldorfschule, hat sie der Provinz den Rücken gekehrt und ist in die große weite Welt gezogen. New York. Berlin. Mittlerweile ist ihr Blick auf den Ort ihrer Jugend versöhnlicher. Aber alles hat seine Grenzen: »Ich zieh’ jetzt nicht gleich nach Gießen.«

Adriana Altaras hängt an Berlin. Und sie fühlt sich wohl in Deutschland. Für eine Jüdin ihrer Generation, deren Vater bei Titos Partisanen kämpfte und deren Mutter in einem Lager auf der Insel Rab interniert war, keine Selbstverständlichkeit. Vielleicht wird es die nächste Generation leichter haben? »Juden! Wen interessiert das denn noch außer Maxim Biller«, habe ihr älterer Sohn, der im Buch David heißt, neulich gesagt. Lässt das hoffen? »Vielleicht kommt jetzt die Zeit, in der ich von meinen Kindern lerne.«

Ein Kapitel im Buch ist Mascha Kaléko gewidmet. Mit der Dichterin, die in den 1920-er Jahren in Berlin lebte und kurz vor der Pogromnacht 1938 in die USA emigrierte, hat Adriana Altaras nicht nur die widerspenstigen Locken gemein. Ihre Beschreibung Kalékos passt genauso gut auf sie selbst: »Unsentimental, geistreich und schnell. Nicht zu viel germanische Innerlichkeit trotz einer Prise Melancholie.«

Noch Fragen? Das Publikum hatte keine. Dafür einen gesteigerten Bedarf nach Lektüre. Sämtliche Exemplare von »Das Meer und ich waren im selben Alter«, die das Traumstern vorrätig hatte, wurden verkauft und von der Autorin natürlich signiert. Nebenher verriet Altaras, dass sie an einem neuen Roman arbeitet. Worum es geht? Um’s Theater und um den Holocaust. Auf Wiedersehen in Lich!

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